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Schöne neue Zustellwelt

Düsseldorf Schöne neue Zustellwelt

Lieferroboter sollen Hermes-Pakete zustellen – Pilotversuche in Hamburg und Düsseldorf geplant.

Düsseldorf. Ein ungewöhnliches Bild wird sich in wenigen Wochen Passanten in Hamburg und Düsseldorf bieten. In zwei Pilotversuchen sollen dort neuartige Lieferroboter über die Bürgersteige rollen und Kunden des Paketdienstes Hermes und der Elektronikkette Media Markt bestellte Sendungen direkt bis zur Haustür bringen. Eine der Fragen die bei dem Projekt geklärt werden soll: „Wie reagieren die Menschen?“

„Der Einsatz von Robotern kann die Zustellung von Päckchen und Paketen speziell im städtischen Raum nachhaltig revolutionieren.“ Frank Rausch, Hermes Deutschland-Chef

Mit einer Geschwindigkeit von bis zu fünf Stundenkilometern sollen die kleinen, vom estländischen Unternehmen Starship Technologies entworfenen Roboter auf sechs Rädern weitgehend selbstständig über die Bürgersteige wieseln. Neun Kameras erleichtern ihnen dabei die Orientierung und sollen Zusammenstöße mit Fußgängern und Laternenmasten verhindern. Ganz auf sich gestellt sind die Roboter aber nicht: Im Hintergrund wacht ein Aufseher, der bei Problemen eingreifen und sich bei Bedarf sogar mit den Kunden und Passanten unterhalten kann.

Die Hoffnung des Handelsriesen Metro, zu dem Media Markt gehört: Die Roboter sollen schon bald eine schnelle und gleichzeitig preiswerte Belieferung der Kunden „in nahezu Echtzeit“ ermöglichen. Auch Starship-Vorstandschef Ahti Heinla betont, Ziel sei ein besserer Kundenservice verbunden mit einem geringen Kostenaufwand.

„Der Einsatz von Robotern kann die Zustellung von Päckchen und Paketen speziell im städtischen Raum nachhaltig revolutionieren“, meint auch Hermes Deutschland-Chef Frank Rausch. Ein solches Serviceangebot könne in der alternden Gesellschaft für die Zustellung von Medikamenten oder Lebensmitteln genutzt werden.

Andere Konzerne wie der Internetriese Amazon oder die Deutsche Post setzen auf Paketdrohnen, die Lieferungen auf dem Luftweg zum Kunden bringen sollen. Zu Jahresbeginn flog eine Post-Drohne drei Monate im oberbayerischen Reit im Winkl immer wieder die acht Kilometer lange Strecke vom Tal bis zur Alm auf 1200 Meter Höhe und lieferte dabei insgesamt 130 Pakete ab. So hofft die Post, die Belieferung in dünn besiedelten Gebieten auf Inseln oder Bergen verbessern zu können. Amazon will im kommenden Jahr einen Feldversuch mit Lieferdrohnen in Großbritannien starten.

Ob so viel High-Tech wirklich der Königsweg ist, um die Belieferung kundenfreundlicher zu gestalten, ist aber umstritten. Der Logistik-Experte Herbert Kotzab von der Universität Bremen jedenfalls rechnet so schnell nicht mit Schwärmen von Paketdrohnen am Himmel. „Bei besonderen Einzelfällen – etwa bei wichtigen Ersatzteilen oder bei Organspenden – ist Transport mithilfe von Drohnen denkbar. Aber für die breite Masse kann ich mir das in den nächsten fünf Jahren nicht vorstellen“, sagt er. Es fehle an der notwendigen Infrastruktur und geeigneten Kontrollmechanismen. Auch was die Zukunft der Lieferroboter angeht, ist er skeptisch. Viele Kunden würden schlicht Probleme mit der Technik haben.

LN

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