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Ölproduzenten uneinig: Preise bleiben noch länger niedrig

Lübeck Ölproduzenten uneinig: Preise bleiben noch länger niedrig

Verbraucher können sich freuen: Heizöl und Benzin bleiben wohl noch länger preiswert, weil die Opec-Länder bei einem Treffen in Doha keinen Kompromiss über die Drosselung der Förderung finden konnten.

Die Avia-Tankstelle in der Falkenstraße in Lübeck. Autofahrer können sich freuen — Tanken bleibt auf absehbare Zeit günstig.

Quelle: Lutz Roeßler

Lübeck. Früher zitterte die westliche Welt vor den Konferenzen der Organisation erdölexportierender Länder (Opec). Meist stand unterm Strich eine Drosselung der Fördermenge — was den Preis in die Höhe trieb und Mehrkosten für Verbraucher und Industrie bedeutete. Heute sieht die Welt ganz anders aus. Der Ölpreis ist seit langem extrem niedrig und die Opec-Länder sind uneinig. Auch beim Treffen am Wochenende in Doha erzielten sie keinen Kompromiss über eine Förderbegrenzung. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent fiel gestern zeitweise um sieben Prozent auf 40,10 Dollar. Verbraucher können sich freuen: Heizöl und Benzin bleiben im Vergleich wohl noch länger preiswert.

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Kein Kompromiss über die Drosselung der Förderung — Iran will zurück zu alter Quote — Experte des Kieler Instituts für Weltwirtschaft: Rohstoff bleibt bis Ende des Jahres billig.

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„Seit zwei Jahren haben wir nun einen Angebotsüberschuss, und bisher gibt es keine Anzeichen, dass die Ölproduzenten bereit sind oder sich dazu gezwungen sehen, ihre Produktion zu drosseln“, sagt Dr. Klaus-Jürgen Gern, Experte für internationale Konjunktur am Institut für Weltwirtschaft Kiel. Daran habe auch das Doha-Treffen nichts geändert. „Das liegt auch daran, dass viele Länder mit dem Rücken zur Wand stehen und dringend die Einnahmen brauchen. Die Saudis etwa sind nicht mehr bereit, ihre Produktion herunterzufahren, denn dann könnten sie Marktanteile an kleinere Anbieter verlieren“, sagt der Kieler Rohstoffexperte. Bleibe die Menge der Ölförderung konstant wie jetzt, werde das niedrige Preisniveau noch bis mindestens Ende dieses Jahres anhalten. Vielleicht gebe es sogar noch Ausschläge nach weiter unten. „Weil nun auch der Iran wieder in den Markt drängt, der nicht bereit ist, sich auf eine Förderbeschränkung einzulassen, kann es sein, dass der Preis nochmals sinkt“, sagt Klaus-Jürgen Gern. Im Laufe des nächsten Jahres könnte der Preis dann aber wieder steigen.

„Das Öl aus dem Iran spielt auf jeden Fall eine Rolle“, sagt auch Alexander von Gersdorff, Sprecher des Mineralölwirtschaftsverbandes in Berlin. Nach Aufhebung der Wirtschaftssanktionen wolle das Land wieder zurück zum alten Förderniveau von vier Millionen Barrel pro Tag. Dabei sei der Markt schon so reichlich versorgt, zurzeit gebe es ein Überangebot von etwa zwei Millionen Barrel pro Tag, deshalb deute momentan auch nichts auf schnelle Änderungen des Preises hin.

In der Uneinigkeit der Ölproduzenten sieht Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) den „ Anfang vom Ende der Opec“. Nach Schätzung der Investmentbank Morgan Stanley könnte das Rohöl-Überangebot weiter steigen. Sollten die Saudis ihre Förderung mehr als bisher vorgesehen anheben, gleichen sich Angebot und Nachfrage womöglich erst 2018 wieder aus. Die Internationale Energieagentur (IEA) hatte dies zuvor für die zweite Jahreshälfte 2016 angenommen.

Gesamtwirtschaftlich, so IfW-Experte Klaus-Jürgen Gern, sei Deutschland durch den niedrigen Ölpreis begünstigt, vor allem die Verbraucher und viele Firmen. „Negative Effekte spüren die Unternehmen, die viel in die Ölländer liefern oder Zulieferer für die Ölförderung sind“, fügt Gern hinzu.

Ein Verlierer könnte auch der Klimaschutz sein, warnt die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. „Der niedrige Ölpreis ist kontraproduktiv für den Ausstieg aus fossilen Energien“, sagt Energieexpertin Margret Hintz. Es gebe enorm viele alte Ölheizungsanlagen, die ausgewechselt werden müssten. „Aber bei den Ölpreisen rechnet sich das für viele Hausbesitzer nicht“, so Hintz. Die Zahl der Beratungen sei schon gesunken.

Von Christian Risch

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