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Praktiker ist endgültig am Ende

Hamburg Praktiker ist endgültig am Ende

Auch Märkte in Lübeck und Oldenburg starten Abverkauf. Für die insolvente Baumarktkette war kein Käufer zu finden.

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Praktiker ist endgültig am Ende.

Quelle: dpa

Hamburg. Die Baumarkt-Kette Praktiker verschwindet vom deutschen Markt. An 130 Standorten beginne Ende nächster Woche der Ausverkauf, teilten die vorläufigen Insolvenzverwalter gestern in Hamburg mit. Es gebe jedoch gute Chancen, dass zahlreiche Filialen unter anderen Marken fortgeführt würden, heißt es in der gemeinsamen Mitteilung der beiden vorläufigen Insolvenzverwalter Christopher Seagon und Jens-Sören Schröder. Für einzelne Märkte lägen Angebote von Mitbewerbern oder branchenfremden Investoren vor.

Betroffen sind auch die vier Praktiker-Märkte in Schleswig-Holstein — in Lübeck, Oldenburg, Rendsburg und Neumünster, wo der Abverkauf bereits seit August läuft. „Wie es sich für diese Standorte entwickeln wird, muss der angeschobene Investorenprozess zeigen“, erklärte Unternehmenssprecherin Simone Naujoks. Derzeit sei noch alles offen, den Mitarbeitern sei nicht gekündigt worden.

Ziel sei es, den bisherigen Beschäftigten eine Anschlussbeschäftigung in den neuen Märkten zu verschaffen, erklärte Seagon. Erste Angebote für einzelne Märkte lägen bereits vor — allerdings nur für leere Häuser. „Niemand aus diesem Kreis hat Interesse an den Warenbeständen von Praktiker, deshalb bereiten wir den Leerverkauf in diesen Häusern vor“, erklärte Seagon. Dem Vernehmen nach soll es sich bei den Interessenten um Praktiker-Konkurrenten, aber auch Textilunternehmen, Elektronikketten und Tierfutterhersteller handeln. Auch die branchenfremden Bieter wollten Praktiker-Personal übernehmen und umschulen. Betroffen sind bei Praktiker 5330 festangestellte Beschäftigte, davon etwa 1780 geringfügig Beschäftigte. In Schleswig-Holstein gibt es insgesamt 170 Praktiker-Mitarbeiter.

Der Betriebsrat des Unternehmens zeigte sich erschüttert: „Für keinen von uns ist es zu verstehen, warum tausende Kolleginnen und Kollegen aufgrund katastrophaler Fehlentscheidungen der Geschäftsführungen ihren Arbeitsplatz verlieren“, sagte Gesamtbetriebsratschef Kai Rosche. „Hier sollen Märkte geschlossen werden, die zum Teil hoch profitabel sind.“

Die einstmals drittgrößte Baumarktkette in Deutschland wurde durch Managementfehler heruntergewirtschaftet. Über Jahre lockte Praktiker die Kunden mit Rabatten (20 Prozent auf alles, außer Tiernahrung) — und erwarb sich mit dieser Strategie letztlich ein Billig-Image. Ein Teufelskreis, denn am Ende konnte die Kette auch keine höheren Preise mehr durchsetzen, als die Einkaufspreise anstiegen. Aus Sicht von Branchenbeobachtern waren die Filialen zudem teilweise zu klein und nicht produktiv genug: der Umsatz je Quadratmeter lag nach Einschätzung von Handelsexperten nur halb so hoch wie bei den besten Konkurrenten. Dazu kamen Fehler bei der Standortauswahl und der Sortimentspolitik sowie eine schwache Beratungsqualität.

Für die ebenfalls insolvente Konzerntochter Max Bahr soll es inzwischen mehrere Angebote von strategischen und auch von Finanzinvestoren geben. „Wir sehen deshalb gute Chancen, die Standorte und Arbeitsplätze von Max Bahr zu sichern“, sagte Schröder. Das Interesse der Investoren beziehe sich sowohl auf die 78 Märkte, die schon immer unter der Marke Max Bahr geführt wurden, als auch auf weitere 54 ehemalige Praktiker-Märkte, die erst kürzlich auf Max Bahr umgeflaggt wurden. jup

Ausverkauf bei Praktiker — Was Kunden jetzt wissen müssen
In den Praktiker-Märkten beginnt nun der Ausverkauf. Dabei soll es täglich wechselnde Angebote geben. Kunden können auf Schnäppchen hoffen, sollten aber mit Bedacht kaufen:

„Gewährleistungsrechte haben Sie praktisch nicht mehr“, warnt Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg. Denn diese müsste man stets beim Händler geltend machen. Schließt der Baumarkt, ist das nicht mehr möglich. In diesem Fall müssen sich Verbraucher an den Insolvenzverwalter wenden. „Da stehen Sie dann aber mit ihrer Forderung erstmal ganz hinten.“ Umgekehrt gilt: Wer bei Praktiker Waren auf Raten gekauft hat, muss diese weiter zahlen.

Geöffnet ist in Lübeck, Geniner Straße, Montag bis Sonnabend von 8 bis 20 Uhr, in Oldenburg wochentags 9 bis 20 Uhr, sonnabends 8 bis 18 Uhr.

LN

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