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Wirtschaft im Norden Palmberg: Mit 200000 DM fing es am 1. September 1990 an
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Palmberg: Mit 200000 DM fing es am 1. September 1990 an
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18:10 04.09.2015

Schönberg — Seit 25 Jahren gibt es die Schönberger Firma Palmberg Büroeinrichtungen + Service GmbH. Geschäftsführer Uwe Blaumann blickt im Gespräch mit den Lübecker Nachrichten zurück.

Lübecker Nachrichten: Wo steht Palmberg heute im Vergleich mit anderen deutschen und europäischen Möbelherstellern?

Uwe Blaumann: Bei den Büromöbelherstellern ist es uns gelungen, gang vorne in die Spitze vorzustoßen. Wir sind mit Sicherheit sogar einer der Marktführer in Europa.

LN: Wie sehr hat sich der Markt in den letzten Jahren geändert?

Blaumann: Die Reihen haben sich deutlich gelichtet in den vergangenen 25 Jahren. Namhafte und führende Hersteller mussten die Segel streichen.

LN: Warum konnte sich Palmberg in dem Haifischbecken behaupten und seine Position ausbauen?

Blaumann: Ich behaupte, weil wir nie mit uns zufrieden waren, immer nach vorne gestrebt haben. Und weil wir ein Gesetz ganz genau beachten: Das Gesetz, der Kunde ist König. Unser gesamtes Handeln in der Firma bestimmt nur einer: Und das bin nicht ich, sondern der Kunde.

LN: Wie zufrieden sind Sie mit dem, was Sie in den vergangenen 25 Jahren erreicht haben?

Blaumann: Grundsätzlich bin ich nie zufrieden, aber wenn man das rückblickend betrachtet, muss ich sagen: Was will man mehr? Aus einem Nichts, aus einem Schrotthaufen war ich sicher maßgeblich daran beteiligt, dass daraus so eine Firma entstanden ist. Darauf bin ich schon stolz.

LN: Weshalb haben Sie sich damals für den Schritt in die Selbständigkeit entschieden?

Blaumann: Ganz zu Anfang hatte ich ja gar nichts zu verlieren. Im Gegenteil: Ich hätte nur gewinnen können. Ich hab‘s ganz einfach angepackt. Irgendetwas musste ich ja machen. Ich fühlte mich damals aber auch den Menschen verpflichtet, weiterhin für sie zu sorgen und Arbeitsplätze zu schaffen.

LN: Wie schwer war es nach dem Ende der DDR, das Werk zu übernehmen?

Blaumann: Das war eigentlich ein Selbstgänger. Mein Partner Torsten Utz und ich haben gesagt, wir übernehmen das Werk und sind dann zur Treuhand gefahren. Am 1. September 1990 haben wir unter der Obhut der Treuhand angefangen. Die Treuhand hat eine gewisse Sicherheit gegeben, und dann haben wir einfach angefangen, unsere Möbel zu entwickeln. Büromöbel wurden damals händeringend gebraucht. Die wurden uns praktisch von der Laderampe gerissen. Dadurch waren wir bereits im ersten Jahr sehr erfolgreich und haben einen Riesenschritt nach vorne gemacht.

LN: Wie hoch war der Kaufpreis?

Blaumann: Der wurde anhand eines Wertgutachtens bewertet und war festgelegt auf 200 000 DM. Also zunächst jeweils 100 000 Mark für mich und für Herrn Utz. Aber dann fiel der Treuhand noch ein: Mensch, den beiden jungen Leuten, denen trauen wir nicht. Die kennen auch nichts über Vertriebsstrukturen, und da haben sie uns noch einen dritten Gesellschafter aufdiktiert und dann gesagt:

Dann machen wir lieber 210 000 DM, das teilt sich besser durch drei, sodass jeder von uns 70 000 Mark zahlen musste.

LN: Heute hat Palmberg aber nur zwei Gesellschafter, Sie und Herrn Utz?

Blaumann: Ja, der dritte Gesellschafter wurde lästig, hat uns aufgehalten und behindert. 1993 haben wir uns von ihm getrennt.

LN: Sicher mit einem Batzen Geld verbunden. Für eine junge Firma, wie Palmberg es war, bestimmt keine kleine Hürde.

Blaumann: Das war ein saftiges Problem. Wir haben 1990 einen Umsatz von 3,4 Millionen Mark gemacht. Zwei Jahre später hatten wir den Umsatz mehr als verdoppelt. Die Anteile des dritten Gesellschafters mussten wir rauskaufen. Das heißt, wir mussten eine halbe Million Mark hinblättern.

LN: Wie kam es zu dem Firmennamen Palmberg?

Blaumann: Die Namensrechte für den Namen Palmberg hat unser Produktionsleiter, der Herr Lutz. Wir waren auf Namenssuche und zur Auswahl standen Schönberger Möbelwerk GmbH und Schönberger Büromöbel GmbH. Der Name Schönberg war durch die Deponie ja nicht unbefleckt. Herr Lutz sagte damals: Renomierte Firmen haben in einigen Städten einen Straßennamen und wir haben hier eine Straße, die heißt Am Palmberg. Dann lasst uns doch den Namen Palmberg Büromöbel nehmen. Und das ist der Name, der mit zum Erfolg geführt hat.

LN: Wie sehr ging es auf und ab mit den Mitarbeiterzahlen in den vergangenen 25 Jahren?

Blaumann: Vor der Wende haben immer so um die 220 Menschen im Schönberger Möbelwerk gearbeitet. Nach der Wende waren wir auf einen Schlag nur noch 150. Viele sind in den Westen gegangen. Mit etwas über 100 Mitarbeitern haben wir angefangen. Und der tiefste Stand waren irgendwann mal 68 Leute. Heute haben wir 505 Angestellte. 50 davon sind von Anfang an dabei.

LN: Sie haben viel Geld in den Sport gesteckt — unter anderem in den FC Schönberg 95. Wie wichtig war das, um Palmberg bekannter zu machen?

Blaumann: Die Idee hatte ich und unterm Strich muss ich sagen, was Besseres hätte es gar nicht geben können, um den Namen so bekannt zu machen. Wir hatten sechs, sieben ganz intensive Jahre beim FC Schönberg. Wir standen sechsmal in Folge in der ersten Runde des DFB-Pokals. Gegner wie der HSV kamen nach Schönberg, der VfB Stuttgart und der große FC Bayern München. Die Spiele wurden in der Sportschau gezeigt. Dadurch haben wir im Bekanntheitsgrad einen unglaublichen Sprung gemacht. Das war einmalig und hätte uns sonst Millionen an Werbung gekostet.

LN: Wie sieht es in Zukunft aus? Wollen Sie weiter so viel Geld für Marketing in den Sport stecken?

Blaumann: Heute sind wir dank der Investitionen dort, wo wir hinwollten. Ganz oben. Wir sind ein renommierter Büromöbelhersteller, der das Vertrauen vieler Kunden genießt. Also unser Bedarf an Sportmarketing wird sich in Grenzen halten. Hansa Rostock ist Geschichte. Der FC Schönberg wird aber immer von Palmberg profitieren. Mit der Jugendarbeit werden wir alles dafür tun, um den Verein am Leben zu halten. In welcher Liga die erste Mannschaft spielt, ist dabei völlig irrelevant.

LN: Sie sind mittlerweile 57 Jahre alt. Haben Sie schon einen Nachfolger im Blick?

Blaumann: In den nächsten zwei bis fünf Jahren gibt es noch keine Überlegungen diesbezüglich. Das werden Herr Utz und ich im stillen Kämmerlein beraten und dann mit Sicherheit für alle Beteiligten eine gute Lösung finden. Laut dem gegenwärtigen Stand wird es wohl aber keine interne Lösung geben. Die Stelle für einen neuen Geschäftsführer wird ganz normal ausgeschrieben.

Interview von Steffen Oldörp

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