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Nun sind die Rüben dran: Bauern glauben an gute Ernte

Högersdorf Nun sind die Rüben dran: Bauern glauben an gute Ernte

Bislang war vorgegeben, wie viele Rüben die Bauern produzieren dürfen, zudem gab es einen garantierten Mindestpreis - rund 30 Euro pro Tonne. Mit dieser EU-Quote ist jetzt Schluss. Trotzdem sehen die Landwirte zuversichtlich in die Zukunft.

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Bauer Timm Ramm aus Högersdorf hat als einer der Ersten im Land mit der Zuckerrübenernte begonnen.

Quelle: Fotos: Lutz Roeßler

Högersdorf. Rüben, Rüben, nichts als Rüben. Zu einem großen Hügel angehäuft liegen die süßen Knollen auf dem Feld von Bauer Timm Ramm (32) aus Högersdorf (Kreis Segeberg).

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Trotz Fall der EU-Quote sehen die Landwirte zuversichtlich in die Zukunft.

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Auf der sieben Hektar großen Anbaufläche fährt Lohnunternehmer Stefan Wrage (30) von der Firma Heinz Liebenau aus dem nahen Rohlstorf mit seiner Erntemaschine auf und ab. Die Rüben werden auf die Ladefläche befördert, die Blätter bleiben gehäckselt liegen und werden später untergepflügt.

„Das Wetter war gut, für die Rübe optimal“, sagt Bauer Ramm erfreut. Erst gab es viel Regen, das war gut fürs Wachstum, und dann kam die Sonne. „Da kann die Rübe Zucker einlagern.“ 60 Tonnen wird der Landwirt an diesem Tag ernten. Obwohl seine Rüben noch recht klein sind und die Ernte sich landesweit mindestens bis Weihnachten hinzieht. „Sie könnten noch wachsen. Aber die Zuckerfabrik in Uelzen (Niedersachsen) beginnt mit der Produktion. Die brauchen jetzt Rüben.“ Morgen sollen dort die Maschinen anlaufen.

Weil Ramm seine Rüben jetzt schon hergibt, als einer der Ersten erntet, bekommt er einen Frühliefer-Ausgleich, sagt Frank Jeche (56), Anbauberater für Schleswig-Holstein bei Nordzucker.

Nach Uelzen gehen 50 Prozent der Zuckerrübenernte aus ganz Schleswig-Holstein, 200000 von insgesamt rund 400000 Tonnen. Im nördlichsten Bundesland gibt es gar keine Zuckerfabrik, und Uelzen nimmt auch nur die Rüben aus dem südlichen Landesteil. „Der Rest geht an die Biogasanlagen“, so Jeche. Er rechnet mit einer „guten, durchschnittlichen“ Ernte.

Allerdings wird es die letzte sein, bei der die alten EU-Regeln gelten. „Zum 30. September 2017 fällt die Zuckerquote“, bestätigt Stefan Büsching (46), Geschäftsführer des Rübenanbauerverbandes Nord.

Bislang war vorgegeben, wie viele Rüben die Bauern produzieren dürfen, zudem gab es einen garantierten Mindestpreis – rund 30 Euro pro Tonne. Doch für Bauern und Verbraucher bedeute der Fall der EU-Regel letztlich kaum eine Änderung, meint Büsching: Die Fabriken hätten mit den Bauern langfristige Verträge ausgehandelt und neue, an die Vertragsdauer gebundene Preise festgelegt. „Man wird sehen, ob das Erfolg hat.“

Peter Koll (48), Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Stormarn und Herzogtum Lauenburg, glaubt ebenfalls nicht an einen dramatischen Wandel. Schon in der Vergangenheit sei die Produktionsmenge Jahr für Jahr leicht gesunken, seien die Preise in der Tendenz eher etwas gefallen. „Die Anbaufläche in Deutschland und Schleswig-Holstein nimmt ständig ab.“ Qualitativ aber sei der hier produzierte Zucker „in Europa und weltweit konkurrenzfähig.“ Und: Die Fabriken hätten begrenzte Verarbeitungskapazitäten, die Bauern seien teils Aktionäre – man sei aufeinander angewiesen. Daran werde sich so schnell nichts ändern.

Auch Bauer Timm Ramm ist Aktionär bei Nordzucker, aus der Höhe seines Anteils resultiert seine produzierte und gelieferte Rübenmenge. Nur einen Tag braucht der Lohnunternehmer für Ramms Rübenacker.

Der „Holmer T 3“ wühlt sich durch sechs Reihen Rüben auf einmal. Einen Hektar pro Stunde schafft diese Erntemaschine. „Und das ist noch die Kleine“, erläutert Fahrer Stefan Wrage. „Es gibt auch Zwölfreiher.“

Timm Ramm könnte mehr Rüben anbauen, die Böden würden es hergeben, sagt er. „Die sind ideal. Nicht zu leicht, nicht zu schwer.“ Aber er hat ja auch noch Getreide, Grünland und 130 Kühe – und er will seine Fruchtfolge einhalten. „Das Verhältnis stimmt so, mit ein paar Hektar Rüben. Die hatten wir schon immer.“

Neue Regeln ab 2017

Nach der Milchquote kippt mit der Quote für den Zucker die letzte Bastion der alten, in die Märkte unmittelbar eingreifenden EU-Agrarpolitik. 2017 öffnet sich die Zuckerbranche für den Weltmarkt. Der Verbrauch von Zucker – für ein Kilo braucht man etwa sechs bis acht Rüben – wird bislang auch über den Import gedeckt. So importiert die EU Rohrzucker aus Brasilien. Mit dem Wegfall der Quote, so die Hoffnung, könnte auch innerhalb der EU mehr produziert und der Zucker-Import verringert werden.

 Marcus Stöcklin

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