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Wirtschaft im Norden Rückschlag für die A 20: Adlerhorst stoppt Weiterbau
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21:21 11.12.2015

Es ist nicht viel mehr als ein Haufen abgebrochener Zweige. Ein paar Federn. Ein längst verlassener Seeadlerhorst in der Astgabel eines einsamen Baumes im Kreis Steinburg. Doch dieser Haufen Holz wird den Weiterbau der A 20 um weitere zwei Jahre verzögern. SPD-Verkehrsminister Reinhard Meyer musste es gestern zähneknirschend verkünden.

Nur 300 Meter ist der verlassene Horst von der geplanten Trasse westlich der A 23 entfernt. Außerdem soll direkt davor Sand für den Autobahnbau ausgebaggert werden. Im Frühjahr 2015 soll es „einen Brutversuch“ gegeben haben. Erst jetzt haben Naturschützer und die Kreisverwaltung den Horst dem Land gemeldet. Dabei sollte der Planungsprozess eigentlich noch im Dezember abgeschlossen werden.

Selbst wenn der Horst verlassen ist, behält er laut EU-Vogelschutz-Richtlinie drei Jahre lang „den rechtlichen Status einer Brutstätte“, heißt es im Verkehrsministerium. Deshalb seien jetzt umfangreiche Neuplanungen des 15,2 Kilometer langen A-20-Teilstücks notwendig.

So müssen die Planer zum Beispiel unter Artenschutz-Gesichtspunkten aufarbeiten, welchen Einfluss die Autobahn auf möglicherweise dort noch einmal wieder brütende Seeadler haben könnte. Es müsse sichergestellt werden, dass kein größeres Wild, Rehe zum Beispiel, auf die Autobahn gelangen und dort totgefahren werden könne — die Adler würden sich dann über das Aas hermachen und wären womöglich selber gefährdet. Kilometerlange Wildschutzzäune seien ebenso denkbar wie zusätzliche, millionenteure Wälle, der Bau von Überflughilfen oder Tempolimits. Die Sandentnahmestelle wird wohl verlegt werden müssen, damit möglicherweise während der Bauphase auftauchende Seeadler nicht durch Lärm gestört werden.

Was das Ganze weiter verzögert: Das Ministerium muss für die Planüberarbeitung die Verkehrsprognose 2030 heranziehen, nicht mehr die von 2025. Und das heißt: Alle Berechnungen für den ganzen Bauabschnitt, die auf den Verkehrsdaten beruhen, müssen neu gerechnet werden. Und: Auch die Vorkommen von anderen Brutvögeln, Fischen, Fledermäusen, Haselmäusen sowie Amphibien, Reptilien, Libellen und „Fließwasserorganismen“ müssen neu kartiert werden. Weil so viel geändert wird, müssen die Pläne dann erneut öffentlich ausgelegt werden. Vor Ende 2017 sei daher nicht mehr mit der sogenannten Planfeststellung zu rechnen, nach der überhaupt erst mit dem Bau begonnen werden dürfte. Eher werde es wohl 2018 werden.

Jubel bei den Landtags-Grünen: Es werde „Zeit, sich um eine grundsätzlich andere Streckenführung Gedanken zu machen“, sagt deren Verkehrspolitiker Andreas Tietze. „Für die grünen Blockierer kommt der Adlerhorst natürlich wie gerufen“, sagt der FDP-Abgeordnete Christopher Vogt. Das aktuelle Planungsrecht sei „ein Verhinderungsrecht“. Leider würden Parlament und Öffentlichkeit seit über drei Jahren vergeblich auf die von Verkehrsminister Meyer angekündigten Vorschläge zur Vereinfachung dieses Planungsrechts warten — auch gestern wieder hatte Meyer diese unkonkreten Ankündigungen wiederholt. Die CDU fordert nach dieser „unverzeihlichen Schlamperei“ personelle Konsequenzen in der Planungsbehörde.

Wolfram Hammer

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