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Lübeck Sie sorgen für Sauerstoff im Notfall

B/E Aerospace Systems baut in Lübeck die Rettungsmasken für Flugzeug-Hersteller wie Airbus.

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Vieles ist bei B/E Aerospace Handarbeit: Jurita Cornelius (58) schraubt zwei Generatoren fest, die Sauerstoff erzeugen können.

Lübeck. Konzentriert schraubt Jurita Cornelius zwei silberfarbene Generatoren an einer kleinen Box fest. Sie sind gefüllt mit einem Chemikalien-Gemisch, aus dem beim Verbrennen natürlicher Sauerstoff entsteht. Dieser wird benötigt, wenn es in Flugzeugen zu einem Druckverlust kommt. Automatisch fallen dann gelbe Sauerstoffmasken aus der Kabinendecke, die sich die Passagiere fest auf Mund und Nase drücken sollen.

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B/E Aerospace Systems baut in Lübeck die Rettungsmasken für Flugzeug-Hersteller wie Airbus.

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Entwickelt und hergestellt wird diese Technik zum Großteil in Lübeck, in zwei Hallen auf dem Dräger-Gelände an der Revalstraße. Dort sitzt das Unternehmen B/E Aerospace Systems, das früher selbst zum Dräger-Konzern gehörte. Seit zehn Jahren sind die SauerstoffSpezialisten Teil der US-Gruppe B/E und auf Erfolgskurs. Eigenen Angaben zufolge decken sie etwa 85 Prozent des Marktes im Bereich Sauerstoffversorgung für Flugzeuge ab. Zu ihren Kunden zählen unter anderem die großen Hersteller Boeing und Airbus, aber auch das Militär.

B/E Aerospace produziert nicht nur verschiedene Sauerstoffsysteme, sondern repariert sie auch für die Fluggesellschaften. „Die Sauerstoffboxen haben eine Lebenszeit von 15 Jahren, danach müssen sie gewartet und die Generatoren ausgetauscht werden“, erklärt Patrik Baumstark, der das Unternehmen seit Jahresbeginn führt.

Das Geschäft boomt. 2016 peilen die Lübecker einen Umsatz von 105 Millionen Euro an, der gesamte Konzern macht mehr als drei Milliarden Umsatz. Für die kommenden Jahre rechnet Baumstark mit zweistelligen Wachstumsraten. Denn die Entwicklung des Marktes sei äußerst positiv. „In den kommenden fünf bis zehn Jahren soll sich das Luftfahrtaufkommen verdoppeln“, sagt er. „Das ist für uns eine komfortable Ausgangsposition.“ Rund 7000 Flugzeuge habe zum Beispiel Airbus schon jetzt im Bestand, täglich kämen allein vom Typ A320 zwei bis drei neue hinzu. „Das Schöne für uns ist, dass wir sie alle beliefern“, sagt er. „Es gibt also immer eine Menge zu tun.“

Aus diesem Grund will Baumstark das Unternehmen jetzt fit für die Zukunft machen, der Standort in Lübeck stehe aber nicht in Frage. „Wir haben hier die beste Ausgangsposition, denn der Weg zu Airbus nach Hamburg ist kurz“, sagt Baumstark. Die Produktionsabläufe sollen allerdings moderner und effizienter werden. Für den A350 wurden sie vor drei Wochen umgestaltet. „Wir haben unsere Produktionszeit dadurch um bis zu 50 Prozent reduziert“, sagt er. Auf Displays wird den Mitarbeitern nun detailliert erklärt, was bei jedem Produktionsschritt zu tun ist, Materialien liegen griffbereit in den Regalen.

In einem Klimaraum nebenan wird die Chemie für die Generatoren angerührt und zu einem Kern gepresst. Die Mitarbeiter dort müssen Schutzanzüge und Masken tragen, da die Gemische sehr schmutz- und feuchtigkeitsempfindlich seien, erklärt Baumstark. „Es darf kein Plastik hineinkommen, denn dann erfolgt das Abbrennen nicht mehr kontrolliert.“

Rund 80 Prozent der Montage ist bei B/E Aerospace Handarbeit, und daran soll sich auch nichts ändern. Etwa 390 Mitarbeiter sind am Standort in Lübeck im Einsatz, darunter 60 Ingenieure für die Produktentwicklung. Denn hinter vielem stecken aufwendige Berechnungen, zum Beispiel bei den Sauerstoffsystemen für die Passagiere. „Wenn es in 12000 Meter Höhe einen Druckverlust gibt, leitet der Pilot sofort einen Sinkflug ein“, erklärt Patrik Baumstark. „Der Sauerstoff muss reichen, bis das Flugzeug auf 1000 bis 1200 Meter abgesackt ist.“ Im Normalfall dauere das 15 bis 22

Minuten. Anders sieht die Situation bei Langstreckenfliegern aus, die in Richtung Asien oder Australien unterwegs sind. „Dort müssen die Generatoren viel länger halten, meist so 47 Minuten“, sagt er. „Denn die Flugzeuge überqueren den Himalaya. Wenn ein Sinkflug nötig wird, müssen sie erst mal aus dem Gebirge herauskommen.“

Jubiläum im Sommer

1996 wurde die Luftfahrtsparte als Dräger Aerospace GmbH aus der Drägerwerk AG ausgegliedert. 2003 verkaufte der Lübecker Konzern das Unternehmen an die britische Cobham-Gruppe. Kurz danach verloren 40 der damals 190 Mitarbeiter ihren Job.

Im Juli 2006 stieg die US-Gruppe B/E aus Kansas City ein. Weitere Standorte für die Sauerstoff-Produkte sind — neben Lübeck — Madrid, Seattle und Kansas City. Sie machen zusammen einen Umsatz von rund 300 Millionen Euro.

Von Janina Dietrich

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