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Wirtschaft im Norden Tipp für Anleger: Nicht kirre machen lassen
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06:00 07.11.2018
Prof. Thomas Straubhaar (2.v.r.) mit Oke Heuer, Frank Schumacher und Oliver Saggau (v.l.), die Vorstände der Sparkasse zu Lübeck. Quelle: Lutz Roessler
Lübeck

„Wie steht es um die Wirtschafts(un)ordnung?“ – unter dieser Fragestellung referierte am Dienstagabend der Hamburger Professor Thomas Straubhaar vor 300 Gästen im großen Foyer der Sparkasse zu Lübeck in der Breiten Straße. Und der frühere Chef des Hamburger Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) richtete seinen Blick beim Kapitalmarktforum der Sparkasse zunächst auf das, was in den USA passiert. „Die Halbzeitwahlen in den USA haben eine weit größere Bedeutung für die Weltwirtschaft als früher“, erklärt Straubhaar zuvor im Gespräch mit den LN. „Es ist eine Art Schicksalswahl für Donald Trump. Wenn die Republikaner gewinnen, kann Trump durchregieren, kann tun und lassen, was er will. Wenn nicht, werden die Demokraten die Daumenschrauben anziehen und ihn so oft wie möglich ausbremsen.“ Doch Unsicherheit gebe es nicht nur bezüglich des Kurses der USA, auch der bevorstehende Brexit schüre Ängste. „In solch einem unsicheren Umfeld finden Crash-Propheten einen Nährboden, um die dunkelsten Prophezeiungen anzubringen“, erklärt der Wirtschaftsexperte. Es sei immer einfach, dann das Schwarze vom Himmel zu reden. „Meine Botschaft ist: Lasst Euch davon nicht kirre machen!“

Hinter der negativen Stimmungsmache steckten handfeste Eigeninteressen. Verunsicherte Menschen seien leichtere Opfer und versuchten eher, einem Herdentrieb zu folgen. „Von einem solchen Verhalten können die Schwarzmaler profitieren, wenn sie in Erwartung der Herdenreaktion entsprechende Börsengeschäfte abschließen“, warnt Straubhaar. „Somit ist zu vermuten, dass die Crash-Propheten mit Scharlatanen auf den Finanzmärkten oft parallele Interessen haben.“ Negative Überschriften und Prognosen würden in der Tendenz den Goldpreis nach oben treiben. Weil Gold ein vermeintlich „sicherer Hafen“ sei. Ähnliches gelte für Schweizer Franken oder Sachwerte.

Den prognostizierten Fachkräftemangel bezeichnete der Schweizer Professor als ein Phantom. „Immer wieder wird er als die große Wachstumsbremse angesehen. Dabei wird die Digitalisierung nicht mit einberechnet, die in Zukunft viel Arbeit einspart.“ Wenn etwas knapp werde, in diesem Fall die Arbeitskräfte, müsse es teurer werden. Straubhaar: „Ich frage mich, warum die Löhne in Zeiten des Fachkräftemangels nicht weiter steigen? Dadurch hätte man zwei Effekte: Mehr Menschen würden wieder in Vollzeit statt Teilzeit arbeiten und die Digitalisierung würde dadurch beschleunigt.“

Bei der Forderung nach besserer Bezahlung komme dann immer das Argument: Dann sind wir nicht mehr konkurrenzfähig. Auch im Tourismus. Das sei schlicht falsch. Wenn die Löhne steigen, würden die Urlauber immer noch an die Lübecker Bucht kommen. Straubhaar: „Die Produktivität steht und fällt mit der Motivation der Mitarbeiter. Die Motivation korreliert mit dem Gefühl, fair bezahlt und behandelt zu werden und dem Wissen, dass meine Arbeit gewürdigt und wertgeschätzt wird.“

Auch wenn die Digitalisierung in vielen Bereichen Jobs verdränge, so gebe es geschützte Bereiche, die von der Digitalisierung nicht so schnell berührt würden. „Das sind Jobs, die qualitative Mehrleistungen bringen. Gerade das Handwerk und Pflegeberufe sind geschützt, weil sie nicht so einfach zu ersetzen sind“, erklärt Straubhaar, der auch auf die Währungsschwankungen einging. „Ein schwacher Euro ist gut für unsere Exporte. Das, was Trump maßlos ärgert, ist, dass unsere Produkte durch seine Politik verbilligt werden.“

Christian Risch

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