Volltextsuche über das Angebot:

23 ° / 17 ° wolkig

Navigation:
Philosophie in Holz: Die Kunst des Wirtschaftens

Wirtschaft Philosophie in Holz: Die Kunst des Wirtschaftens

Thomas Brokopp hat Erfolg mit exklusiven Liegen / Der Bestseller kommt so gut an, dass er ihn patentieren lässt / Die Galerie in Hohen Schönberg soll ausgebaut werden.

Voriger Artikel
Briefporto steigt: Post kündigt zum Start Kulanz an
Nächster Artikel
Futtermittel: Betriebe müssen Kontrollen zahlen

Die schwebende Design-Holzliege Soulbalance ist der Bestseller.

Hohen Schönberg Alles lief glatt, vielleicht zu glatt: Thomas Brokopp lernte Bildhauer, machte seinen Meister als Tischler, leitete schließlich eine Ausbildungsfirma — bis er mit 35 Jahren in der Lebenskrise steckte. Das Ergebnis: Er stieg aus, akzeptierte sich als kreativen Freigeist, fand zurück zum Spaß an der Arbeit. Und wurde damit erfolgreich, denn seine geschwungenen Design-Holzliegen kommen gut an, nicht nur in Deutschland. 2014 eröffnete er seine Galerie „Mooin“ in Hohen Schönberg zwischen Klütz und Dassow. Doch in die Schublade „Künstler“ lässt sich der 47-Jährige nicht stecken, denn sein Erfolg beruht auf intensiver Kalkulation, verrät er im Interview.

Darf man Sie als Holzkünstler bezeichnen?

Thomas Brokopp:  Künstler — das klingt immer, als ob man irgendwann zur Mittagszeit aufstünde und sich dann nach Laune durch den Tag treiben ließe. Aber so funktioniert das nicht — oder zumindest nur, wenn das Konto voll ist. Erst, wenn Geld da ist, kann ich Künstler sein und auch mal was Verrücktes machen.

Nämlich?

Brokopp:  Etwa 99 Pfingstochsen per Hand schnitzen. Das habe ich 2005 in Rerik gemacht.

Also einfach draufloskünstlern geht nicht?

Brokopp:  Nein. Man braucht ein Alleinstellungsmerkmal, ansonsten überlebt man auf dem Markt nicht. Bei mir sind es die ergonomisch geformten Schaukeln und Liegen aus Lärchenholz. Das zu finden ist die eigentliche Kunst.

Wie lange haben Sie danach suchen müssen?

Brokopp:  Das war nicht einfach eine fertige Idee, sondern eine Entwicklung. Die erste Liege habe ich 2006 gebaut — bis sie perfekt war, dauerte es acht Jahre. Ich habe zugehört, was die Leute sagten, und sie danach immer weiterentwickelt. Denn schon mein Opa sagte: Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler, das ist auch meine Maxime. Und so wurde ich letztlich erfolgreich, also finanziell unabhängig.

Und das ist Ihnen allein gelungen?

Brokopp: Naja, ich arbeite allein, entwickle und baue die Prototypen, teste sie. Bis man den einen Schatz gefunden hat, hat man schon neun Prototypen weggeworfen. Wenn ein Produkt funktioniert, lasse ich es bauen.

Und dann läuft es von allein?

Brokopp: Nein. Um mit Kunst erfolgreich zu sein, muss man viele Dinge berechnen, und dabei zählt das Marketing. Man braucht Berater. Es gibt für alles Profis, ob Messen oder Online-Marketing.

Die habe ich gesucht. Und gefunden. Denn es ist wichtig, dass man Leute hat, die einem auch mal ehrlich sagen, dass eine Idee Mist ist. Und welche, die sich auskennen. So habe ich auch von vielen Fördermöglichkeiten erfahren. Das LFI (Landesförderinstitut MV, Anm. d. Red.) etwa unterstützt die Teilnahme an bis zu drei Messen im Jahr — das ist wirklich bedeutsam.

Sie kommen aber auf weit mehr Messen, oder?

Brokopp:  Ja, obwohl ich gerade ein Jahr der Ruhe habe. Sonst besuche ich etwa 30 Messen pro Jahr, dieses Mal sind es nur acht. Ich habe ausgesiebt, geguckt, welche sich lohnen. Mein Ergebnis:

Die teuersten Messen bringen auch am meisten. In der Schweiz sind die Standpreise am höchsten — dafür kommt da aber auch wirklich nur Klientel, das sich für Design interessiert und es auch bezahlen kann. Es war zwar am Anfang ein Risiko, denn das Geld muss ja wieder reinkommen, aber man muss auch über den Tellerrand gucken, wenn man Erfolg haben will. Und es hat sich gelohnt: Eine Messe in der Schweiz bringt mir etwa so viel wie sieben in Deutschland . . . danach kommen so viele Folgeaufträge rein — ich kann nur jedem empfehlen, mutig zu sein!

Nur in der Schweiz?

Brokopp:  Nein, ich verkaufe auch in Luxemburg, Frankreich, Spanien, ein paar Exemplare haben es sogar schon nach Kanada geschafft. Daher bin ich auch gerade dabei, meine Designs international schützen zu lassen.

Ist Deutschland damit bald kein Thema mehr für Sie?

Brokopp: Doch! Die meisten Kunden sind aus Deutschland. Ich möchte auch wieder mehr in der Region aktiv werden. Ich will nämlich nicht mehr so viel herumfahren — ich arbeite schließlich, um mir meine Zeit mit dem Geld schön gestalten zu können, nicht um sie zu verfahren. Dazu suche ich gerade nach Partnern in MV, die meine Produkte präsentieren wollen — und das auch nach meinen Vorstellungen können.

Dann ist die Galerie vor der Tür ja schon der richtige Weg.

Brokopp:  Die ist sehr wichtig! Die Galerie macht etwa 20 Prozent meines Umsatzes aus. Und sie soll auch größer werden ab kommendem Jahr, dann geht‘s richtig in die Vollen. Ich möchte sie um ein Galeriegebäude ergänzen, für meine Indoor-Sachen.

Scheint, als ob Sie mit ihrem Schritt Richtung Selbstständigkeit ziemlich zufrieden sind und alles richtig gemacht haben.

Brokopp:  Mmh ja. Angestellt? Nie wieder! Das war die richtige Entscheidung, auch wenn‘s natürlich schlechte Jahre gab, in denen ich alles hinterfragt habe.

Woran lag‘s?

Brokopp:  Am Ego. Wenn die Firma explodiert — wie 2011 bei mir — denkt der Geist, es ginge immer so weiter. Man denkt, man ist der Größte und man investiert. Und dann läuft es eben nicht so weiter . . . zu Spitzenzeiten hatte ich einen eigenen Fuhrpark und fünf Bildhauer, ich wollte immer weiter wachsen. Heute frage ich mich: Wachsen, wozu? Ich will einfach nur zufrieden sein.

Und das ist wann?

Brokopp: Wenn Geld zum Reisen da ist.

Wohin geht es dann?

Brokopp:  New York, Paris, . . . ich kenne viele Künstler, die ich gern besuche. Ich gucke mir auch oft Designmessen an, am liebsten in Paris. Wenn ich gutes Design sehe, startet in meinen Kopf ein Feuerwerk. Dabei suche ich auch gleich nach Perlen und lerne ihre Fettnäpfchen kennen. Wenn da schon jemand reingelaufen ist, muss ich ja nicht dasselbe machen.

Was ist denn gutes Design?

Brokopp:  Für mich muss es in erster Linie schön sein, wenn man es sieht. Und dann eben auch noch funktional. Wie meine Soulbalance-Liege. Sie schwingt wie eine Wiege, so wird das embryonale Empfinden nachgeahmt — das lieben die Menschen einfach.

Scheint so — sogar Ministerpräsident Sellering lag schon drin!

Brokopp:  Ja, er war aber der erste Politiker. Merkel, Backhaus und wie sie alle heißen, standen schon davor, aber keiner traute sich, sich einfach mal hinzulegen — Image ist alles, da sind sie sehr vorsichtig. Aber Sellering kam, sah und zack, da lag er auch schon in der Liege. Ich fand‘s gut.

Die Open-Air-Galerie Mooin in Hohen Schönberg ist täglich geöffnet.

• Internet:

www.brokopp.com

Das Messen-Business
12 Milliarden Euro geben deutsche Aussteller und Besucher pro Jahr in etwa für ihr Messe-Engagement aus, so die Angaben vom Ausstellungs- und Messe- Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (AUMA). Die deutschen Messeveranstalter — etwa 100 gibt es — erwirtschaften jährlich einen Umsatz von über 3 Milliarden Euro. Laut AUMA haben fünf der zehn umsatzstärksten Messegesellschaften der Welt ihren Sitz in Deutschland. Allein 226000 Arbeitsplätze werden in der Bundesrepublik durch Messen gesichert.
20 Messen gab es 2015 in Rostock, dem Ausstellungszentrum Mecklenburg-Vorpommerns. Platz 2 belegt die Landeshauptstadt Schwerin. Zudem gibt es den Messeplatz Mühlengeez, wo auf etwa 170000 Quadratmetern alljährlich die Agrarmesse MELA stattfindet. Hinzu kommen kleinere Messeplätze, etwa die Hanseschau in Wismar oder die Lebensart in Brook.
Die nächste Ausstellung im Land ist vom 22. bis 24. Januar 2016 eine Doppelmesse rund um die Freizeitgestaltung: In der Rostocker HanseMesse können die Besucher zeitgleich die „Fahrrad & Outdoor“ sowie die „Viva Touristika“ erkunden.

Interview von Anne Kubik

Voriger Artikel
Nächster Artikel
DAX
Chart
DAX 12.206,00 -1,94%
TecDAX 2.266,50 -1,11%
EUR/USD 1,1661 +0,24%

Quelle: Sponsor Deutsche Bank / Realtime Indikation

Aktien Tops & Flops

LINDE 169,45 -0,46%
BAYER 111,12 -0,86%
RWE ST 17,45 -0,89%
INFINEON 18,46 -5,24%
VOLKSWAGEN VZ 136,55 -4,30%
CONTINENTAL 190,60 -3,68%

Wertpapiersuche

Wechselkurse interaktiv

Weltkarte

Fonds Top Performer 3 Jahre

Fondsname FA Perf. 3J.
Structured Solutio AF 118,68%
Allianz Global Inv AF 112,68%
Crocodile Capital MF 102,99%
BlackRock Global F AF 102,66%
NORDINTERNET AF 98,52%

mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Kommentar

Bissig, polemisch, kontrovers: Kommentare aus den LN.