Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Wirtschaft im Norden Nord-Häfen nehmen neue Regierung in die Pflicht
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Nord-Häfen nehmen neue Regierung in die Pflicht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:15 14.03.2018
Der Lübecker Hafen – hier der Skandinavienkai – hat den höchsten Umschlag in Schleswig-Holstein. Quelle: Foto: Lutz Roessler
Berlin/Lübeck

Erst über die Häfen sprechen, dann die Kanzlerin wählen: Der Gesamtverband Schleswig-Holsteinischer Häfen (GvSH) hatte sich gestern Morgen einen passenden Zeitpunkt ausgesucht, um mit Abgeordneten ins Gespräch zu kommen.

Dabei hatte der GvSH-Vorsitzende Sebastian Jürgens, auch Geschäftsführer der Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG), nicht nur super Zahlen für die 23 Häfen des Landes zu verkünden, sondern es wurde auch die neue Bundesregierung in die Pflicht genommen. Wenn die Häfen in Schleswig-Holstein weiter auf Erfolgskurs segeln sollen, müssten große Projekte schneller geplant und umgesetzt werden – etwa der Ausbau des Nord-Ostsee-Kanals (NOK), des Elbe-Lübeck-Kanals sowie von leistungsfähigen Schienen- und Straßenanbindungen, verlangte Sebastian Jürgens.

Zwar seien viele dieser Projekte bereits als „vordringlicher Bedarf“ im Bundesverkehrswegeplan bis 2030 enthalten, doch im GvSH ist man skeptisch, was eine schnelle Realisierung betrifft. Der dringend notwendige Ausbau der 5. Schleuse am NOK bei Brunsbüttel werde nicht 2020 abgeschlossen, sondern „deutlich länger“ – möglicherweise drei Jahre – dauern, kritisierte Frank Schnabel, Geschäftsführer der Brunsbüttel Port GmbH. Solche Verzögerungen seien nicht nur ärgerlich, sondern verursachten auch wirtschaftliche Einbußen für die Häfen. Die Logistikpartner verlören das Vertrauen. „Die neue Bundesregierung muss die Ertüchtigung des NOK mit aller Kraft vorantreiben“, forderte Schnabel vom neuen Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer. Der CSU-Politiker aus Niederbayern sei „herzlich eingeladen“, sich die Häfen und Wasserstraßen anzuschauen, sagte der Kieler Verkehrs- und Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP).

Zu einer leistungsfähigen Hafeninfrastruktur der Zukunft gehöre auch die Versorgung der Schiffe mit Landstrom, etwa aus Windkraftanlagen, sowie mit Flüssiggas. Damit die Reeder Ökostrom auch wirklich nutzen, müsse dieser von der EEG-Umlage befreit werden, verlangte Buchholz. Solange dieser Strom teuer sei, würden in den Häfen die Bord-Diesel weiterlaufen, mit erheblichen Nachteilen für die Luftqualität.

Ein ähnlich dickes Brett, das nun gebohrt werden muss, ist die Errichtung eines Terminals für umweltfreundliches Flüssiggas (LNG), das von immer mehr Schiffen genutzt werden kann. Während private Investoren ein solches Terminal in Brunsbüttel errichten wollen, favorisiert Niedersachsen Wilhelmshaven. Buchholz verlangte einen verlässlichen Förderrahmen für ein solches Projekt. Bislang wird Flüssiggas per Lkw vom Hafen Rotterdam herantransportiert. Die Landesregierung wolle ihr Hafen-und-Logistik-Konzept mit den Weichenstellungen für die Zukunft in etwa zwei Jahren vorlegen. Es soll in Zusammenarbeit mit den Häfen sowie den Industrie- und Handelskammern entstehen.

Der Lübecker Hafen, der größte und umschlagsstärkste der Region, ist nach Ansicht von Buchholz wieder in der Erfolgsspur. Der Umschlag wuchs im Vorjahr um 5,5 Prozent auf rund 25 Millionen Tonnen.

Vor allem die Zahl der Lkw und Trailer im Ro-Ro-Verkehr hat kräftig zugelegt. LHG-Geschäftsführer Jürgens kündigte den Ausbau von weiteren 16 Hektar Fläche an, vor allem am Skandinavienkai. Im Hafenbereich dagegen Wohnungen zu bauen, wie in Flensburg geplant, lehnt der Hafenverband strikt ab.

Die großen Vier

Die vier größten Häfen Schleswig- Holsteins (Lübeck, Brunsbüttel, Kiel und Puttgarden) haben mit einem Umschlag von insgesamt 51 Millionen Tonnen im Vorjahr eine neue Bestmarke aufgestellt. Die „Big Four“ realisierten damit rund 95 Prozent der Güterströme des Landes auf Wasserstraßen. Lübeck (25 Millionen Tonnen) ist dabei mit weitem Abstand vor Brunsbüttel (13,1 Millionen Tonnen), Kiel (7,4 Millionen Tonnen) und Puttgarden (5,5 Millionen Tonnen) die Nummer eins unter den schleswig-holsteinischen Häfen.

Reinhard Zweigler

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Fast ein Fünftel aller Führungskräfte bei Deutschlands Mittelständlern ist einer Studie zufolge weiblich. Aber es gibt regionale Unterschiede. Der Mittelstandsatlas 2018 der staatlichen Förderbank KfW zeigt, dass Frauen im Norden am häufigsten im Chefsessel sitzen.

14.03.2018

Die deutsche Wirtschaft wird nach Einschätzung des Forschungsinstituts DIW in diesem Jahr noch stärker wachsen als 2017.

14.03.2018

Essen.  Beim vor der Zerschlagung stehenden Energiekonzern Innogy geht es jetzt um die Sicherheit der Arbeitsplätze.

14.03.2018