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Wirtschaft im Norden Sexistische Werbung vor dem Aus
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Sexistische Werbung vor dem Aus
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21:14 11.04.2016
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Berlin

„Sex sells“ ist einer der ältesten Grundsätze der Werbebranche. Die Beispiele für nackte Haut als Hingucker sind ebenso zahlreich wie peinlich: Leicht bekleidete Frauen stehen sinnlos neben Baugerüsten, Autofelgen, Werkzeugen. Eine Brünette in Dessous wirbt für einen Tierfuttermarkt mit dem Satz „Hier gibt‘s Frischfleisch“. Solche sexistischen Motive will Bundesjustizminister Heiko Maas jetzt verbieten.

Doch der im „Spiegel“ bekanntgewordene Vorstoß zur Änderung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb stößt auf Kritik. Das liegt auch an seiner Begründung: Unter dem Eindruck der Kölner Silvesterübergriffe beschloss der SPD-Parteivorstand Mitte Januar Maßnahmen zur „gesellschaftlichen Modernisierung“. Dazu gehört die schon lange bestehende Forderung nach einem „Verbot geschlechterdiskriminierender Werbung“. Dafür kämpft vor allem die Initiative „Pinkstinks“. Deren Chefin Stevie Schmiedel will verhindern, dass „Frauen als Dekoration“ für Produktwerbung benutzt werden. „Nackte Haut ist per se nicht das Problem. Es gibt wunderschöne Werbung mit nackter Haut. Aber es prägt das Frauenbild, wenn weibliche Körperteile rein als Blickfang verwendet werden.“

Maas‘ Vorstoß aber trifft parteiübergreifend auf Unverständnis: „Die SPD scheint aus den Fehlern der Grünen nicht zu lernen. Die Bevölkerung möchte zu Recht möglichst wenig Vorschriften“, meint Berlins Justizsenator Thomas Heilmann (CDU), ein früherer Werber. Heilmann sagt der „Bild“: „Wir brauchen weder einen Veggieday noch Geschmacksvorschriften für Werbeplakate.“

Doch auch die Grünen lehnen den SPD-Vorschlag ab: „Ich wäre vorsichtig, den Tatbestand des Sexismus in der Werbung per Gesetz zu definieren und durchsetzen zu wollen“, sagte Dieter Janecek, wirtschaftspolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Stattdessen sollte der Werberat schärfer und sensibler handeln.“ Der Werberat ist das Organ für Selbstdisziplin des Zentralverbandes der Deutschen Werbewirtschaft (ZAW). Er geht Beschwerden nach, fordert Firmen zum Ändern ihrer Kampagnen auf und spricht als letztes Mittel eine öffentliche Rüge aus. Durchsetzungsmöglichkeiten hat er nicht. ZAW-Geschäftsführer Manfred Parteina nennt die Werbeverbot-Pläne einen „geplanten Missbrauch des Wettbewerbsrechts für Werbezensur. Die Bürger brauchen nicht den Staat, damit er ihnen Werbebilder vorsortiert und vorschreibt.“

Auch einen anderen Vorstoß lehnt der ZAW ab: Tabakwerbung soll ab 2020 auf Plakaten und im Kino untersagt sein. Das plant Verbraucherschutzminister Christian Schmidt (CSU). Werber und Tabaklobbyisten sprechen von einem verfassungswidrigen „Totalwerbeverbot“.

Von Jan Sternberg

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