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Wirtschaft im Norden Plattenläden haben noch immer viele Fans
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Plattenläden haben noch immer viele Fans
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11:45 15.10.2017
Das Geschäft mit den Tonträgern mache immer noch rund ein Drittel des Umsatzes aus, sagt Patrick Buttler vom Pressezentrum in Lübeck. Quelle: Fotos: Ulf-Kersten Neelsen
Lübeck

„Die meisten der Sammler-Ausgaben zur Plattenladenwoche sind schnell vergriffen“, meint Patrick Buttler (41), Mitarbeiter des Lübecker Pressezentrums. Das Geschäft mit den Tonträgern mache immer noch rund ein Drittel des Umsatzes aus. „Filme auf DVD mit eingerechnet.“ Auch Schallplatten würden regelmäßig nachgefragt. „Fast jede musikalische Neuerscheinung gibt es heute nicht nur als CD, sondern auch als Schallplatte“, sagt Buttler. „Zu den gefragtesten Interpreten gehören Helene Fischer, Cat Stevens und Van Morrison.“

Am Montag beginnt die Plattenladenwoche. Für Sammler und Liebhaber von Vinyl-Schallplatten jedes Jahr ein Highlight. Limitierte Pressungen – unter anderem „Fake Sugar“ von Beth Ditto als transparente LP – locken. Auch in der Region beteiligen sich mehrere Geschäfte an der Aktion.

Die Plattenladenwoche

Die „Aktiv Musik Marketing GmbH und Co. KG (AMM)“, in der zahlreiche Plattenläden in ganz Deutschland organisiert sind, startet jedes Jahr im Herbst die Plattenladenwoche. Diesmal geht sie vom 16. bis 21. Oktober. Die 15 Langspielplatten, die dazu in limitierter Auflage erscheinen und weitere Infos gibt es im Internet unter www.plattenladenwoche.de

Insgesamt sind Tonträger indes ein schrumpfendes Marktsegment – rund 10000 hat das Pressezentrum vorrätig. Vor 20 Jahren seien es viermal so viele gewesen, sagt Buttler. Und: „CD- und Plattenkäufer sind im Schnitt über 40 Jahre alt. Die Jüngeren hören Musik lieber über das Handy und nutzen Internet-Dienste wie Spotify.“

Kirsten Sinning (53) gehört zu jenen, die noch regelmäßig CDs kaufen. Sie fragt nach der neuen CD ihrer Lieblings-Sängerin Lara Fabian. „Ich komme aber auch sonst oft her, um zu gucken, was es so gibt.“ Sie arbeite in der Nähe, sagt die Arzthelferin. „Da liegt das Pressezentrum günstig.“

Auch den Plattenladen Sound-Eck in Bad Segeberg besuchen viele Stammkunden. Gerda Möller (67) gehört dazu. „Ich habe einen Song im Radio gehört.“ Ein englischer Hit, die Melodie ging ihr nicht aus dem Kopf. „Leider spreche ich kein Englisch und wusste auch nicht, wie der Titel heißt. Da bin ich in den Plattenladen gegangen. Die haben sich den Sender und die Uhrzeit aufgeschrieben und suchen ihn nun für mich“, freut sich die Seniorin.

Ladeninhaber Detlev Uhlitzsch nickt. „Wer auf Qualität achtet und Wert auf Service legt, der kommt zu uns.“ Auch in Bad Segeberg seien es überwiegend die Älteren, die sich nach CDs oder Schallplatten erkundigten. „Es kommen manchmal auch ganz junge Leute und fragen nach Hip-Hop oder so. Das muss man dann aber auch da haben – die kommen nicht wieder.“

Mit Ticket-Service und Gold-Ankauf hat sich Uhlitzsch zwei weitere Standbeine geschaffen. Die Nachfrage ist auch bei ihm nicht mehr so wie vor 25 Jahren, als er das Geschäft eröffnete. Die Neuerscheinungen der Plattenladen-Woche werde er übrigens nicht vorrätig haben, so Uhlitzsch. „Das sind spezielle Sachen, für die ich hier in Segeberg keine Kunden sehe.“

Stephan Schulze (61) vom Klassik-Kontor in Lübeck lebt von einem Spezialsegment. „Für Klassik für interessieren sich rund zehn Prozent aller CD-Käufer.“ Deshalb seien die Angebote der Plattenladenwoche für ihn weniger interessant. „Weil es eben keine Klassik-Editionen sind.“

Bei ihm gehen am besten die großen Klassik-Namen wie Daniel Hope, David Garret, Anna Netrebko oder Jonas Kaufmann. Die Liebhaber , die zu ihm kämen, seien überwiegend älter als 60. Dabei gebe es im Wesentlichen zwei Käufertypen: Nicht wenige Kunden – auch jüngere – kämen und fragten nach einem passenden Geschenk für jemanden, der eine bestimmte Klassik-Richtung liebe. „Es gibt aber auch Musik-Liebhaber, die haben zu Hause so viele CDs wie ich im Laden und kaufen sich dann noch die siebte Aufnahme einer bestimmten Bruckner-Symphonie.“

Schulze hat rund 8000 verschiedene Titel ständig präsent, dazu Klassik-DVDs, aber auch FilmKlassiker und Hörbücher. „Grünter Grass war auch einige Male hier“, erinnert sich Schulze. „Ein Kunde sah ihn von draußen und kam herein. Ob ich etwas von Grass hätte?“ Schulze gab ihm eine von Grass gelesene CD des Romans „Die Blechtrommel“. „Die hat er sich dann signieren lassen.“

 Marcus Stöcklin

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