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Oberleitungs-Lastwagen: Schluss mit den Elefantenrennen?

Templin Oberleitungs-Lastwagen: Schluss mit den Elefantenrennen?

Neue Technik könnte angenehme Nebenwirkungen für Autofahrer haben.

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Will ein Lastwagen überholen, muss er sich vom Stromnetz lösen. Das ist jedoch wirtschaftlich ineffizient, sagen Experten.

Quelle: Foto: Bernd Settnik/dpa

Templin. .   Die Bundesumweltministerin sieht zufrieden aus hinter dem Lkw-Lenkrad. „Das ist ruhiger, weniger ruckelig, wenn man elektrisch fährt“, sagt Barbara Hendricks. Gerade ist die SPD-Politikerin einen E-Lastwagen Probe gefahren, den die meisten Deutschen frühestens 2019 zu Gesicht bekommen. Auf dem Dach hat er eine Art Geweih wie viele Straßenbahnen – den Stromabnehmer. Auf zwei Kilometern bei Templin in Brandenburg testet Siemens Oberleitungs-Lkw, die – vielleicht – ein Teil der deutschen Verkehrswende werden.

Die Lkw fahren sozusagen an einer „Strom-Leine“, alle 65 Meter steht ein Oberleitungsmast neben der Straße. Überholen? Kein Problem: Der Stromabnehmer wird kurz abgesenkt, ein Dieselmotor übernimmt, der Lastwagen schert aus. Zurück auf der rechten Fahrbahn fährt das Geweih wieder hoch. Die Oberleitungs-Lkw sind Hybridfahrzeuge, die auch ohne direkte Stromzufuhr vorankommen.

Autos gibt es hier auf der Teststrecke nicht. Das wird anders, wenn Anfang 2019 auf zweimal sechs Kilometern bei Lübeck und Frankfurt am Main Feldversuche anlaufen. Für Autofahrer könne die Technik angenehme Nebenwirkungen haben, sagt Hasso Grünjes von Siemens. E-Motoren haben ein höheres Drehmoment, „auch an Steigungsstrecken werden diese Fahrzeuge große Vorteile haben“. Zwar könne man „Elefantenrennen“, die Autos ausbremsen, nicht ausschließen. Aber wenn die Lastwagen wirtschaftlich unterwegs sein wollten, dann blieben sie wohl möglichst viel unter der Oberleitung. 

Bis 2021 sollen die Feldversuche laufen. Der ADAC fordert eine gründliche Auswertung, wie sie sich auf den Pkw-Verkehr auswirken. Ein Sicherheitsrisiko könnten Masten am Autobahnrand sein, sagt ein Sprecher.

Das Bundesumweltministerium steckt in die Feldversuche knapp 30 Millionen Euro. Mehr als 16 Millionen sind schon in die Entwicklung gegangen. Pro Kilometer Autobahn-Elektrifizierung rechnet man mit einer Million Euro Kosten – pro Richtung. Für 3000 Kilometer Oberleitungen würden so etwa sechs Milliarden fällig, rechnet Ministerin Hendricks vor. „Überschaubar“ sei das im Vergleich zu den 270 Milliarden, die laut Bundesverkehrswegeplan in Straßen und Schienen investiert werden sollen. Bundesweit gibt es nach Angaben des Ministeriums aber gut 12000 Kilometer Autobahn.

Wo genau die E-Lkw einmal rollen sollen, steht noch nicht fest – in Frage kämen etwa Strecken mit viel Lkw-Pendelverkehr, sagt Verkehrsreferent Matthias Scheffer vom Umweltministerium.

Einige europäische Nachbarn wie Frankreich und die Niederlande haben auch Interesse. Tests gibt es bisher in Schweden und Los Angeles.  Der Plan ist, dass Nutzer des Systems es auch finanzieren – über eine Maut oder die Stromrechnung.

Klar ist aus Sicht von Umweltschützern, dass im Güterverkehr etwas passieren muss. Der Verkehrssektor stößt heute trotz effizienterer Technik mehr CO2 aus als 1990 und gefährdet Deutschlands Ziele beim Klimaschutz. Der Güterverkehr wird allen Prognosen zufolge noch stark zunehmen.

Feldversuch bei Lübeck

Zwischen Reinfeld und Kreuz Lübeck werden bis Ende 2018 Oberleitungs-Masten installiert. In einem Feldversuch sollen dort Elektro-Lastwagen rollen (die LN berichteten). Der Strom wird überwiegend aus Windkraftanlagen stammen. Das Bundesumweltministerium fördert das Pilotprojekt. Bis zu fünf Lastwagen sollen dafür mit Stromabnehmern ausgerüstet werden und elektrisch im Pendelverkehr zum Lübecker Hafen fahren. Mit von der Partie bei dem Projekt ist die Spedition Bode aus Reinfeld, die die Lkw betreiben soll.

Teresa Dapp

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