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Wirtschaft im Norden Rückschlag für Dräger: Gewinnziele halbiert
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Rückschlag für Dräger: Gewinnziele halbiert
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09:04 15.10.2015
Dräger beschäftigt in Lübeck zurzeit mehr als 5000 Mitarbeiter.

Erst im Juli dieses Jahres hatte das Lübecker Drägerwerk seine Gewinnprognose gesenkt, nur drei Monate später muss der Hersteller für Medizin- und Sicherheitstechnik die Zahlen erneut nach unten korrigieren. Statt einer Gewinnmarge von 5,0 bis 7,0 Prozent rechnet Dräger jetzt nur noch mit 2,5 bis 4,5 Prozent für das Gesamtjahr, die Folge von drei Quartalen hintereinander mit negativem Ergebnis. Von einer „enttäuschenden Geschäftsentwicklung“ berichtet das Unternehmen in seiner Ad-hoc- Mitteilung an die Börse. „Die Geschäftsentwicklung in der Region Asien-Pazifik, dort insbesondere in China, hat sich weiter eingetrübt“, heißt es, und auch in der Region Amerika blieb das Geschäft unter den Erwartungen, vor allem in Brasilien. Die Dräger-Aktie brach nach der Mitteilung um etwa zehn Prozent ein. Jetzt soll das vierte Quartal, traditionell das stärkste, die Bilanz zumindest erträglicher machen.

Kommentar zum Thema: Ernstes Warnsignal

„Die Schwellenländer, die in den vergangenen Jahren unser Wachstum stark positiv beeinflusst haben, schwächeln jetzt“, erklärt Dräger-Sprecher Peter Müller. Das Wachstum dort verlangsame sich, und das merke man an der deutlich gesunkenen Nachfrage. Gerade in der Medizintechnik sei eine „Zurückhaltung der Kaufentscheider“, meist große Kliniken, spürbar. In der Sicherheitstechnik machen dem Unternehmen stark gefallene Rohstoffpreise zu schaffen. In manchen Ländern würden Minen geschlossen, das bedeute weniger Absatz von Atemschutzmasken. In den USA merke man das schlechtere Öl- und Gasgeschäft in der sinkenden Nachfrage nach Gasmesstechnik. Dass Währungen der Schwellenländer wie Brasilien oder China abgewertet wurden, mache sich bemerkbar, weil die Produkte zwar im Euroraum hergestellt, aber in der schwächeren Währung bezahlt werden.

Auch Sonderaufwendungen in Höhe von 20 Millionen Euro belasten das Ergebnis. Zum einen handele es sich um Abschreibungen von Forderungen, die die Kunden nicht mehr bezahlen können, unter anderem in Brasilien, so Müller. Zum anderen habe Dräger ein Beatmungsgerät für Reparaturen zurückrufen müssen, weil es Probleme mit den Batterien gab. Das Gerät wurde vor allem in den USA verkauft.

Vor dem Licht der neuen Entwicklung müsse Dräger nun auch seine mittelfristige Prognose überprüfen; bis zum Jahr 2019 wollte man eigentlich eine Gewinnmarge von 10 Prozent erreichen — ein dynamisches Wachstum vorausgesetzt.

Als Gegenmaßnahme will das Unternehmen nun das Effizienzprogramm „Fit for Growth“ (Fit für Wachstum) verschärfen. „Wir wollen Vertriebs- und Verwaltungsprozesse verschlanken“, kündigte Müller an. Zu Details könne man nichts sagen, neue Effizienzmaßnahmen würden „spätestens bei der Bekanntgabe der Geschäftszahlen 2015“, also im Frühjahr, bekanntgegeben. Personelle Maßnahmen seien „nicht ausgeschlossen“, sagte Müller auf Nachfrage.

Die Zahlen seien betrüblich, „aber wir werden da nicht nervös“, sagte Thomas Rickers von der IG Metall. „Drohenden Arbeitsplatzabbau sehen wir überhaupt nicht, die Produktion ist mehr als ausgelastet.“ Man wisse seit längerer Zeit, dass Dräger höhere Funktionskosten habe. Dass man jetzt über veränderte Strukturen nachdenke und die Produkteinführung beschleunigen wolle, sei gut, sagte Rickers, der für die IG Metall im Aufsichtsrat des Unternehmens sitzt.

Stetiger Stellenzuwachs

5077 Mitarbeiter hatte das Drägerwerk Ende September am Stammsitz des Unternehmens in Lübeck, das waren 82 mehr als Ende Juni (4995).
Innerhalb von fünf Jahren ist die Zahl damit um 1100 gestiegen, Ende 2010 gab es in Lübeck 3976 Mitarbeiter. Insgesamt beschäftigte Dräger Ende Juni 13851 Mitarbeiter, Ende 2014 waren es 13737.


124,7 Millionen Euro investierte Dräger im Jahr 2014, 55 Prozent davon in Deutschland. 212 Millionen Euro flossen in Forschung und Entwicklung, davon 70 Prozent in Deutschland.

Christian Risch

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