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Wirtschaft im Norden Promenade in Timmendorf wird 67 000 Euro teurer
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Promenade in Timmendorf wird 67 000 Euro teurer
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20:24 05.07.2013
Die Pflasterarbeiten haben begonnen. Die Baufirma ist zuversichtlich, dass die Promenade in Timmendorf ab 31. Juli wieder befahrbar ist. Wegen des weichen Bodens mussten Geonetze und eine dicke Schotterschicht eingebaut werden. Das verteuert den Straßenbau. Fotos (3): Sylvia Kartheuser

Der zweite Bauabschnitt der Promenade in Timmendorf auf Poel wird deutlich teurer als geplant. Etwa 67 000 Euro mehr muss die Gemeinde auf den Tisch legen.

Diese zusätzliche Ausgabe gefiel den Gemeindevertretern gar nicht. Doch zähneknirschend stimmten sie mit achtmal Ja und einmal Nein dafür, damit die Promenade endlich fertig wird.

„Bei den Erdarbeiten und der Auswertung der Plattendruckversuche wurde festgestellt, dass die geforderten Tragfähigkeitswerte im Planum nicht erreicht wurden“, hatte Bodo Köpnick (CDU), Vorsteher der Gemeindevertreter, bei deren Sitzung aus dem Sachverhalt vorgelesen. Daraufhin sei der Aufbau der Tragschichten von einem Geotechniklabor aus Rostock untersucht worden. Es kam zu dem Schluss, den viele Poeler ohnehin vermutet hatten: Die preiswertere Frostschutzschicht reichte nicht aus. Es muss ein kompletter Aufbau aus Schottertragschicht einschließlich Geonetz erfolgen.

Zudem mussten zusätzlich Leistungen erbracht werden, die nicht abzusehen gewesen sind: Eine Trinkwasserleitung musste umverlegt sowie nicht bekannte Drainagen entweder angeschlossen oder abgedrückt werden. Dadurch stiegen auch die Planungskosten.

Rund 584 000 Euro waren für den zweiten Bauabschnitt der Timmendorfer Strandpromenade ursprünglich veranschlagt worden. 75 Prozent davon hatte das Landesförderinstitut (LFI) übernommen. Der Anteil der Gemeinde lag bei 146 000 Euro.

Auf Unterstützung durch das Landesförderinstitut hofft Bürgermeisterin Gabriele Richter (parteilos) auch jetzt. „Wir haben das LFI angeschrieben und eine Erhöhung der Fördermittel beantragt“, sagte sie. Stimmt das Institut zu, müsste Poel nur noch knapp 25 000 Euro aufbringen. Eine Zusage liege jedoch noch nicht vor, so die Bürgermeisterin. Notfalls müsse die Gemeinde erst einmal die gesamten Kosten tragen, „damit wir eine Chance haben, dass die Promenade wirklich am 31. Juli fertig ist, denn schließlich haben wir jetzt Hochsaison“.

Die Gemeindevertreter waren über diese neue Entwicklung mindestens ebenso sauer wie die Poeler, die zur Sitzung gekommen waren. „Da muss doch einer beim Bodengutachten richtig versagt haben“, betonte Udo Trost (ptl./SPD). Und auch Falk Serbe (SPD) wünschte, einen Schuldigen zu finden, „dem wir die Hammelbeine langziehen können“. Doch zunächst müsse die Gemeinde in den sauren Apfel beißen und die Mehrkosten tragen. „Denn die Promenade muss fachgerecht fertiggestellt werden“, sagte Falk Serbe. Der SPD-Gemeindevertreter mutmaßte, dass die Bodenbohrungen „wohl in einem sehr trocknen Sommer“

gemacht worden seien. Anders würden sich die Werte und der zu niedrig angegebene Grundwasserstand nicht erklären lassen. „Jetzt, wo es viel geregnet hat, ist er deutlich höher“, so Serbe. Er schlug vor, einen Rechtsanwalt zu fragen, ob die Gemeinde jemanden für die falschen Bodenwerte und die daraus resultierenden Mehrausgaben haftbar machen kann.

„Dass mit den Werten im ersten Gutachten etwas nicht stimmen konnte, ist uns von Anfang an aufgefallen, dafür war es viel zu nass“, sagte Raik Dassel, Geschäftsführer der Baufirma, auf OZ-Anfrage.

Daher habe man eine zweite Bohrung von einem Wismarer Labor gefordert, und die haben ganz andere Werte erbracht. „Vorgeschrieben ist, dass die Straße eine Belastung von 150 Meganewton (MN) pro Quadratmeter aushält“, erklärt er. Mit dem ursprünglich geplanten Untergrund wären in Timmendorf aber maximal 60 MN erreicht worden. „Selbst jetzt mit den Geonetzen und einer 50 Zentimeter dicken Schotterschicht kommen wir nur auf 107 Meganewton“, sagt Dassel. Das würde aber selbst in der Buswendeschleife ausreichen, ist er sicher. „Die 150 Meganewton gelten eigentlich nur für Autobahnen.“

Sicher ist der Geschäftsführer auch, dass ab 31. Juli die Promenade befahrbar sein wird. „Vorausgesetzt wir bekommen nicht wieder tagelang Regenwetter.“ Bis Ende August würden allerdings noch Nebenarbeiten zu erledigen sein, wie das Aufstellen von Bänken und der Straßenbeleuchtung. „Vorsorglich haben wir eine Bauverlängerung beantragt und auch genehmigt bekommen“, so Raik Dassel.

Maßeinheit Newton
Das Newton ist eine Maßeinheit, die im internationalen Einheitensystem (SI) für die physikalische Größe „Kraft“ verwendet wird. Sie wurde 1946 durch die Generalkonferenz für Maß und Gewicht im heutigen Sinn festgelegt und 1948 nach dem englischen Wissenschaftler Isaac Newton benannt. Die Berechnungsformel ist ein Kilogramm mal Meter pro Sekunde zum Quadrat.

Maximalbelastungen von Fußböden werden oft in Newton pro Quadratmeter angegeben. Auch die Reißfestigkeit von Seilen (z. B. Abschleppseil) oder die Belastungsgrenze von Kränen wird oft in Newton angegeben.

Die Promenade muss nun mal fach-

gerecht fertig-

gestellt werden.“ Falk Serbe (SPD)

Sylvia Kartheuser

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