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Wirtschaft im Norden Sägewerk: Widerstand gegen Neuordnung Die Stadt Grevesmühlen will auf dem Südstadt-Areal Bauplätze anbieten / Doch es gibt Schwierigkeiten
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Sägewerk: Widerstand gegen Neuordnung Die Stadt Grevesmühlen will auf dem Südstadt-Areal Bauplätze anbieten / Doch es gibt Schwierigkeiten
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20:19 12.02.2016
Das ehemalige Sägewerk aus der Vogelperspektive, weite Teile stehen leer. Zwei Tischlereien befinden sich noch dort. Quelle: Fotos: Maik Freitag, K.-E. Schmidt (2)

Die Grevesmühlener Stadtvertreter haben Anfang der Woche beschlossen, mithilfe eines Umlegungsausschusses das mehrere Hektar umfassende Areal des ehemaligen Sägewerks zu überplanen. Durch das Umlegungsverfahren soll die Grundstückssituation dort geklärt werden. Die Stadt hat bereits einen Großteil des Sägewerks aufgekauft. Doch dort befinden sich noch zwei Tischlereien und eine Spielothek. Und einig ist sich die Kommune noch längst nicht mit allen Beteiligten.

Auch aus Teilen der Stadtvertretung gibt es kritische Stimmen zu dem Verfahren. Unter anderem mahnt die Fraktion grevesmühlen.jetzt zur Besonnenheit. Hintergrund sind die Auseinandersetzungen mit einigen dort ansässigen Unternehmern.

Konstruktive Gespräche hat es bisher nur mit Tischler Maik Schulz gegeben. „Wir werden vielleicht den einen oder anderen Meter abgeben, dafür auf der anderen Seite wieder einen hinzubekommen“, sagt der Unternehmer, der seit 15 Jahren dort seine Firma betreibt. Während der Bauausschusssitzung war ihm der Bebauungsplan gezeigt und weitere Entwicklungschancen in Aussicht gestellt worden. „Für uns hat das neue Bebauungsgebiet nur insofern eine Relevanz, dass sich die Stadt um Schallschutzwände sowohl zu unserer Firma als auch zur Bahnstrecke kümmern muss“, sagt der 48-Jährige. „Das Umlegungsverfahren trifft uns nur gering. Mit den versprochenen Maßnahmen können wir leben.“

Ähnlich sieht es auch Spielothek-Betreiber David Corleis. Auch dieses Objekt liegt auf dem Gelände der geplanten Wohnbebauung. Corleis klagt aktuell gegen den Bebauungsplan für das Areal und streitet sich seit Jahren mit der Stadtverwaltung. Seiner Ansicht nach liegt sein Grundstück nicht im Bereich des betroffenen Bebauungsplanes. Er glaubt vielmehr, dass seine Spielothek der Stadt ein Dorn im Auge sei. „Nachdem ich bereits eine Viertelmillion Euro an Mietausfall, Verfahrens- und Anwaltskosten in den vergangenen drei Jahren verzeichnen musste, habe ich nun ein Schreiben bekommen, dass meine Außenwerbung zum Spielen verleiten würde. Insbesondere stört man sich an dem Wort Oase“, erklärt Corleis, der auf seinem Gelände in Zukunft noch Großes vorhat. „Ich möchte einen Supermarkt, ein Restaurant und eine Sportsbar bauen. Das ist der Stadt allerdings nicht recht. Und demzufolge erfahre ich immer wieder Streitigkeiten. Man will mich systematisch ruinieren“, wirft der 49-Jährige der Stadt unlautere Absichten vor. Dass er vom Gelände der Spielothek ebenfalls etwa 200 bis 300 Quadratmeter abgeben muss, weiß er, seitdem er vor drei Jahren das Geschäft eröffnete. „Das war noch mit dem Alteigentümer verhandelt worden und mir bewusst“, erklärte der Dorf Mecklenburger. Allerdings habe er nach eigener Aussage eine Konzession für seine Gewerbe bis zum Jahr 2029. Bereits mehrfach wurden die Auseinandersetzungen mit der Stadt vor Gericht ausgetragen. Laut Corleis habe die Stadt regelmäßig verloren. „Ich werde das alles schon aushalten, mal sehen was wird.“

Die jüngste juristische Niederlage geht allerdings auf das Konto des Spielhallenbetreibers. Der hatte vor Gericht einen Baustopp für den Supermarkt am Bahnhof gefordert, was das Verwaltungsgericht in Schwerin jedoch ablehnte. Corleis ist übrigens nach wie vor noch kein Eigentümer der Immobilie in der Rehnaer Straße, das ist nach LN-Informationen nach wie vor Hans-Peter Carstensen aus Handewitt bei Flensburg, von dem der Spielothekenbetreiber Haus und Grundstück Anfang 2014 nach eigenen Angaben erworben hatte.

Die Geschichte des Industriegebietes im Süden von Grevesmühlen

1865 wurde die Bahnstrecke von Lübeck nach Bad Kleinen gebaut. In diesem Zusammenhang investierte die Familie Callies im Süden von Grevesmühlen. 1878 wurde der fünfstöckige Getreidespeicher der Firma Christian Callies direkt am Bahnübergang gebaut.

Die Erschließung des Gebietes an der Rehnaer Straße setzte erst um die Jahrhundertwende ein und erfolgte in mehreren Etappen. Nach dem Bau des Speichers folgte 1899 das Sägewerk der Firma. Der Speicher erhielt einen direkten Gleisanschluss. Gleichzeitig galt diese Bautätigkeit als Impuls für das Wachsen der Stadt südlich der Bahnlinie. Der Speicher brannte im November 2007 ab. Seit etwa drei Jahren plant die Stadt dort einen Umbau, das Sägewerk schloss 2015.

Maik Freitag und Michael Prochnow
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