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Wirtschaft im Norden Prozesse gegen Mobilcom-Gründer liegen auf Eis
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21:10 30.01.2013
Gerhard Schmid auf dem Weg zum Landgericht. Quelle: dpa
Kiel

KielFast vergessen und womöglich bald verjährt? Mobilcom-Gründer Gerhard Schmid ist immer noch ein Fall für die Justiz — die sich mit seinem Fall seit fast einem Jahrzehnt beschäftigt. Untreue und Bankrottvergehen — für die Vorwürfe der Kieler Staatsanwaltschaft drohen dem Ex-Milliardär und einstigen Star des Neuen Marktes bis zu fünf Jahre Haft.

Gleich drei Wirtschaftsstrafverfahren stecken am Landgericht in der Pipeline. Ein Prozessbeginn ist noch immer nicht in Sicht. Dafür drohen rechtsstaatswidrige Verfahrensverzögerungen und sogar Verjährung. Für eines der Verfahren schon im Sommer 2013, so der Ankläger Oberstaatsanwalt Axel Goos. „Die Staatsanwaltschaft nimmt die Entwicklung beim Landgericht Kiel mit allergrößter Sorge zur Kenntnis“, sagt deren Sprecherin Oberstaatsanwältin Birgit Heß.

Denn die erste der drei Anklagen stammt von 2003, Vorwurf Untreue. Der Verdacht: Schmid soll zwischen 2001 und 2002 — noch vor seiner Insolvenz — rund 70 Millionen Euro auf die Millenium GmbH seiner Ehefrau Sybille Sindram-Schmid überwiesen und Mobilcom um 16 Millionen Euro geschädigt haben. Goos wartet aber noch zehn Jahre später auf den Beginn der Hauptverhandlung.

Folgt man dem Gericht, ist Überlastung der Grund für den Verzug. Wie komplex die Sachverhalte sind, verdeutlichen zwei weitere Anklagen, bei denen es um Bankrottvergehen geht.

Nummer 2 erhob Goos 2004: Schmid soll — angesichts von Kreditrückforderungen der Sachsen LB über 145 Millionen Schweizer Franken — Unternehmensanteile und Geld im Wert von 1,2 Millionen Euro nach Liechtenstein geschafft haben, um sie einer Pfändung zu entziehen.

Trotz einer Verurteilung durch das Landgericht muss der Fall von einer anderen Kammer neu aufgerollt werden. Der Bundesgerichtshof hatte das Urteil 2010 kassiert. Um die verzwickte Materie zu klären, riet er, Gutachten einzuholen.

Auch hierfür sucht das Gericht im In- und Ausland kompetente Sachverständige, sagt Sprecherin Rebekka Kleine. Bis die Gutachten vorliegen, heißt es weiter warten.

Dasselbe gilt für Anklage Nummer 3, die im Januar 2011 folgte. Der Vorwurf auch hier: Bankrottvergehen. Schmids Ehefrau ist wegen Beihilfe angeklagt. Sie und Schmid bestreiten die Vorwürfe. Für ihre Verteidiger Marc Langrock und den schleswig-holsteinischen FDP-Vorsitzenden Wolfgang Kubicki sind die Anklagen haltlos. Kubicki betont, zunächst müssten die Richter prüfen, ob Schmid — wie von der Staatsanwaltschaft unterstellt — zum Zeitpunkt der Geldtransfers überhaupt zahlungsunfähig war. „Dass es so lange dauert, überrascht mich nicht, weil die Verfahren so schwierig sind“, sagt Kubicki. Die Anklage nennt er „hundsmiserabel“.

Vom Milliardär zum Angeklagten

1991 gründete Gerhard Schmid die Mobilcom AG in Büdelsdorf bei Rendsburg. Zunächst machte der Unternehmer dem Ex-Monopolisten Telekom viele Kunden abspenstig und stieg zu einem der reichsten Männer in Deutschland auf.


Die UMTS-Mobilfunklizenzen ließen die Blase platzen. Der Aktienkurs von Mobilcom fiel, es folgten Streit mit dem Anteilseigner France Télécom, der Verlust des Vorstandsvorsitzes, mehrere Ermittlungsverfahren und sogar die Privatinsolvenz.

LN

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