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Wirtschaft im Norden SLM: Prognose gesenkt, Vorstandschef geht
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19:35 02.11.2018
Uwe Bögershausen verlässt SLM im kommenden Jahr. Quelle: FOTO: Lutz Roeßler
Lübeck

Es war ein doppelter Paukenschlag. Gleich zwei Ad-hoc-Mitteilungen für die Börse gab SLM Solutions am späten Donnerstagabend heraus: die Senkung der Umsatz- und Ergebnisprognose und den Rückzug von Vorstandschef Uwe Bögershausen. Er teilte dem Unternehmen mit, dass er seinen bis Juni 2019 dauernden Vertrag nicht verlängern wird. „Ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht und diese letztlich aus persönlichen Gründen getroffen“, erklärte Bögershausen. Nach mehr als fünf Jahren im Vorstand der SLM Solutions Group AG sei es an der Zeit, „meine Aufgaben in andere Hände zu legen und auf diese Weise einen Wandel einzuleiten“, erklärte er. „Von den vielversprechenden Zukunftsaussichten der additiven Fertigung und den Chancen, die sich dabei für SLM bieten, bin ich absolut überzeugt. SLM hat ein gutes Team aufgestellt, um diese Chancen zu nutzen“, sagte Bögershausen.

Hans-Joachim Ihde, Firmengründer und Aufsichtsratsvorsitzender von SLM Solutions, dankte Bögershausen für seine ausgezeichnete Arbeit. „Er hat SLM Solutions in einer ereignisreichen Phase, die von starkem Wachstum geprägt war, mit großem Engagement begleitet. Wir respektieren seine Entscheidung und wünschen ihm alles Gute“, sagte Ihde. Bögershausen habe versichert, dem Vorstand grundsätzlich bis zum Sommer 2019 zur Seite zu stehen. „Der Aufsichtsrat wird zeitnah Gespräche mit potenziellen Kandidaten aufnehmen, um den Vorstand mit einem Vorsitzenden zu komplettieren“, sagte Ihde. Bögershausen war zunächst Finanzvorstand und hatte auch den Vorstandsvorsitz übernommen, als Markus Rechlin 2016 SLM verließ. Primär sind es persönliche Gründe, die Bögershausen für sein Ausscheiden anführt. Seine Familie lebt in Oldenburg (Niedersachsen). Doch kurz vor dieser Mitteilung musste SLM Solutions bekanntgeben, dass es seine Umsatz- und Margenziele für 2018 nicht erreichen wird. Man erwarte jetzt einen Umsatz zwischen 90 und 100 Millionen Euro, geplant waren 115 bis 125 Millionen. Auch die Ergebnismarge sinke.

Hauptgrund seien Probleme bei einem asiatischen Kunden. Der hatte vor einem Jahr 20 Maschinen des Typs SLM 800 bestellt, nun aber die Abnahme gestoppt. Der Grund dafür sei, dass eine Maschine, mit der Referenzbauteile produziert werden sollten, vom Kunden beziehungsweise seinen Beauftragten beschädigt worden sei, erklärte SLM. „Aufgrund der Beschädigung der Maschine durch den Kunden lassen sich auf dieser Anlage keine qualitativ hochwertigen Bauteile mehr bauen. Wir haben dem Kunden dringend empfohlen, diese Maschine auszutauschen,“ sagte Technikvorstand Gereon Heinemann. Der Schadenfall werde nun über die Versicherung des Kunden abgewickelt. Erst danach wolle der Kunde weitere Maschinen aus dem Rahmenvertrag abrufen. Die Verzögerung werde sich mit Sicherheit bis ins Jahr 2019 hinziehen.

Nach diesen beiden Nachrichten fiel die SLM-Aktie am Freitag nach dem Handelsstart um 16 Prozent auf ein Rekordtief. Erst vor wenigen Wochen war SLM Solutions aus dem Tec-Dax gefallen und wird nun im Prime Standard an der Frankfurter Börse notiert.

Christian Risch