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Wirtschaft im Norden Piloten-Revolte bei Air Berlin
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Piloten-Revolte bei Air Berlin
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22:10 12.09.2017
Berlin

Hintergrund der offensichtlichen Piloten-Revolte: Am Montag hatte die Geschäftsführung Medienberichten zufolge die Verhandlungen zum Übergang von mehr als 1200 Air-Berlin-Piloten auf den potenziellen neuen Käufer der Airline abgebrochen. Die Piloten reagierten mit massenweisen Krankmeldungen, viele davon wurden erst unmittelbar vor ihrem Einsatz abgegeben. Allein in Hamburg mussten nach Angaben einer Flughafensprecherin bis zum Abend 21 Ankünfte und 24 Abflüge annulliert werden. Air Berlin selbst sprach von bundesweit 8000 betroffenen Fluggästen. Die Fluggesellschaft schaltete eine Hotline und bat Reisende, die von einer Streichung betroffen sein könnten, vor ihrer Fahrt zum Flughafen im Internet den Status ihres Fluges zu überprüfen. Für viele Passagiere kam der Hinweis gestern zu spät. „Wir bedauern die Unannehmlichkeiten für unsere Gäste“, teilte eine Sprecherin von Air Berlin mit. Piloten baten in Sozialen Netzwerken um Verständnis für ihre Aktion.

Für die Airline kommen die Krankmeldungen zur Unzeit. „Der heutige Tag kostet uns mehrere Millionen Euro“, sagte Vorstandschef Thomas Winkelmann. Ein stabiler Betrieb sei zwingende Voraussetzung dafür, dass Verhandlungen mit Kaufinteressenten gelingen. Bisher seien die Beschäftigten professionell mit der schwierigen Situation umgegangen. „Das, was wir jedoch heute bei einem Teil der Belegschaft sehen, ist ein Spiel mit dem Feuer.“ In einer internen Mitteilung der Air Berlin heißt es: „Heute ist der Tag, der die Existenz der Air Berlin bedroht.“ Die Gewerkschaft Cockpit widersprach unterdessen Darstellungen, Piloten dazu aufgerufen zu haben, sich krank zu melden.

Leidtragende auf den Flughäfen waren zu allererst Passagiere, deren Flug annulliert wurde. Die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein riet dazu, in einem solchen Fall auf eine Umbuchung zu bestehen.

Es sei nicht damit zu rechnen, dass die Fluggesellschaft Ticketpreise erstatte. „Wer auf eigene Kosten einen Ersatzflug bucht, wird das Geld wahrscheinlich nicht zurückbekommen“, sagte Vivien Rehder.

Grundsätzlich gelte: Passagiere hätten nach der EU-Fluggastrechte-Verordnung Ansprüche auf Entschädigung, wenn sie nicht ans Ziel gebracht werden. Das gelte bei Verspätung, Annullierung oder Nichtbeförderung. Bei einer Insolvenz müssten diese Ansprüche gegebenenfalls beim Insolvenzverwalter angemeldet werden. Verbraucherschützer raten auch dazu, wenn möglich kein Gepäck mehr bei Air Berlin aufzugeben. Gehe ein Koffer verloren oder werde er beschädigt, bleibe der Kunde wohl auf seinem Schaden sitzen. Vielflieger-Bonusprogramme lassen sich bei Air Berlin nicht mehr einlösen.

„Glücklicher sind Pauschalreisende dran“, teilte das Lübecker Reisebüro Gilly mit. Sie könnten sich an ihren Reiseveranstalter wenden, bei dem sie die Reise gebucht haben. Er müsse für Ersatz sorgen, wenn der Flieger nicht abhebe.

Erst am Montag hatte Air Berlin bekanntgegeben, die Karibik-Flüge ab Düsseldorf zum 24. September einzustellen. Flüge auf die Niederländischen Antillen, nach Cancun in Mexiko, Havanna und Varadero auf Kuba sowie in die Dominikanische Republik entfielen damit. Grund sei die im Insolvenzverfahren notwendige Reduzierung der Langstreckenflotte. Die verlustreiche Air Berlin musste Mitte August Insolvenz anmelden, nachdem der arabische Großaktionär Etihad die Zahlungen eingestellt hatte.

Von Curd Tönnemann

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