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Schwere Zeiten für den Textilhandel

Düsseldorf Schwere Zeiten für den Textilhandel

Leere Läden, volle Regale: Der herrliche Spätsommer und ein kurzer Herbst machen der Modebranche zu schaffen.

Düsseldorf. Gerade erst hat der Herbst in Deutschland Einzug gehalten, da setzen viele Modehändler in den Innenstädten bei den Herbstkollektionen schon den Rotstift an.

„Einige textile Einzelhändler hängen am seidenen Faden.“  Ron van het Hof, Deutschland-Chef des Kreditversicherers Euler Hermes

„Mid-Season-Sale“ locken die Schilder und versprechen Rabatte bis zu 50 Prozent. Die Händler stehen unter Druck. Die Geschäfte liefen schlecht in den vergangenen Monaten.

Zwischen Mai und September lagen die Verkaufszahlen im stationären Modehandel nach einer Marktuntersuchung des Branchenblattes „Textilwirtschaft“ Monat für Monat unter den Vorjahreszahlen, im September um satte 16 Prozent. „Es war grausig“, meint der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Textileinzelhandels (BTE), Jürgen Dax. Doch was für die Händler schlimm ist, kann für die Verbraucher durchaus Vorteile haben. „Es wird vermutlich ein Herbst der hohen Rabatte werden“, prognostizierte jedenfalls die „Textilwirtschaft“ schon vor einigen Wochen. Zwar hat inzwischen der Kälteeinbruch die Geschäfte wieder etwas angekurbelt, doch ob dies ausreicht, die Einbußen der vergangenen Monate wettzumachen, darf bezweifelt werden.

In den vergangenen Monaten sind bereits eine ganze Reihe namhafter deutscher Textilhändler in wirtschaftliche Turbulenzen geraten, darunter der Herrenmode-Filialist Pohland, der Damenmode-Anbieter Zero und die Textilketten Wöhrl und SinnLeffers. In der Branche geht die Angst um, dass weitere folgen könnten.

„Einige textile Einzelhändler hängen am seidenen Faden“, urteilt der Deutschland-Chef des Kreditversicherers Euler Hermes, Ron van het Hof. Auch BTE-Hauptgeschäftsführer Dax ist überzeugt, dass „ein Teil der Firmen unter gehörigem Druck steht“.

Das Problem mit einem schier endlosen Spätsommer und einem viel zu kurzen Herbst hat die Branche allerdings nicht zum ersten Mal. Schon in den vergangenen Jahren klafften Modeangebot und Außentemperaturen immer häufiger auseinander. Doch die Branche werde zunehmend aus Schaden klug, meint Dax. „Der Trend geht eindeutig dahin, dass Herbst- und Winterware später in die Läden kommen.“

Allerdings ist das launige Wetter nicht das einzige und vielleicht nicht einmal das größte Problem der Modehändler in den Innenstädten. Vor allem der Siegeszug des Online-Handels dünnt den Kundenstrom aus. Und wer doch noch kommt, kauft vor allem bei internationalen Ketten wie H&M, Zara oder Primark ein. Als wäre das nicht genug, wollen nun auch noch die beiden größten deutschen Discounter, Aldi und Lidl, ihr Mode-Standbein kräftigen. Schon heute gehören beide Ketten zu den Top Ten des deutschen Textilhandels. Doch das bisherige Geschäft mit Grabbeltischware reicht den Billiganbietern offenbar nicht mehr. Aldi Süd präsentierte in diesem Jahr schon zwei Modekollektionen, die von der Designerin Jette Joop entworfen wurden und sich an eine jüngere, markenbewusste Klientel wenden. Lidl bot eine neue Premium-Kollektion seiner Modelinie Esmara sogar zehn Tage lang werbewirksam auf Hamburgs edelster Einkaufsstraße, dem Neuen Wall, an. Die Zeiten werden also wohl nicht leichter für den Modehandel.

LN

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