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Polen stoppt russische Lkw: Ansturm auf die Fähren

Kiel Polen stoppt russische Lkw: Ansturm auf die Fähren

Transitabkommen wurde ausgesetzt — Reedereien erhöhen die Kapazitäten — Kieler Hafen hält zusätzliche Flächen bereit.

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Kiel. Der Weg von Hamburg nach Moskau führt für russische Fernfahrer jetzt über Schleswig-Holstein. Denn Polen hat seine Grenzen am Montag für russische Lastwagen im Transitverkehr komplett gesperrt. Die Folge sind Staus in den Fährhäfen. In Kiel ist besonders der Ostuferhafen betroffen. 50 bis 70 Trucker treffen dort pro Tag zusätzlich ein und wollen auf eine Fähre nach Litauen. Zum Wochenende wird mit Hunderten weiterer Lastwagen gerechnet. „Wir bereiten uns auf alles vor. Zusätzliche Flächen im Ostuferhafen stehen bereit“, sagt Ulf Jahnke vom Seehafen.

Am Wochenende gab es bereits Staus auf den Hafenzufahrten.

Am 29. Januar hatte Polen angekündigt, das bilaterale Abkommen über den Transit russischer Lastwagen auszusetzen. Inoffiziell ist von ungeklärten Meinungsverschiedenheiten zwischen den Staaten die Rede, eine offizielle Begründung gab es nicht. Seit 1. Februar ist es nicht mehr möglich, von Russland kommend Polen zu durchqueren, die Rückkehr Richtung Osten ist russischen Lkw-Fahrern seit diesem Montag nun auch versperrt. Der Ansturm der Trucker hat in Kiel schon seit Freitag für Engpässe bei den Kapazitäten auf den Fähren nach Osteuropa geführt. „Wir haben reagiert und die Geschwindigkeit der Fähren auf den Überfahrten erhöht“, sagt Jacob Andersen von der Reederei DFDS Seaways. Statt mit 15 bis 16 Knoten fahren die Fähren jetzt mit 20 Knoten. Die Reederei hatte bislang sechs Abfahrten pro Woche. Sonntags war Ruhetag, an dem die Fähren in Kiel und Klaipeda über Nacht im Hafen blieben. „Jetzt gibt es auch sonntags eine Abfahrt“, sagt Andersen. Außerdem wurde die Fähre „Optima Seaways“ auf der Kiel-Klaipeda-Route durch die größere „Athena Seaways“ ersetzt. Durch die Erhöhung der Geschwindigkeit und die zusätzliche Abfahrt ab Kiel hat DFDS die Kapazität um rund 30 Prozent gesteigert. Da es aber schon viele Reservierungen für Transporte ins Baltikum gibt, müssen die russischen Trucker dennoch Geduld aufbringen.

Auch bei der Stena Line werden mehr russische Lastwagen gezählt. „Die Abfahrten von Rostock nach Trelleborg werden ebenfalls genutzt. Außerdem sind die Schiffe von Travemünde nach Lettland voll“, sagt Ulrich Kock von Stena. Der Einsatz zusätzlicher Fähren ist dort nicht möglich. „Der Markt ist leergefegt“, sagt Kock. In Klaipeda stauten sich am Dienstag 250 Lastwagen vor den Terminals nach Kiel und Karlshamn (Schweden). Anders als dort gibt es in Lübeck bislang keine Lkw-Staus an den Kaianlagen, teilten die Lübecker Hafen-Gesellschaft (LHG) und der Hafenbetreiber Lehmann mit.

Polnische und russische Regierungsvertreter verhandeln nun über eine Fortsetzung der Transitregelung aus dem Jahr 1996. Streit um die Transitroute durch Polen hatte es schon mehrfach gegeben — zuletzt 2011.

Frank Behling

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