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Wirtschaft im Norden Reedereien wollen Hafenstädte entlasten
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Reedereien wollen Hafenstädte entlasten
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22:15 06.09.2017
Touristenansturm per Schiff: das Kreuzfahrtschiff „MSC Preziosa“ in Venedig. Quelle: Foto: Andrea Merola/ansa/dpa, Ingo Wagner/dpa
Hamburg

. Der Markt macht den Kreuzfahrt-Reedereien keine Probleme. „Wir brauchen vor allem mehr Schiffe, um mehr Passagiere zu gewinnen“, sagte Aida-Chef Felix Einhorn auf der Fachmesse „Seatrade Europe“ in Hamburg. Und seine Kollegin Wybcke Meier von Tui Cruises bringt es auf den Punkt: „Mehr Schiffe, mehr Kapazität, das wird die Passagierzahlen in die Höhe treiben.“ Zwei Millionen Touristen aus Deutschland buchten im vergangenen Jahr eine Kreuzfahrt, im Jahr 2020 sollen es drei Millionen sein.

Die Branche boomt – doch es gibt auch Schattenseiten. Viele Orte klagen über die Massen an Touristen.

Auch global stehen die Zeichen weiter auf Wachstum. Also ordern die Reedereien so viele Kreuzfahrtschiffe wie möglich. 75 Schiffe stehen in den Auftragsbüchern der vier Werften, die technologisch in der Lage sind, solche anspruchsvollen Schiffe zu bauen. Das bedeutet: Bis zum Jahr 2025 kommen noch einmal 250 000 Kabinen dazu; die weltweiten Kapazitäten steigen damit um 40 Prozent. Vielleicht auch um 50 Prozent, wenn noch Bestellungen dazukommen.

Weltweit werden im Jahr 2022 dann 30 Millionen Passagiere auf Kreuzfahrt gehen, 2026 schon 35 Millionen und 2030 erwartet die Branche schließlich 40 Millionen Gäste. Für Kyriakos Anastassiadis, den Europa-Präsidenten des Branchenverbandes CLIA, ist selbst das noch lange nicht das Ende der Fahnenstange: „Weltweit gibt es 1,3 Milliarden Touristen.“ Da sei noch mehr drin.

Doch an Land kommen viele Hafenstädte mit dem Wachstumstempo der Kreuzfahrtindustrie nicht mehr mit. In einigen Städten habe sich eine „Touriphobie“ breitgemacht, also eine Abneigung gegen Touristen, weil viele Urlauber kämen und zum Beispiel Wohnungen an Touristen statt an Einheimische vermietet würden, sagte der Chef der Pullmantur-Gruppe, Richard J. Vogel. Die Kreuzfahrtschiffe seien aber nur ein Teil des Problems; die weitaus meisten Besucher von Städten wie Barcelona oder Venedig reisten mit dem Flugzeug an, sagte er. Die Branche sieht das Problem, aber offenbart auch eine gewisse Hilflosigkeit im Umgang damit. „Wir brauchen mehr Kommunikation, Zusammenarbeit und Absprachen mit den Hafenbehörden“, sagte Neil Palomba, Präsident der Kreuzfahrtreederei Costa Crociere. Die Infrastruktur der Häfen und in den Hafenstädten müsste sich schneller entwickeln. Damit gemeint sind nicht nur Abfertigungsanlagen und Verkehrsmittel, sondern auch Hotels und Restaurants und die Versorgung der Schiffe mit Energie, Treibstoffen und Nahrungsmitteln.

Nur 17 der 75 Schiffe im Auftragsbuch werden mit verflüssigtem Erdgas (LNG) fahren, dem umweltfreundlichsten Treibstoff für Schiffe. Die Carnival-Gruppe legte bei der „Seatrade“ das erste von sieben Schiffen auf Kiel, die LNG im Hafen und auf See nutzen können und zwischen 2018 und 2022 in Dienst gestellt werden sollen.

„Das geht nicht über Nacht, sondern ist eine langfristige Entwicklung“, sagte Eichhorn. Kollege Pojer von Hapag-Lloyd hält LNG nicht für jedes Kreuzfahrtschiff für geeignet, weil es nicht überall die nötige Infrastruktur gibt. „In Kamtschatka werden wir auch in 25 Jahren noch kein LNG bekommen.“

„Aida Nova“ auf Kiel gelegt

Auf der Meyer Werft in Papenburg haben mit der Kiellegung die Bauarbeiten für ein neues Kreuzfahrtschiff der Reederei Aida Cruises begonnnen. Die 337 Meter lange „Aida Nova“ soll im Herbst 2018 in Dienst gestellt werden und ausschließlich mit Flüssigerdgas (LNG) betrieben werden, wie die Meyer Werft mitteilte. Die „Aida Nova“ wird aus 90 Blöcken zusammengesetzt und über rund 2600 Kabinen verfügen. Ein weiteres Aida-Schiff mit LNG-Technologie dieser Klasse soll bis 2021 fertiggestellt sein.

Eckart Gienke

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