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Wirtschaft im Norden Schwarzes Gold zum Schleuderpreis
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18:21 16.01.2016

Die übergroße USFahne knattert im Wind, Luftballons in den Nationalfarben Rot, Blau und Weiß schweben über den Neufahrzeugen. Mehrere Familien spazieren gut gelaunt über das weitläufige Ausstellungsgelände des Ford-Händlers in Lexington Park, unweit der amerikanischen Hauptstadt. Auch an diesem Wochenende dürfte es in der Verkaufsstelle wieder turbulent werden.

Amerikas Autoverkäufer zählen zu den unmittelbaren Gewinnern des einbrechenden Ölpreises. Wieder einmal entwickelt sich der Markt völlig anders, als es unzählige Experten und Analysten erwartet hatten. „Verkauft wird zurzeit alles, vom Kleinwagen bis zum schweren Truck. Besonders beliebt sind die SUV, auch wenn man sie in unserer großstädtischen Umgebung eigentlich gar nicht braucht“, sagt John Landesz. Der Chefverkäufer zeigt stolz seine benzinfressenden Großmodelle. Die Pick-up-Lastwagen vom Typ F-150 laufen ebenfalls gut — selbst bei Lobbyisten und Regierungsmitarbeitern, die nur mit einem kleinen Laptop ins Büro fahren. Über die Hybridfahrzeuge, die an der amerikanischen Ostküste zwischenzeitlich so populär waren, verliert der stämmige Mittvierziger dagegen kein Wort:

„Big is back“, sagt Landesz und lacht zufrieden. Entgegen allen früheren Prognosen fallen die Benzinpreise ins Bodenlose — und mit ihnen so manche umweltfreundliche Errungenschaft der vergangenen Jahre. Bei einem Literpreis von unter 50 Cent, wie er in den USA derzeit gilt, spielt der Verbrauch eben keine allzu große Rolle. Und bisher deutet wenig darauf hin, dass sich dieser Trend im neuen Jahr umkehren könnte. Mehr noch: Paul Horsnell von der Londoner Standard Chartered Bank geht mittlerweile davon aus, dass der Preis pro Barrel (159 Liter) sogar unter 10 Dollar fallen könnte. Seit Jahresanfang nimmt der Preisverfall weiter an Fahrt auf: Das Nordseeöl der Sorte Brent verbilligte sich zeitweise auf etwa 30 Dollar und notiert so niedrig wie zuletzt vor zehn Jahren. Leichtöl der US-Sorte WTI rutschte gar unter die 30-Dollar-Marke. Zum Vergleich: Noch im Sommer 2014 wurden mehr als 100 Dollar pro Barrel gezahlt. Seitdem ist eine Talfahrt mit Rekordtempo zu beobachten.

Analysten wie Horsnell sind um Erklärungen nicht verlegen: China, die zweitgrößte Volkswirtschaft, schwächelt und importiert zurzeit weit weniger Rohstoffe als erwartet. Und in Amerika, der

größten Volkswirtschaft, wird dank der Fracking-Technologie so viel Öl und Gas produziert, dass sich der einstige Rekordimporteur in einen Exporteur verwandelt: „Der Markt wird mit Öl geradezu überschwemmt“, sagt Horsnell. Anders als in früheren Zeiten reagieren die traditionellen Lieferstaaten nicht mit Förderkürzungen. Im Ringen um Marktanteile erscheint es ihnen wichtiger, Mitbewerber aus dem Markt zu drängen, als hohe Preise zu erzielen. Ausgerechnet Saudi-Arabien und der Iran schrauben ihre Produktion weiter hoch. Der Schmierstoff der Weltwirtschaft wird geradezu verschleudert. Der Preis ist so niedrig, dass die USA sogar ihre Fracking-Aktivitäten zurückgefahren haben. Für die Verbraucher bedeutet das erfreuliche Zeiten. Superbenzin liegt um 50 Cent unter dem Stand vom Sommer 2012. Das weckt bei vielen die Lust auf große Autos — was die Verkäufer freut: „Schluss mit dem Pessimismus“, sagt Landesz.

„Besonders beliebt sind die SUV.“
Autoverkäufer John Landesz

S. Koch

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