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Wirtschaft im Norden Nokia-Deal soll Microsoft mobil machen
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Nokia-Deal soll Microsoft mobil machen
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21:18 03.09.2013

Schlussverkauf in der Mobilfunk-Industrie: Für gerade einmal 3,8 Milliarden Euro kann sich der Windows-Riese Microsoft die Nokia-Handysparte einverleiben.

Die Finnen beherrschten einst die Mobilfunkbranche, verpassten dann aber den Smartphone-Trend und wagten vor gut zwei Jahren mit Windows Phone einen Neustart — mit bislang begrenztem Erfolg.

Daher zweifeln Experten, ob Microsoft mit dem Schnäppchenkauf eines taumelnden europäischen Technologie-Riesen seine Position in der Aufholjagd gegen Google und Apple verbessern kann.

Für das Geschäftsmodell von Microsoft bedeutet der Nokia-Deal jedenfalls eine radikale Wende: Der Software-Konzern wurde groß damit, seine Windows-Software an PC-Hersteller zu verkaufen. Die Vielzahl der Windows-Rechner eroberte schnell den Computermarkt. Der Pionier Apple wurde fast zermalmt. Apple-Gründer Steve Jobs und seine Nachfolger hatten stets darauf beharrt, Software und Hardware zu kontrollieren. Für Windows sei dagegen das „Ökosystem“ mit den vielen Partnern der Schlüssel zum Erfolg, wiederholten Microsoft-Manager gebetsmühlenartig. Doch jetzt, nach dem späten Triumph der Apple- Strategie mit iPhone und iPad, vollzieht auch Microsoft eine Kehrtwende. Mit dem Kauf von Nokia wird der Software-Konzern zum zweitgrößten Handy-Anbieter der Welt.

Wenn die Verbraucher künftig ein Lumia-Smartphone kaufen, will Microsoft ihnen ein Gerät bieten, bei dem Software und technisches Innenleben aufeinander abgestimmt sind.

Einen ähnlichen Ansatz verfolgt Google. Mit der 12,5 Milliarden Dollar teuren Übernahme von Motorola kann Google inzwischen auch Hard- und Software aus einer Hand anbieten. Allerdings spielt Motorola unter den Anbietern der Android-Smartphones nur eine untergeordnete Rolle, weil dieses Geschäft in weiten Teilen von Samsung dominiert wird.

Im Wettbewerb mit iOS von Apple und Android von Google hinkt Windows Phone weit hinterher. Nokia und Microsoft haben sich in den vergangenen Jahren selbst in diese missliche Lage hineinmanövriert. Microsoft-Boss Steve Ballmer lachte im Januar 2007 vor TV-Kameras das iPhone aus und konnte sich den rasanten Aufstieg von Apple als Smartphone-Hersteller nicht vorstellen.

Apple lud gestern zur Neuheiten-Vorstellung am 10. September ein. Von der Veranstaltung im Apple-Hauptquartier wird eine neue iPhone-Generation erwartet.

Nokia klammerte sich zu lange an sein veraltetes Symbian-Betriebssystem. „Aus zwei Puten wird kein Adler“, giftete Google-Manager Vic Gundotra bei Twitter bereits Anfang 2011, als Microsoft und Nokia ihre Partnerschaft bekannt gaben.

Schon damals vermuteten viele Branchenbeobachter, es werde nicht dabei bleiben, dass Nokia auf Windows Phone als Betriebssystem für seine Smartphones setzt. Der Microsoft-Manager Stephen Elop wurde von einigen als trojanisches Pferd aus Redmond gesehen, als er den Chefposten von Nokia übernahm. Diese Verschwörungstheoretiker können sich jetzt bestätigt fühlen. Elop gilt nun auch als wahrscheinlicher Kandidat für den Microsoft-Chefposten. Schließlich hatte der langjährige Konzernlenker Steve Ballmer bei seiner Rückzugs-Ankündigung betont, der nächste Chef müsse den Wandel zu einem Anbieter von Geräten und Diensten vorantreiben. Genau das ist Elops neuer Bereich.

Der Deal von Nokia und Microsoft könnte verheerende Folgen für Blackberry haben. Die Kanadier rangen bisher mit Windows Phone um den dritten Platz unter den Smartphone-Plattformen. Jetzt sehen die Aussichten düster aus.

LN

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