Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 16 ° Gewitter

Navigation:
Niedriger Ölpreis: Förderfirmen müssen Mitarbeiter entlassen

Büsum/Lübeck Niedriger Ölpreis: Förderfirmen müssen Mitarbeiter entlassen

Da die Gewinnung des Rohstoffs immer unwirtschaftlicher wird, stoppen die Unternehmen ihre Investitionen.

Die Bohr- und Förderinsel «Mittelplate» in der Nordsee vor der Küste bei Büsum (Schleswig-Holstein). Das Nordseeöl trägt einen erheblichen Anteil zur Versorgung Deutschlands bei. Doch der aktuelle Ölpreis reicht kaum aus, um die Kosten der Förderung zu decken.

Quelle: dpa

Büsum. Auch wenn die Verbraucher sowie die Logistikbranche über das günstige Benzin jubeln: Bei den Erdöl fördernden und verarbeitenden Unternehmen hat der Preisverfall auch eine Kehrseite. „Die aktuelle Entwicklung hat zwar keinen Einfluss auf die derzeit laufende Produktion“, sagt Miriam Ahrens, Sprecherin des Wirtschaftsverbands Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG), „doch viele Produkte werden in ihrer Wirtschaftlichkeit neu bewertet.“ Das bedeutet: Erdöl und Erdgas fördernde Unternehmen würden in der derzeitigen Situation geplante Investitionen viel eher stoppen.

Dabei ist auch Schleswig-Holstein betroffen: Mit mehr als 55 Prozent leistet das Bundesland den größten Teil der Erdölförderung in Deutschland. Vor der schleswig- holsteinischen Westküste befindet sich das größte Erdölfeld Deutschlands. Von der dortigen Förderplattform Mittelplate wurden seit 1987 mehr als 30 Millionen Tonnen Öl gewonnen. Dies soll nach Angaben des Betreibers Deutsche Erdoel AG (DEA) auch so bleiben. Doch Unternehmenssprecher Derek Mösche sagt: „Der anhaltende Preisverfall hat auch die DEA mit einer deutlich verschlechterten Erlössituation konfrontiert.“ Zwar seien die Schwankungen im Ölpreis kein neues Phänomen, doch die aktuelle Entwicklung habe die geplante Wiederinbetriebnahme von vier Altfeldern in Schleswig-Holstein vorerst gestoppt. „DEA ist noch in der Prüfphase für die Bewilligungen von Schwedeneck-See und Warnau“, so Mösche über die Vorkommen vor der Eckernförder Bucht und im Kreis Plön. „Für die Bewilligungen Preetz und Plön- Ost haben wir uns bereits entschieden, dass keine Arbeiten zur Gewinnung von Öl aufgenommen werden und haben die Bewilligungen zurückgegeben.“ Denn bei dem derzeitigen Ölpreis seien die Projekte zu unwirtschaftlich — und die DEA setze auf eine mittel- bis langfristig angelegte Strategie.

Erdölfelder

Laut Miriam Ahrens vom WEG haben unter den gestrichenen Projekten insbesondere die Zulieferer zu kämpfen, die Geräte und Stoffe zur Erdölgewinnung liefern. „Die sind arg dran — da ist schon länger Kurzarbeit angesagt.“ So befürchten etwa Investoren Abschreibungen beim Öl-Industrie-Zulieferer Dresser Rand, einer Siemens-Tochter. Auch beim weltgrößten Technik-Dienstleister der Branche, Schlumberger, werden als Reaktion auf den Ölpreis 10000 Mitarbeiter entlassen. Internationale Ölmultis wie BP und Shell kündigten Einschnitte und Entlassungen an.

Zudem drückt die aktuelle Lage auch auf den Deutschen Aktienindex (Dax), weil viele Banken in das Erdöl-Geschäft involviert sind und Anleger Ausfälle befürchten. Aber am Investitionsstau in der Branche ist laut WEG nicht nur der niedrige Ölpreis schuld. „Wenn die rechtlichen Rahmenbedingungen zum Thema Fracking da sind, können auch wieder mehr Entscheidungen getroffen werden“, so Ahrens.

„Der Ölpreis ist da nur einer von mehreren Faktoren.“

Wie sich der Wert des Rohstoffs künftig entwickelt, dazu kann das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) „keine seriöse Einschätzung“ geben. Börsen-Experte Frank Meyer merkt jedoch an: „Solange die Spirale des Wettpumpens so fortgeführt wird, wird es keine merkliche Erholung geben können.“ Nur eine Reduzierung der Fördermenge der großen Erdöl exportierenden Staaten wie Saudi- Arabien oder Russland könne dem Preisverfall entgegen lenken — jedoch werde sich wegen der gut gefüllten Lager insbesondere in den USA kein kurzfristiger Effekt einstellen. So lange wird auch die Förderung von deutschem Öl weniger wirtschaftlich sein. Im Gegensatz zu den Branchenriesen ist Deutschland jedoch nur ein Zwerg in der Ölförderung: 2,4 Millionen Tonnen wurden laut des Jahresberichts des niedersächsischen Landesamts für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) 2014 im gesamten Bundesgebiet gefördert — Saudi Arabien produzierte im gleichen Zeitraum mehr als das 220-fache. Laut WEG kann Deutschland mit der heimischen Förderung gerade einmal 2,5 Prozent des eigenen Bedarfs decken. Noch sollen 30 Millionen Tonnen des „schwarzen Golds“ im hiesigen Erdreich schlummern.

Lena Modrow

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Die Schattenseiten des Ölpreises
Von Andreas Heß

Klar, wer in diesen Tagen an die Tankstelle fährt oder Heizöl bunkern will, der hat vergleichsweise gute Laune.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
DAX
Chart
DAX 12.256,50 +0,13%
TecDAX 2.278,25 +0,15%
EUR/USD 1,1667 +0,03%

Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

Aktien Tops & Flops

DT. TELEKOM 15,66 -0,23%
LINDE 169,26 -0,57%
ALLIANZ 177,22 -0,97%
INFINEON 18,60 -4,53%
VOLKSWAGEN VZ 137,08 -3,93%
CONTINENTAL 192,01 -2,97%

Wertpapiersuche

Wechselkurse interaktiv

Weltkarte

Fonds Top Performer 3 Jahre

Fondsname FA Perf. 3J.
Structured Solutio AF 118,40%
Allianz Global Inv AF 111,29%
Crocodile Capital MF 102,99%
BlackRock Global F AF 100,41%
NORDINTERNET AF 92,29%

mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Kommentar

Bissig, polemisch, kontrovers: Kommentare aus den LN.