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Preise ziehen an: Trendwende beim Öl?

Lübeck/Hamburg Preise ziehen an: Trendwende beim Öl?

Tanken und Heizen wird wieder teurer – dabei ist nach wie vor sehr viel Öl auf dem Weltmarkt vorhanden.

Lübeck/Hamburg. Billiger Kraftstoff und billiges Heizöl – die Verbraucher im Norden waren zuletzt in einer komfortablen Lage. Doch die Phase der Niedrigpreise auf dem Energiemarkt scheint vorerst vorüber zu sein. Erstmals seit einem halben Jahr kostete ein Barrel Erdöl (159 Liter) der Nordseesorte Brent Ende der Woche zeitweise wieder mehr als 50 Dollar. Von Hochpreisen von 115 Dollar, wie sie zuletzt Ende 2013 erreicht worden waren, ist das zwar noch weit entfernt. Dennoch müssen sich Verbraucher auf eine Trendwende einstellen, sagen erste Experten.

„Die absolute Talsohle ist jetzt offenbar durchschritten.“ Rainer Wiek vom Energieinformationsdienst in Hamburg

„Die absolute Talsohle ist jetzt offenbar durchschritten, die Preise erholen sich wieder von ihrem extrem niedrigen Niveau“, sagt Rainer Wiek vom Energieinformationsdienst (EID) in Hamburg. Was für die Mineralölbranche und die erdölproduzierenden Länder eine Erleichterung bedeute, werde der Verbraucher allerdings im Geldbeutel zu spüren bekommen, sagt Wiek. Zwar habe sich die Marktsituation nicht grundlegend verändert, es herrsche nach wie vor ein Überangebot auf dem Weltmarkt bei gleichzeitig schwächelnder Nachfrage aus China. Dennoch scheine der Trend langsam wieder nach oben zu gehen. „Verglichen mit der Hochpreisphase vor zwei Jahren dürfte dieses Jahr aber dennoch noch verhältnismäßigen günstig bleiben“, schätzt Wiek.

Der Hauptgrund für den aktuellen Preisanstieg ist vor allem in den USA zu suchen. Händler hatten den Höhenflug mit den jüngsten Lagerdaten aus den USA begründet. Die Rohöllagerbestände waren in der vergangenen Woche stärker als erwartet gefallen. Außerdem machten die Waldbrände in Kanada sowie die Attacken auf Förderanlagen im Niger-Delta das Rohöl aus diesen Regionen knapp.

Heizölhändler merken die Veränderung. „Das Kaufverhalten ist derzeit sehr zurückhaltend“, sagt Karl-Uwe Wehrend, Geschäftsführer der Nordoel Mineralölhandelsgesellschaft in Lübeck. Viele warteten ab, wie sich die Preise entwickelten. Oft werde aber eher „nach Gefühl“ gekauft. Im Vergleich mit anderen Heizmethoden sei Öl aber immer noch mit am günstigsten.

Wie sich die Preise entwickeln, lässt sich aber kaum sagen. Verbrauchern sei deshalb kaum zu raten, ob sie sich jetzt mit Heizöl bevorraten oder lieber noch warten sollen. „Jede Entscheidung kann ebenso falsch wie richtig sein“, sagt Florian Schmölz, Energiereferent bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Dass die Preise nun wieder anzögen, sei noch längst nicht ausgemacht. Ebenso könnten sie auch wieder auf das tiefe Niveau der vergangenen Monate fallen. „Das hängt vor allem von der politischen Lage auf der Welt ab“, sagt Schmölz.

Die Faktoren, die zu dem Preisanstieg in der vergangenen Woche geführt haben, seien vergleichsweise klein. Der Effekt sei daher eher durch Spekulationen ausgelöst worden als durch tatsächliche Gegebenheiten. An eine grundsätzliche Trendwende glaubt Schmölz daher noch nicht.

Autofahrern, die Diesel nun nicht mehr für unter einem Euro tanken können, bleibt ein kleiner Trost. ADAC-Sprecher Ulf Evert: „Verglichen mit der Phase vor anderthalb Jahren ist Sprit weiter sehr günstig. Freuen wir uns darüber, so lange wie es dauert.“ ov

LN

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