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Schock für die Belegschaft: Baltic Elektronik macht dicht

Grevesmühlen Schock für die Belegschaft: Baltic Elektronik macht dicht

Schlechte Nachricht aus dem Grünen Weg: Der neue Eigentümer von Baltic Elektronik — die Prettl Electronic Lübeck GmbH — verlegt den Betrieb in die schleswig-holsteinische Hansestadt.

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Vermutlich ab dem 1. September bleibt das Tor zum Gelände des ehemaligen Baltic Elektronik-Betriebes geschlossen.

Quelle: Jan-Michael Kreft

Grevesmühlen.  Diese Entscheidung ist am Montag während der Belegschaftsversammlung mitgeteilt worden. Der Standort in Grevesmühlen wird stillgelegt. „Die Stadt, der Landkreis Nordwestmecklenburg und das Wirtschaftsministerium haben mit großer Vehemenz versucht, den Betrieb in Nordwestmecklenburg zu halten. Wir sind sehr enttäuscht“, äußerte sich Landrätin Kerstin Weiss (SPD).

Laut Daniel Stuckert, Sprecher der Prettl-Gruppe, sollen bis zu 90 Prozent der Grevesmühlener Belegschaft — immerhin 120 Männer und Frauen arbeiten in Nordwestmecklenburg — in Lübeck einen Arbeitsplatz erhalten. „Es wird einen Shuttle-Service geben, der die Mitarbeiter morgens und abends von Grevesmühlen nach Lübeck und wieder zurückbringt.“ Die Entscheidung für Lübeck und gegen eine Investition in Nordwestmecklenburg sei nach reiflicher Überlegung und im Einvernehmen mit dem Betriebsrat erfolgt, so Stuckert.

Der Landkreis hatte zusammen mit dem Schweriner Wirtschaftsministerium dem Unternehmen eine Immobilie in Selmsdorf angeboten sowie eine Lohnkostenförderung in Höhe von 1,1 Millionen Euro in Aussicht gestellt — jedoch umsonst. „Die Fördermittel wären nicht in der versprochenen Höhe geflossen, die entsprechenden Aussagen wurden vonseiten des Ministeriums zurückgezogen“, beschreibt Daniel Stuckert einen der Gründe für die Entscheidung. Einen genauen Termin für die Schließung des Grevesmühlener Betriebes wollte der Unternehmenssprecher gestern nicht nennen. „Das wird im Laufe des Jahres passieren, mehr kann ich aktuell dazu nicht sagen.“ Bei der Belegschaftsversammlung fiel der 1. September 2016 als möglicher Stichtag. Am Lübecker Standort soll laut Stuckert das Unternehmen erweitert werden, um neue Kapazitäten zu schaffen.

Im Dezember hatte Baltic Elektronik den Besitzer gewechselt. Der Technologiekonzern Körber aus Hamburg hatte das Unternehmen an die Lübecker Gesellschaft abgegeben. Für Lars Prahler, 2. Stadtrat von Grevesmühlen, eine verheerende Entscheidung. „Die Körber AG hat ohne Not die Veräußerung und damit die Schließung des Standortes Grevesmühlen forciert.“ Danach sei alles getan worden, um eine Zusammenlegung in Nordwestmecklenburg zu erzielen. So wären zu Beginn auch Flächen in Upahl und Wismar im Gespräch gewesen. Am Ende standen nur noch Selmsdorf oder Lübeck zur Wahl. „Bis zuletzt wurden gute Angebote unterbreitet“, so Prahler. Doch vermutlich habe die Entscheidung von Prettl, die Betriebe an der Trave zusammenzulegen, bereits bei der Übernahme im Dezember festgestanden. „Wir sind maßlos enttäuscht und traurig.“

Prettl will sich zum größten EMS-Dienstleister (Electronic Manufacturing Service) in Norddeutschland aufschwingen. Aktuell liegt der Jahresumsatz bei rund 50 Millionen Euro. Doch die Pläne vereinbaren sich nach Ansicht von Kerstin Weiss nicht mit der getroffenen Standortwahl. „Ich habe mir das Gelände in Lübeck angesehen und setze hinter die Erweiterungsmöglichkeiten des Betriebes dort ein großes Fragezeichen.“ Der Landkreis stehe nach wie vor für Gespräche zur Verfügung.

Auch bei den Beschäftigten ist der Frust groß. Viele fürchten um ihren Arbeitsplatz. Denn nach der Zusammenlegung plant Prettl Electronics mit 179 Mitarbeitern. Allerdings sind aktuell 120 in Grevesmühlen und 81 in Lübeck angestellt. „Die Stimmung ist im Keller“, sagt René Heinrich, der für den Transport von Baugruppen in Grevesmühlen zuständig ist. Gegenüber den Mitarbeitern sei bis jetzt nicht klar geäußert worden, wie viele Angestellte übernommen werden können. Für Heinrich, der seit 2008 im Betrieb sein Geld verdient, ist das auch nicht mehr entscheidend: „Ich gehe nicht mit.

Es wurde viel versprochen und nichts davon gehalten. Ich habe mich bereits beim Arbeitsamt gemeldet“, betont der 28-Jährige. Einige seiner Kollegen tun es ihm gleich. „Viel Fahrerei für wenig Geld“, meint ein Angestellter, der anonym bleiben will.

Andere hingegen wollen das Angebot aber annehmen und mit den Bussen nach Lübeck fahren. Nach der Bekanntgabe der Pläne am Montag hofften einige der Angestellten gestern auf die Zusage aus Lübeck, den Großteil der Belegschaft zu übernehmen. „Wir sollten erst einmal abwarten und nicht gleich alles schlechtreden. Es ist immer noch besser als auf der Straße zu sitzen“, erklärte eine Mitarbeiterin.

Daniel Heidmann und Michael Prochnow

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