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Private Kliniken boomen

Frankfurt am Main Private Kliniken boomen

Die Ökonomisierung der Gesundheit wirft ethische Fragen auf.

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Private Krankenhäuser haben immer mehr Zulauf. Unternehmen wie Helios, Asklepios, Sana oder Schön betreiben zusammen etwa 30 Prozent der Kliniken in Deutschland.

Quelle: Foto: Weigel/dpa

Frankfurt am Main. . Knapp 2000 Krankenhäuser, mehr als 39 Millionen Patienten und ambulante Behandlungen im Jahr, 1,2 Millionen Mitarbeiter: Krankenhäuser sind unverzichtbar für die Gesundheitsversorgung in Deutschland – und eine Branche, die zunehmend unter wirtschaftlichem Druck steht. Wie lange sollten Patienten nach einer Operation im Krankenhaus bleiben, was darf die Verwaltung kosten, wie viel Zeit haben Ärzte für Kranke? Viele Krankenhäuser müssen so hart kalkulieren wie Unternehmen.

Private Betreiber machen aus der Heilung von Menschen ein Geschäft. Gut 5,8 Milliarden Euro Umsatz und 543 Millionen Euro Gewinn erzielte allein Marktführer Helios 2016. Die Tochter des Dax-Konzerns Fresenius betreibt 112 Krankenhäuser. Dazu kommen Konkurrenten wie Asklepios, Sana, Schön und das unterfränkische Rhön-Klinikum, das die Universitätskrankenhäuser Marburg und Gießen lenkt. „Etwa 30 Prozent aller Kliniken sind in privater Hand“, sagt Zun-Gon Kim, Partner bei der Beratungsfirma Boston Consulting Group. Die Privaten haben in den vergangenen Jahren von den Finanznöten vieler kommunaler und kirchlicher Betreiber profitiert. Gab es 2005 2139 Krankenhäuser hierzulande, waren es 2015 nur noch 1956.

Krankenhäuser in öffentlicher Hand seien unterfinanziert, klagt der Dachverband DKG, ein Viertel schreibe Verluste. Er fordert mehr Geld von den Ländern. Von den jährlich für Investitionen benötigten sechs Milliarden Euro zahlten sie nur etwa die Hälfte. Private Betreiber reagieren auf die Geldnot der Kliniken, indem sie Verwaltungen zentralisieren, Dienste auslagern und ihre Größe nutzen, um beim Einkauf günstigere Konditionen zu erzielen. Sie kaufen Kommunen Krankenhäuser ab, wenn diese defizitäre Häuser loswerden wollen und sanieren sie mit harten Renditevorgaben. Die Klinikkonzerne, die aus Privatisierungen Ende der 90er Jahre entstanden, sind heute teils an der Börse notiert. Rhön oder Helios sind damit nicht nur ihren Patienten und Mitarbeitern verpflichtet, sondern auch den Aktionären. Und sie fordern steigende Gewinne und Dividenden.

Doch dies wirft heikle Fragen auf. Steht in den Kliniken noch die Patientenversorgung an erster Stelle oder das finanzielle Interesse? Private Kliniken würden zwar „ein höheres Maß an Wirtschaftlichkeit aufweisen“ als etwa öffentliche Häuser, stellt der Deutsche Ethikrat in einer Studie fest. Der Vorwurf, sie pickten sich die lukrativen Fälle heraus, sei nicht belegbar. Private behandelten ebenso viele schwer kranke und alte Patienten wie andere Träger. Und laut Berater Kim sind Private bei Parametern wie dem Erfolg von Operationen oder der Rate von Infektionen keinesfalls schlechter als andere Betreiber.

LN

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