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Rekordzahl an Widersprüchen gegen den Fehmarnbelttunnel

Kiel/Kopenhagen Rekordzahl an Widersprüchen gegen den Fehmarnbelttunnel

Mehr als 4300 Einwendungen – Sierksdorfer Bürgermeister: Wir sind keine Querulanten.

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Sierksdorfs Bürgermeister Volker Weidemann spricht für die Kritiker.

Kiel/Kopenhagen. Es geht in den Endspurt: Zwei Tage noch können Bürger beim zuständigen Landesbetrieb für Straßenbau und Verkehr in Kiel schriftlich ihre Bedenken gegen den Bau des Fehmarnbelttunnels anmelden. Dann ist Schluss. Auf den letzten Metern arbeiten Planer und Kritiker mit harten Bandagen. Der Streit gipfelt in gegenseitigen Vorwürfen zwischen dem dänischen Vize-Projektleiter von Femern A/S und dem Bürgermeister von Sierksdorf (Ostholstein), ausgetragen über die dänische Tageszeitung „Lolland Falsters Folketidende“. Unterdessen sind nach Angaben des Kieler Wirtschaftsministeriums bereits mehr Einwendungen eingegangen als bei der ersten Anhörung zur Planfeststelllung (3100). Nach LN-Information liegt die Zahl der Widersprüche bereits bei mehr als 4300.

In einem Gastkommentar für das Blatt geht Ajs Dam, Vize-Projektdirektor bei den dänischen Planern von Femern A/S, auf die Protestbewegung ein. Die deutschen Kritiker täten alles in ihrer Macht stehende, um die Anzahl der Einwendungen gegen die feste Fehmarnbeltquerung zu erhöhen, schreibt Dam. „Professionelle Kampagnenmitstreiter“ versuchten, „selbst Bürger aus Bayern“ dazu zu bringen, vorgefertigte Einwendungen gegen den Tunnel zu unterschreiben. Sollte es zu 10 000 oder mehr nahezu gleichlautenden Einwendungen kommen, „wird uns das einiges an Zeit und jede Menge Briefmarken kosten“. Femern A/S hatte gehofft, dass sich der Protest legt.

Bereits bei einem ersten öffentlichen Anhörungsverfahren gab es in Schleswig-Holstein 3100 Einsprüche, auf dänischer Seite fast überhaupt keine. Femern A/S hatte seine Pläne überarbeiten und erweitern müssen. Deshalb läuft derzeit die zweite Anhörungsrunde. Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) hatte die Dänen in diplomatischem Ton gemahnt, für Pläne zu sorgen, die bei zu erwartenden Klagen vor Gericht Bestand haben.

Femern A/S beteuert, sorgfältig gearbeitet zu haben. Die Planfeststellungsunterlagen seien um 3000 Dokumentations- und Erklärungsseiten erweitert worden, die gesamte Akte „Fehmarnbelttunnel“ umfasse jetzt 14000 Seiten. Im Übrigen sei dieser Prozess zeitaufwendiger, „als auch unsere deutschen Kollegen zu Beginn erwartet haben“, kann sich Dam einen Seitenhieb auf die Kieler Planungsbehörde nicht verkneifen.

In Deutschland sei es völlig normal, dass Bürgerinitiativen den betroffenen Menschen Hilfestellung bei der Formulierung von Einwendungen geben, kontert der Sierksdorfer Bürgermeister Volker Weidemann (CDU). Er wehre sich dagegen, dass Initiativen und ehrenamtliche Kommunalpolitiker als „professionelle Querulanten“ dargestellt würden. Die Lockerheit, mit der Femern A/S das Verfahren betrachte, scheine ihm befremdlich. Dams Äußerungen seien ihm „sauer aufgestoßen“.

Karin Neumann, Sprecherin der Beltretter und Vermieterin von Ferienwohnungen auf Fehmarn, hatte vorgestern 1536 Einwendungen im Kofferraum ihres Wagens in die Planungsbehörde nach Kiel gekarrt.

Neumann: „Das ist nur ein Bruchteil.“ Sie rechne mit deutlich mehr Einwendungen. Bei einer Online- Petition gegen den Belttunnel sind bisher 84000 Unterschriften zusammengekommen. Nach Auskunft des Wirtschaftsministeriums gelten sie nicht als offizielle Widersprüche.

Die Beltretter waren mit einem Infomobil zuletzt vier Wochen lang durch die Region getourt. Über den Internetauftritt sei inzwischen ein bundesweites Echo ausgelöst worden, sagt Neumann. Von der Kieler Landespolitik fühle man sich dagegen „schwer im Stich gelassen“.

Das Megaprojekt

17,6 Kilometer lang soll der Fehmarnbelttunnel zwischen Puttgarden und Rødbyhavn werden. Er wäre damit der längste kombinierte Absenktunnel der Welt. Die Röhre unter der Ostsee soll vier Fahrspuren und zwei Bahngleise aufnehmen. Die Kosten, mehr als sieben Milliarden Euro, streckt der dänische Staat vor. Eröffnet werden soll der Tunnel im Jahr 2028.

Curd Tönnemann

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