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Rekord an freien Lehrstellen

Berlin/Lübeck Rekord an freien Lehrstellen

Berufsbildungsbericht: Tausende Bewerber gehen trotzdem leer aus.

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„Wer flexibel ist, hat sehr gute Chancen. Markus Dusch Chef der Arbeitsagentur Lübeck

Berlin/Lübeck. In Deutschland sind die Chancen auf eine Lehrstelle nach Angaben der Bundesregierung „so gut wie nie“. Auf 100 Schulabgänger, die einen Ausbildungsplatz suchten, kamen im vergangenen Jahr statistisch gesehen 104,2 Angebote. Dies geht aus dem Berufsbildungsbericht 2017 hervor, den das Kabinett gestern in Berlin verabschiedete. Allerdings seien „Passungsprobleme weiterhin eine zentrale Herausforderung“ – viele Ausbildungsbewerber genügen nicht den Ansprüchen der Betriebe.

Die Anzahl freier Lehrstellen stieg zum 30. September 2016 um 4,5 Prozent auf rund 43500 und damit auf einen neuen Rekordwert. Für viele Betriebe sei es schwieriger geworden, Ausbildungsplätze zu besetzen, schreibt das Bundesbildungsministerium zu seinem Report. Zugleich ging die Zahl unversorgter Bewerber um 1,1 Prozent leicht zurück – aber es gab immer noch 20600 Jugendliche, die leer ausgingen. Fast 300000 junge Menschen begannen 2016 ein Programm im Übergangsbereich (plus 12,2 Prozent), um überhaupt erst einmal für eine Lehrstelle fit gemacht zu werden.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund beklagt, dass gut 1,2 Millionen Menschen zwischen 20 und 29 Jahren keine abgeschlossene Ausbildung hätten und auch nicht in Schule oder Studium seien – fast 13

Prozent dieser Altersgruppe. „Das heißt: Unter dem Strich bleiben pro Jahrgang mehr als 120000 Jugendliche ohne Ausbildung“, sagt die stellvertretende DGB-Chefin Elke Hannack. „Gerade für Ausbildungssuchende mit Hauptschulabschluss wird es zunehmend schwerer, einen Platz zu ergattern“, sagt der stellvertretende SPD-Fraktionschef Hubertus Heil.

Dabei sind die Angebote eigentlich vorhanden – auch im Norden. „Wer flexibel ist, hat sehr gute Chancen, im Herbst mit einer Ausbildung zu beginnen“, sagt Markus Dusch, Chef der Arbeitsagentur in Lübeck. Zurzeit sind rund 2000 Stellen unbesetzt. Demgegenüber stehen 1333 Jugendliche, die noch auf der Suche sind. Das bedeutet: 1,5 freie Ausbildungsstellen pro Bewerber. Die Bereiche sind ganz unterschiedlich: Sie reichen von Bau- über Gesundheits-, Ernährungs-, Fertigungs- und Dienstleistungsberufe bis hin zum Hotel- und Gastgewerbe.

Dass trotzdem Bewerber unversorgt blieben, habe verschiedene Gründe. „Manchmal stimmen die Interessen nicht 1:1 überein, oder der Ausbildungsort ist für die Jugendlichen zu weit entfernt“, berichtet Agentursprecherin Olga Nommensen. Teilweise seien die steigenden technischen Anforderungen zu hoch. In anderen Fällen fehlten den jungen Leuten bestimmte Kenntnisse, die sie theoretisch aber nachholen könnten. „Da würde ich mir wünschen, dass die Arbeitgeber flexibler werden und solchen Bewerbern eine Chance geben“, sagt Nommensen. „Sie könnten dann die ausbildungsbegleitenden Hilfen in Anspruch nehmen.“

In der Lehrstellenbörse der Handwerkskammer Lübeck seien derzeit 647 freie Ausbildungsplätze in 58 Berufen zu finden, berichtet Sprecherin Anja Schomakers. Am stärksten nachgefragt seien Elektroniker (68 offene Stellen), Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (64) sowie Kfz-Mechatroniker (30). Jeweils um die 20 freie Lehrstellen gebe es auch bei den Dachdeckern, den Feinwerkmechanikern und den Metallbauern.

Stabile Ausbildungszahlen im Handwerk

10186 junge Leute werden derzeit im Bezirk der Handwerkskammer Lübeck ausgebildet – in 120 verschiedenen Berufen. Damit haben sich die Lehrlingszahlen nach einer langen Phase des Rückgangs erstmals wieder stabilisiert.

3931 neue Verträge wurden im vergangenen Jahr abgeschlossen – und damit 50 mehr als im Vorjahr. Erhöht hat sich auch der Anteil der Abiturienten. Er liegt inzwischen bei 14,5

Prozent.

Die meisten Lehrlinge werden im Elektro- und Metallgewerbe ausgebildet (48,8 Prozent). Es folgen die Bau- und Ausbauberufe (16 Prozent) sowie die Gesundheitsberufe (10,7 Prozent). Die größten Schwierigkeiten bei der Azubi-Suche hat das Lebensmittelhandwerk. Bei den Bäckern und Bäckereifachverkäufern gab es allerdings 2016 erstmals seit Jahren einen kleinen Anstieg.

Wer eine Lehrstelle sucht, hat laut Arbeitsagentur zum Beispiel in folgenden Berufen gute Chancen: Elektroniker, Mechatroniker, Bäcker, Fleischer, Koch, Hotel- oder Restaurantfachmann, Kaufmann im Einzelhandel, IT-Systemkaufmann, Maurer, Straßenbauer, Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, Altenpfleger.

J.Dietrich

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