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18:37 05.05.2018
So sieht das Starterset aus, das Perfood veschickt. In einer 14 Tage dauernden Testphase wird die Wirkung verschiedenster Lebensmittel analysiert.
Lübeck

Personalisierte Ernährung, so heißt das Konzept. Mit Hilfe einer dauerhaften Blutzuckermessung über 14 Tage, einem Ernährungstagebuch und der Analyse der Darmbakterien kann Perfood das Zusammenspiel von Ernährung und Stoffwechsel abbilden und daraus Empfehlungen ableiten. Denn jeder Körper reagiert unterschiedlich auf Nahrungsmittel. Im Jahr 2016 gab es dazu neue Studien. „Das hat mich sofort begeistert und auf die Idee gebracht, diese Unterschiede zu untersuchen“, sagt Christoph Twesten (34), Mediziner und Ernährungswissenschaftler aus Lübeck. Gemeinsam mit Dominik Burziwoda (35), Betriebswirtschafter aus Düsseldorf, und drei anderen Mitstreitern hat Twesten die Perfood GmbH gegründet. Im Oktober 2016 setzen sie sich erstmals zusammen, um über die Idee zu diskutieren – das war die Geburtsstunde der Firma. Twesten kümmert sich um medizinische Aspekte, Burziwoda um Finanzen, rechtliche Fragen und Personal. „Wir wollten aus der medizinischen und technischen Idee ein Produkt entwickeln“, sagt Burziwoda. Zurzeit hat Perfood elf Mitarbeiter und ist Mieter in den Dachräumen der Bäckerei Junge in der Hafenstraße.

Ihre Erfindung kann das Leben vieler Menschen gesünder machen. Die Gründer der Perfood GmbH haben eine Methode entwickelt, mit der sie die individuelle Wirkung von Nahrungsmitteln auf Menschen genau bestimmen können. Für diese Idee erhielten sie den LN-Existenzgründerpreis.

Und so funktioniert’s: Perfood liefert ein Testkit aus, darin enthalten sind der Sensor für die Blutzuckermessung am Oberarm, ein Lesegerät, Anleitungen für die Mahlzeiten, ein Maßband, eine Lebensmittelwaage und ein Behältnis für die Entnahme einer Stuhlprobe. „Sie ist wichtig, um die individuelle Zusammensetzung der Darmbakterien bestimmen zu können, und sollte am besten zu Beginn der 14-tägigen Messphase abgegeben werden“, erklärt Twesten. Mit Hilfe einer App auf dem Smartphone dokumentiert man dann alles, was man in den zwei Wochen isst, wann man Sport macht und schlafen geht.

Danach beginnt die Auswertung der Daten bei Perfood. Am Ende steht ein individueller Report, der „die Top- und Flop-Mahlzeiten“ beschreibt und viele Tipps gibt, womit man sich wann ernähren sollte – und was man lieber meiden sollte.

Zuerst hätten sie ihr Produkt an sich selbst getestet, erzählt Twesten. „Aus diesen Erfahrungen und später dem Feedback von Freunden und Bekannten haben wir viel gelernt. Daraus haben wir unsere erste App entwickelt.“ Im Herbst 2017 hatte Perfood schon eine dreistelligen Anzahl von Kunden. Spannend sei, dass man mit nur kleinen Änderungen der Essgewohnheiten einen großen Effekt auslösen könne, erzählt Burziwoda. „Dadurch, dass ich selbst meine Reaktion auf Lebensmittel getestet habe, habe ich mich in jeder Hinsicht verbessert, habe abgenommen und den Blutzuckerwert gesenkt. Das hat nicht mit Verzicht zu tun, sondern mit dem Wissen, was für einen selbst gut ist.“

Zurzeit können sich Interessenten auf der Webseite von Perfood vormerken lassen. In wenigen Wochen soll die offizielle App herauskommen, dann kann jeder das Produkt für 299 Euro bestellen. „Je mehr Menschen an dem Programm teilnehmen, desto besser können wir auch vorhersagen, wie man auf Lebensmittel reagiert, die gar nicht getestet wurden – aus einem Abgleich der Daten. Je mehr Daten wir haben, desto genauer können wir sie in bestimmte Typen einordnen, die ähnliche Reaktionen auf die gleichen Lebensmittel zeigen.“

Nach der Preisverleihung hatte Perfood mehrere Anfragen von interessierten Personen, aber auch von Krankenkassen und Unternehmen. „Eine Firma will unser Produkt in der betrieblichen Gesundheitsvorsorge einsetzen“, erzählt Burziwoda. Auch die Diabetes-Gesellschaft Schleswig-Holstein habe großes Interesse gezeigt. „Denn unser Verfahren hat ein großes Potenzial, um einer Diabetes Typ II durch bewusste Ernährung vorzubeugen“, sagt Twesten. „Wir wollen an einer Stelle eingreifen, wo man etwas für die Gesundheit tun kann.“ Zurzeit sei das Produkt für Menschen mit normalem Stoffwechsel gedacht, später wolle man es auch für Diabetiker anbieten.

Am Standort Lübeck haben sie alles, was sie brauchen. „Wir finden schnell Teammitglieder, haben engen Kontakt zur Uni und sind gut vernetzt in der FoodRegio“, sagt Burziwoda. Lübecker Unternehmen und Privatleute hätten das Start-up mitfinanziert. Die Firmengründer leben derzeit von einem staatlichen Förderstipendium.

„Am Kiosk gibt es tausend Zeitschriften mit ultimativen Ernährungstipps. Aber ein Konzept für alle – das funktioniert eben nicht. Wir verstehen uns als Guide, der die Menschen durch diesen Dschungel führt“, so Twesten. „Ziel ist es, dass Patienten irgendwann beim Arztbesuch unser personalisiertes Ernährungskonzept verschrieben bekommen“, fügt Burziwoda hinzu.

Von Christian Risch

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