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Wirtschaft im Norden Praxen wegen falscher Abrechnungen angeklagt
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Praxen wegen falscher Abrechnungen angeklagt
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21:12 18.03.2016

Am Dienstag beginnt in Hamburg der Prozess um den bislang wohl spektakulärsten Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen. Es geht um einen Schaden von 34 Millionen Euro und das ehemalige Praxen-Imperium Hanserad in Hamburg, Neumünster, Geesthacht, Dannenberg und Boizenburg. Angeklagt sind Hanserad-Chef Wolfgang Auffermann, sein kaufmännischer Geschäftsführer und ein Apotheker aus Ahrensburg. Doch der Prozess muss ohne Auffermann stattfinden. Die Arabischen Emirate liefern ihn nicht rechtzeitig aus.

Der Radiologe hatte sich 2012 ins Ausland abgesetzt. 2015 wurde ein internationaler Haftbefehl gegen ihn ausgestellt. Deutschland beantragte bei den Arabischen Emiraten die Auslieferung. Doch bisher wartet man vergeblich. Dem Trio wird banden- und gewerbsmäßiger Betrug in 51 Fällen, zum Teil in Tateinheit mit Urkundenfälschung, vorgeworfen. Massenhaft sollen Röntgenkontrastmittel falsch verordnet und abgerechnet worden sein. Es wurden wohl zunächst deutlich mehr Kontrastmittel verschrieben, als die Patienten bekamen. Die Präparate sollen dann günstig von einem Arzneimittelhändler über den Apotheker an die Hanserad geliefert worden sein. Mit den Krankenkassen wurde aber der volle Preis abgerechnet. „Bei den hochpreisigen Arzneimitteln wie den Röntgenkontrastmitteln kann das lukrativ sein“, sagt Kai Wantzen, Sprecher am Oberlandesgericht Hamburg. Auffermann soll aber nicht nur am Rabatt verdient haben. „Hanserad war laut Anklage über eine atypische Beteiligung auch am Gewinn des Arzneimittelhändlers beteiligt“, sagt Wantzen.

Prüfer der Barmer GEK waren zunächst über die großen Mengen an abgerechneten Kontrastmitteln gestolpert. Als sie die dazugehörigen Röntgenaufnahmen sehen wollten, konnten die nicht vorgelegt werden, weil es sie offenbar nie gab.

Auffermann, dem die Zulassung entzogen wurde, hat die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Das Gericht hat 19 Verhandlungstage angesetzt. Sollte es der Anklage folgen, könnten am Ende mehrjährige Haftstrafen stehen.

Von Heike Stüben

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