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Wirtschaft im Norden Sie machen die Kanalschleusen flott
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21:16 07.09.2013
Florian Uterhardt (24) kontrolliert die Hydraulikanlage an der Kleinen Südschleuse. Er hat beim Wasser- und Schifffahrtsamt in Brunsbüttel gelernt — und ist nun zurückgekehrt. Quelle: Fotos: Dirk Hourticolon

Dass die neue Sondereinsatzgruppe am Kanal so schnell aktiv werden muss, hätte sie sich wohl nicht träumen lassen. Am Mittwoch waren in Brunsbüttel die beiden kleinen Schleusen ausgefallen — nur zwei Tage nach dem Dienstantritt von Matthias Dehaut. Der 41-Jährige hat seinen neuen Job eigentlich Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) zu verdanken. Denn der hatte bei einem Blitzbesuch im März die Einrichtung einer „Sondereinsatztruppe“ versprochen, die den Betrieb der über hundert Jahre alten Schleusenanlagen aufrechterhalten soll.

Elf zusätzliche Stellen wurden bereitgestellt.

„Jede Person unterstützt uns unwahrscheinlich“, sagt Bauhofleiter Carsten Theede. Noch vor einigen Jahren hätten etwa 20 Leute mehr im Bauhof gearbeitet. Und dazu seien die Anlagen immer älter geworden, die Schäden immer größer. „Seit zwei Jahren können wir nur reagieren.“ Bisher kümmerten sich rund 25 Mitarbeiter um die Schleusen — nun ist die Gruppe gewachsen. Vor allem Schlosser und Elektriker wurden zum Monatsanfang eingestellt. „Wenn wieder etwas Schlimmes passiert, können wir in Kiel und Brunsbüttel in zwei Schichten arbeiten“, sagt Thomas Fischer, Sprecher des Wasser- und Schifffahrtamtes (WSA). Im Frühjahr musste der Kanal tagelang für große Schiffe gesperrt werden, nachdem drei der vier Schleusen in Brunsbüttel ausgefallen waren.

Das Wort „Sondereinsatzgruppe“ hören sie in Brunsbüttel allerdings nicht so gern. Die neuen Kollegen haben schließlich keine Sonderposition, sondern werden in den normalen Dienst integriert. „Wir sind dabei, das Personal einzuarbeiten“, erklärt Theede. Die Anlagen seien sehr komplex. Tatsächlich erstrecken sich die Schleusenanlagen, zwei große Kammern und zwei kleinere Kammern, auf rund 125 000 Quadratmeter Fläche. „Das ist schon eine Herausforderung“, meint Henning Hanßen (49), Vorhandwerker für die Elektriker. Ein Jahr dauert es ungefähr, bis man alle Anlagenteile kenne, schätzt er. „Man muss schon weite Wege zurücklegen, im Moment falle ich abends todmüde ins Bett“, erzählt Dehaut. Er kommt von einer Druckerei und findet seine neue Arbeit am Kanal „sehr interessant“. Als Elektroniker muss er von der Glühlampe bis zur Steuerung alles wechseln können. „Aus Alt wird hier viel Neues“, sagt Dehaut.

Sein Kollege Florian Uterhardt (24) hat schon beim WSA gelernt. Jetzt ist er zurückgekehrt. „Die Arbeit ist abwechslungsreich, jeden Tag passiert etwas anderes.“ Da fallen dann — wie in dieser Woche — schon mal zugleich die Antriebszylinder für die Tore der beiden Kleinen Schleusenkammern aus. Uterhardt schockt das nicht: „Hier braucht man keine Angst zu haben, dass es zu wenig Arbeit gibt“, sagt er und wirft einen kritischen Blick auf die Hydraulikanlage der kleinen Südkammer.

Die kleinen Schleusen stammen aus dem Jahr 1895, der Entstehungszeit des Kanals. 1914 wurden Kiel und Brunsbüttel um jeweils zwei zusätzliche, größere Schleusenkammern erweitert, die mit Schiebetoren verschlossen werden. „Die Technik ist teils auf dem Stand von Kaiser Wilhelm“, sagt der WSA-Sprecher und zeigt die alten Zahnräder, die die Klappen antreiben, die den Wasserstand in der Schleusenkammer ausgleichen. Derzeit kann nur das Dringendste angepackt werden.

Aktuell werden die Schienen am Grund der Großen Südkammer erneuert, ab Ende September ist die Nordkammer wegen Sanierungsarbeiten gesperrt. Zu Beginn des neuen Jahres soll der Betrieb der Schleusen wieder stabil laufen.

Knapp 100 Meter lang
Der Nord-Ostsee-Kanal verbindet die Elbe bei Brunsbüttel mit der Kieler Förde. Seine Gesamtlänge beträgt knapp 100 Kilometer. In Brunsbüttel und Kiel stehen Schiffen normalerweise jeweils vier Schleusen zur Verfügung. Die großen sind 42 Meter breit und 310 Meter lang. In Brunsbüttel soll eine fünfte Schleusenkammer gebaut werden, die 20 Meter länger sein soll.


Verantwortlich für den Kanal ist die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes.

Julia Paulat

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