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Offensiv in der Werbung, diskret im Versand

Flensburg Offensiv in der Werbung, diskret im Versand

Boom bei Erotik-Branche – Liebesspielzeug wird ganz neutral im Pappkarton verschickt.

Flensburg. Mit großflächigen Plakaten und TV-Werbespots zur besten Sendezeit werben Erotikhändler heute offensiv für Sexspielzeug. „Wie liebst du diesen Sommer?“ oder „Und wann kommst du?“ lauten die Slogans der Fernseh-Clips – und sie richten sich immer öfter an Frauen. Der Onlineshop eis.de bezeichnet Frauen inzwischen als „Premium-Zielgruppe“.

 

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Maike Rotermund führt den Versandhandel Orion.

Quelle: Rehder/dpa

Angefangen habe es mit „Sex and the City“ und „Fifty Shades of Grey“, erzählt Lea-Sophie Cramer. „Plötzlich wurde es gesellschaftsfähig, dass Frauen ihr Interesse an Sexualität bekunden“, sagt die 29-Jährige, die daraufhin mit Geschäftspartner Sebastian Pollok die Onlineplattform amorelie.de gründete. Dort verkaufen sie vor allem Sextoys in knalligen Bonbon-Farben. Die beiden wollen raus aus der Schmuddelecke. „Ich glaube, dass es Einfluss auf das Wachstum der Branche hat, dass Frauen sich beruflich und privat ausleben können, dass sie gleichberechtigt sind.“ Cramers Unternehmen veranstaltet auch Partys wie der Schüssel-Hersteller Tupper. „Wenn wir sagen, unsere Produkte gehören zur Mitte der Gesellschaft, dann müssen wir die Mitte der Gesellschaft auch erreichen – tagsüber“, sagt Cramer zu den TV-Spots. Das vor vier Jahren gegründete Start-up setzt inzwischen Millionen um. 75 Prozent der Anteile verkauften die Gründer 2015 an die ProSieben-Gruppe.

Maike Rotermund (40) führt mit Orion einen Erotikversand mit jahrzehntelanger Tradition. Sie profitiert nach eigenen Worten ebenfalls vom freizügiger gewordenen Gesellschaftsklima: „Es ist einfacher, öffentlich zu werden“, sagt sie. 2012 schaltete Orion mit als erster Konzern bunte TV-Werbung für Dildos & Co., damals erst nach 22 Uhr. „Es ist eine Gratwanderung, dafür zu werben, aber die Leute nicht zu überfordern“, sagt Rotermund, die 2014 die Leitung des Familienbetriebs mit 67 Millionen Euro Jahresumsatz von ihrem Vater übernahm. Frauen scheinen in der Branche besonders erfolgreich zu sein: Rotermund ist Stief-Enkelin von Beate Uhse, in England führt Jacqueline Gold die Geschäfte von Ann Summers. Orion versucht, alle Geschlechter anzusprechen. Komplett ablegen will Rotermund das althergebrachte Image deshalb nicht: „Erotik muss immer ein bisschen verrucht sein.“

Viele Kunden behandeln das Thema Sextoys dennoch lieber diskret – und bestellen online. Kunden des Flensburger Versandhauses Orion wissen, dass von außen nichts auf den Inhalt der Schachtel hinweist. Noch nicht mal eine Postleitzahl aus Flensburg, die – gerade wegen Beate Uhse – wie keine andere deutsche Stadt für den Erotikartikel steht. Und doch: Die einst verruchten Spielzeuge für Erwachsene werden immer öffentlicher.

LN

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