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Probleme für neue Ostsee-Pipeline

Moskau Probleme für neue Ostsee-Pipeline

Russisches Gas fließt seit 2011 nach Deutschland. Moskau will die Leitung verdoppeln – und die Ukraine umgehen.

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Bauarbeiten am Anlandepunkt der Ostseepipeline in Lubmin bei Greifswald.

Quelle: Stefan Sauer/dpa

Moskau. . Seit fünf Jahren liefert die Ostsee-Pipeline Nord Stream Erdgas von Russland nach Deutschland. Technisch läuft es bei der längsten Unterwasser-Gasleitung der Welt wie geplant: Nahe der russischen Stadt Wyborg am Finnischen Meerbusen wird das Gas mit Druck in die Doppelröhre gepumpt und kommt 1224 Kilometer südwestlich bei Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern an. Würde die volle Kapazität von 55 Milliarden Kubikmetern im Jahr genutzt, könnten 2,6 Millionen Haushalte in Westeuropa mit dem Gas aus Sibirien kochen und heizen.

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Russisches Gas fließt seit 2011 nach Deutschland. Moskau will die Leitung verdoppeln – und die Ukraine umgehen.

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Doch energiepolitisch war Nord Stream, das zu 51 Prozent dem staatskontrollierten russischen Gasriesen Gazprom gehört, lange umstritten. Und in den fünf Jahren seit der Inbetriebnahme am 8. November 2011 hat sich das Umfeld der deutsch-russischen Energiepartnerschaft verschlechtert. Die Führung in Moskau annektierte 2014 die ukrainische Halbinsel Krim und unterstützte die prorussischen Separatisten in der Ostukraine massiv, die EU verhängte Sanktionen. Zwischen Russland und seinen europäischen Nachbarn klafft ein Abgrund wie nie seit dem Ende des Kalten Krieges.

Deshalb tobt derzeit auch der Streit über den Plan von Gazprom und einiger europäischer Energiekonzerne, Nord Stream 2 zu bauen, so heftig wie kaum zuvor. Mit vier statt zwei Röhren will Russland nach 2019 jährlich bis zu 110 Milliarden Kubikmeter Gas liefern können. Das Ziel: Die unbotmäßige Ukraine als Transitland für Gas möglichst zu umgehen.

Die Bundesregierung stützt Nord Stream 2 – trotz scharfer Kritik vor allem aus Polen und den baltischen Staaten. „Für den deutschen Gasmarkt bringt das Projekt viele Vorteile“, sagt Kirsten Westphal von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin. Doch die Staaten in Mittel- und Osteuropa laufen Sturm gegen eine deutsch-russische Einigung über ihre Köpfe hinweg. Wirtschaftlich fürchten sie um Einnahmen aus dem Transit, politisch eine größere Erpressbarkeit durch Moskau. Sie fordern Solidarität mit der Ukraine.

Auch die Europäische Union hinterfragt den Bedarf für Nord Stream 2. Trotzdem macht Brüssel Gazprom zum Jubiläum ein Geburtstagsgeschenk. Von Lubmin wird russisches Gas in zwei Richtungen weitergepumpt: Die Nordeuropäische Erdgasleitung Nel führt nach West- und Nordeuropa, die Leitung Opal nach Mittel- und Osteuropa. Die EU-Kommission genehmigte Gazprom, Opal nicht nur zur Hälfte, sondern bis zu 80 Prozent zu nutzen. So können die Russen die Auslastung von Nord Stream 1 erhöhen. Trotzdem ist das deutsche Ende bislang das Nadelöhr in dem Leitungssystem. Eine weitere Pipeline namens Eugal von Lubmin nach Tschechien ist geplant.

Die ersten Rohre für Nord Stream 2 sind schon an die vorpommersche Ostseeküste geliefert worden. Trotzdem begleiten Unsicherheiten das Projekt. „Es gibt viele politische und regulatorische Hindernisse“, sagt Katja Yafimava vom Institut für Energiestudien der Universität Oxford. Sie rechnet mit Verzögerungen: „2020 ist nicht realistisch.“

Wegen eines Einspruchs der polnischen Kartellbehörde strichen die beteiligten Konzerne im August die Gründung eines Joint Ventures. Damit ist die Investition von rund acht Milliarden Euro derzeit ein rein russisches Vorhaben von Gazprom. Die Firmen Uniper, Wintershall (Deutschland), OMV (Österreich), Shell (Niederlande) und Engie (Frankreich) gelten als „Unterstützer“. Sie wollen mitbauen, doch nach der vertraglichen Form wird gesucht.

Gazprom-Chef Alexej Miller rechnet gerne vor, dass er jährlich 1,45 Milliarden Euro sparen könnte, wenn er nicht sein altes Gasnetz betreiben müsste, das in die Ukraine führt.

Das Land kassierte 2015 1,6 Milliarden Euro Transitgebühren. Der nationale Gasversorger Naftogaz steckt tief in den roten Zahlen, ohne den Gewinn aus dem Transitgeschäft würde sich der Verlust geschätzt verdoppeln. Der Vertrag läuft aber 2019 aus. Trotzdem dürfte es für Gazprom technisch wie politisch schwer werden, die Ukraine ganz abzuklemmen.

Die Pipeline in Zahlen

1224 Kilometer verläuft die Erdgasleitung Nord Stream quer durch die Ostsee. Die Pipeline transportiert sibirisches Gas von Russland direkt nach Lubmin bei Greifwald. Von dort wird es weiterverteilt. Der erste Strang der 7,4 Milliarden Euro teuren Trasse ging im November 2011 nach eineinhalb Jahren Bauzeit in Betrieb. Nach Fertigstellung des zweiten Stranges im Herbst 2012 kann die Leitung 55 Milliarden Kubikmeter pro Jahr transportieren. 26 Millionen Haushalte können rechnerisch über die Leitung versorgt werden. Hinter Nord Stream stehen die Energieunternehmen Gazprom, Eon, Gasunie, Engie und die BASF-Tochter Wintershall. Die geplante Erweiterung der Erdgasleitung (Nord Stream 2) soll die Kapazität verdoppeln. Die Inbetriebnahme ist Ende 2019 geplant.

Friedemann Kohler

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