Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Wirtschaft im Norden Ein erfolgreicher Schritt
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Ein erfolgreicher Schritt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:00 14.10.2018
Physiotherapeutin Nicole Clasen unterhält sich mit ihrem Berater Jörn Boller von der Sparkasse zu Lübeck Quelle: Lutz Roeßler
Lübeck

Aus einer Festanstellung in die Selbstständigkeit – diesen Schritt hat Nicole Clasen (36) Anfang dieses Jahres gemeinsam mit ihrem Mann Bastian (38) gemacht. Die beiden eröffneten eine Physiotherapie-Praxis in der Lübecker Ziegelstraße. Jetzt, zehn Monate später, sagt sie: „Wir haben den Schritt in die Selbstständigkeit nicht bereut, sind sehr zufrieden.“

Nicole Clasen war vorher in einer Klinik als Physiotherapeutin angestellt, abends arbeitete sie zusätzlich noch in einer Arztpraxis. „Das war ein Vollzeitjob plus Nebenjob für relativ wenig Geld“, erzählt sie. Ihr Mann war wie sie ebenfalls angestellter Physiotherapeut.  „Wir haben uns für die Selbstständigkeit entschieden, weil sich die Arbeit irgendwann auch wirtschaftlich rentieren soll“, erzählt Nicole Clasen.

 Im Januar 2018 gingen sie an den Start mit der neuen Praxis in der Ziegelstraße 34. „Eigentlich wollten wir eine bestehende Praxis übernehmen, aber nach mehreren Jahren der Suche haben wir uns dann doch zu einer Neugründung entschlossen“, sagt Clasen.  Und vom ersten Tag an hatten sie sehr gut zu tun. Ihre Idee hat sich ausgezahlt: „Wir haben frühzeitig Werbung gemacht, deshalb hatte sich unser Start rumgesprochen.“  

Ich will Gründer werden – was muss ich tun?

Wer ein Unternehmen gründen möchte, erhält in Schleswig-Holstein von vielen Seiten Rat und Hilfe. Ein kurzer Überblick.

„Wer Gründer werden will, muss eine gute Idee haben und den unternehmerischen Willen, diese erfolgreich am Markt zu platzieren“, sagt Nils Thoralf Jarck, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK zu Lübeck. Bei der IHK bekämen Interessenten neutrale, kompetente und kostenlose Existenzgründungsberatung – inklusive einem Businessplan-Check über die Adresse www.ihk-mentor.de. „Wenn der Businessplan und die Finanzierung stehen – dann ab zum Rathaus und das Gewerbe anmelden.“ Geklärt werden müsse die Frage der Finanzierung über Eigen- oder Fremdkapital. „Eigenes Geld gibt es von der Familie, fremdes Geld von der Bank, von fremden Menschen via Crowdfunding, vielleicht auch Business Angels“, erklärt Jarck. Man unterscheide drei Kategorien von Förderung: den Zuschuss, das zinsgünstige Darlehen und eine Bürgschaft. „Wir empfehlen unsere monatlichen IHK-Finanzierungssprechtage in Kooperation mit der Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH) an den Standorten Ahrensburg, Lübeck und Norderstedt.“ Das seien vertrauliche Einzelberatungen, die genau die individuellen Finanzierungsbedürfnisse berücksichtigen und die günstigsten Möglichkeiten aufzeigen.

„Handwerker informieren sich zuerst in der Handwerksrolle, ob ihre Gründung zulassungspflichtig ist“, erklärt Kai-Uwe Steding, Betriebsberater bei der Handwerkskammer Lübeck. Die Kammer biete kostenfreie Beratungen für Existenzgründer an, dafür stehen fünf Betriebsberater bereit. Auch spezifische Fragen wie zum Beispiel der Renten- und Krankenversicherungsschutz für Selbstständige können dabei besprochen werden. Bei der Finanzierung verweist Steding unter anderem auf den Mikrokredit der IB.SH mit bis zu 25 000 Euro, der Antrag kann über die Kammern eingereicht werden. Förderkredite wie das KfW-Startgeld würden in der Regel von der Hausbank des Gründers beantragt, ebenso wie Beträge über 100 000 Euro.

Harald Haase, Sprecher des Kieler Wirtschaftsministeriums, verweist auf die „gute Beratungsstruktur“ im Land. Die „Förderlotsen“ der IB.SH informierten kostenlos über Angebote des Landes, des Bundes und der EU. Gründerinnen fänden bei den Beratungsstellen „Frau und Beruf“ und beim Frauennetzwerk spezielle Angebote. Für Gründungen aus der Arbeitslosigkeit gebe es das „Landesprogramm Arbeit“. Hochschulabsolventen steht ein „Gründungsstipendium“ offen, die Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein (WT.SH) biete dazu ihre Ausgründungsberatung. An der Uni Lübeck ist der Gründer-Cube zentrale Koordinations- und Beratungsstelle für Gründungen.

Doch wie sind Nicole und Bastian Clasen das Projekt Existenzgründung angegangen? „Der erste Weg führte uns zu einer Beraterin des Berufsverbandes“, erzählt sie. Dadurch seien sie gut vorbereitet in die Gespräche mit ihrer Hausbank, der Sparkasse zu Lübeck, gegangen. „Und da waren wir uns schnell einig. Es ging um eine höhere Finanzierung, denn wir brauchten eine komplette Einrichtung für eine neue Praxis“, erklärt Nicole Clasen.  Ihre Zwischenbilanz ist erfreulich: „Es läuft viel besser als wir anfangs dachten. Ab November können wir einen zusätzlichen Physiotherapeuten einstellen. Außerdem haben wir Mitarbeiterinnen für die Praxisorganisation und den Empfang.“

„Der kleinere Mittelstand bildet das wirtschaftliche Rückgrat der Region. Rund jeder zweite Arbeitnehmer ist hier beschäftigt. Durch erfolgreiche Existenzgründungen möchten wir diese Arbeitsplätze erhalten und weitere schaffen, das Förderumfeld bietet dafür gute Voraussetzungen“, erklärt Thomas Timm, Leiter des Firmenkunden-Centers der Sparkasse zu Lübeck. Das Kreditinstitut hat viel mit solchen Gründungen zu tun. 2017 habe man 27 Existenzgründungen mit insgesamt 3,8 Millionen Euro gefördert, daraus seien 102 Arbeitsplätze entstanden. Bis Ende Juli dieses Jahres seien es 13 Gründungen und etwa 4,8 Millionen Euro gewesen. Daraus seien bisher 78 Arbeitsplätze entstanden, erklärt Timm.

Christian Risch

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Start-Up-Unternehmen aus Wentorf holt Publikumspreis beim KfW Award in Berlin

12.10.2018

Der Bau der fünften Schleusenkammer des Nord-Ostsee-Kanals verzögert sich um mindesten vier Jahre. Das musste der CSU-Bundesverkehrsminister jetzt einräumen. Politiker im Norden protestieren scharf.

11.10.2018

Die von der EU geplante Absenkung der Heringsquote um 63 Prozent sorgt bei Fischern im Norden für Empörung. Am Donnerstag ist eine Protestaktion vor dem Berliner Reichstag geplant.

11.10.2018