Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 5 ° wolkig

Navigation:
Nitrat im Grundwasser: Hohe Belastung in Schleswig-Holstein

Kiel Nitrat im Grundwasser: Hohe Belastung in Schleswig-Holstein

Die Belastung des Grundwassers mit Nitrat nimmt immer weiter zu, in Schleswig-Holstein ist die Lage besonders schlimm. Massentierhaltung und Biogas-Boom verschärfen das Problem. Umweltminister Habeck macht Druck.

Das Luftbild einer Drohne zeigt am 05.09.2016 in Pillgram nahe Frankfurt (Oder) (Brandenburg) die Ernte von Energiemais, so wird Mais bezeichnet, der zur Energiegewinnung in Biogasanlagen genutzt wird. Die Maispflanzen werden gehäckselt und als Futtermittel (Maissilage) in der Rinderhaltung oder als Biogassubstrat verwendet.

Quelle: Patrick Pleul/dpa

Kiel. Die Belastung des Grundwassers mit Nitrat nimmt immer weiter zu. Bundesweit wird der Grenzwert schon auf fast einem Drittel der Fläche Deutschlands überschritten. Das geht aus einer Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine Anfrage der Grünen hervor. In Schleswig-Holstein ist die Lage besonders schlimm. Hier gelte die Qualität des Grundwassers hinsichtlich der Nitratbelastung schon in der Hälfte des Landes als schlecht, heißt es aus dem Kieler Umweltministerium.

Blockadepolitik der großen Koalition

Das Problem ist seit Jahren bekannt: In unserem Grundwasser schwimmt zuviel Nitrat. Das ist gefährlich für die Gesundheit, warnen die Experten.

Als Hauptverursacher gilt die Landwirtschaft. Die Bauern bringen Nitrate im Dünger mit aus, mit der Gülle vor allem, um das Pflanzenwachstum anzutreiben und sicherzustellen. Überschüssiger Dünger wird vom Regen ins Grundwasser geschwemmt. Neben der intensiven Tierhaltung verschärfte ausgerechnet der Biogas-Boom des letzten Jahrzehnts das Problem.

Kommentar zum Thema: Blockadepolitik der großen Koalition

Dafür wird derzeit auf 164 000 der 700 000 Hektar Ackerland im Norden Mais angebaut, vor allem auf dem Geestrücken. Und dort ist die Nitratbelastung jetzt auch besonders hoch, klagt Kiels Grüner Umweltminister Robert Habeck – mit Werten von fast flächendeckend mehr als den erlaubten 50 Milligramm pro Liter.

Habeck drängt deshalb auf eine Neufassung der Düngeverordnung des Bundes. Das hätte schon Ende 2012 erfolgen sollen, bislang habe die Große Koalition in Berlin aber nichts vorangebracht. „Nichts an dem Nitratproblem ist neu oder überraschend. Nur elend, dass der Bund nicht handelt“, sagt Habeck. Dabei habe sogar schon die EU Deutschland verklagt. Es müsse endlich ein einheitliches, „ehrgeiziges Düngerecht“ geben, damit die Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft reduziert werden, zum Beispiel, indem moderne Ausbringungsgeräte Pflicht werden, die die Gülle sparsam in den Boden bringen, so Habeck.

Angeblich soll eine neue Verordnung im Frühjahr 2017 kommen, heißt es dazu aus Berlin nur. Schleswig-Holsteins Bauernpräsident Werner Schwarz mahnt dabei nicht allzu starre Regeln an, „die für die Landwirte auch umsetzbar sind“. Oft genug sei es gar nicht böse Absicht der Landwirte, zu viel zu düngen. „Wir arbeiten mit dem Wetter. Und wenn es im Juni überraschend kalt und nass ist, nehmen die Pflanzen viel weniger Nährstoffe auf.“ Das ließe sich beim Düngen Wochen vorher nicht voraussehen. Aber: „Dass sich da was ändern muss, ist jedem Landwirt klar.“

Schwarz empfiehlt seinen Kollegen, die Beratungsangebote des Landes stärker zu nutzen. Und er rät dem Land, die Angebote auszubauen. „Die Zahlen sind beunruhigend, es besteht Handlungsbedarf“, sagt auch der FDP-Umweltpolitiker Oliver Kumbartzky. Er setzt auf „Beratung, Anreize und eine Zusammenarbeit mit den Landwirten“. Heiner Rickers von der Landtags-CDU hingegen mahnt zu „Prüfung statt Panikmache“. Die CDU fordere eine „Hoftorbilanz“. Jeder Hof solle erfassen, welche Nährstoffe er einsetzt und welche den Hof in Form von Gülle oder Mist verlassen.

Nitrat

Geest stark betroffen

In der Hälfte Schleswig-Holsteins, vor allem in der Geest, gilt die Trinkwasserqualität hinsichtlich der Nitratbelastung als schlecht. Nitrate, Salze der Salpetersäure werden von fast allen Pflanzen benötigt, um Eiweiße herzustellen. Der menschliche Körper benötigt sie nicht. Sie stehen stattdessen im Verdacht, Krebs zu erregen. Bei Säuglingen kann es durch die Aufnahme zu Sauerstoffmangel kommen.

Von Wolfram Hammer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
DAX
Chart
DAX 10.497,00 -1,35%
TecDAX 1.688,00 -1,70%
EUR/USD 1,0672 +0,11%

Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

Aktien Tops & Flops

DT. BANK 15,03 +0,96%
LUFTHANSA 12,20 -0,27%
CONTINENTAL 166,38 -0,44%
INFINEON 15,27 -3,16%
MERCK 92,02 -2,84%
RWE ST 11,55 -2,61%

Wertpapiersuche

Wechselkurse interaktiv

Weltkarte

Fonds Top Performer 3 Jahre

Fondsname FA Perf. 3J.
Bakersteel Global AF 161,98%
Stabilitas PACIFIC AF 154,75%
Structured Solutio AF 151,92%
AXA IM Fixed Incom RF 141,93%
Crocodile Capital MF 124,32%

mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Kommentar

Bissig, polemisch, kontrovers: Kommentare aus den LN.