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Single-Börsen immer beliebter

München Single-Börsen immer beliebter

Zwölf Millionen Menschen gehen laut Schätzungen regelmäßig im Internet auf Partnersuche, das zieht immer wieder neue Anbieter an. Doch der Markt ist umkämpft, deshalb müssen sich die Unternehmen einiges einfallen lassen.

Partnersuche auf dem heimischen Sofa – Singlebörsen im Internet machen es möglich.

Quelle: dpa

München. Jung, attraktiv, sportlich schlank: Fotos von schönen Menschen beherrschen die Websites und die TV-Werbung der großen Online-Singlebörsen. Auch wer sich dort auf die Suche nach dem neuen Liebesglück macht, setzt meist auf die Macht der Bilder und nutzt gelungene Fotos zur Selbstvermarktung. Hat die traditionelle Kontaktanzeige mit wenigen Textzeilen und ohne Bild in diesen Zeiten überhaupt noch eine Chance? Und wer nutzt sie noch?

So genau kann man den Markt und die Zielgruppen bei der Partnersuche gar nicht abgrenzen, sagt Alexandra Langbein vom Vergleichsportal singleboersen-vergleich.de. Die bekannte Plattform Lovescout24 etwa gilt als Kontaktanzeigen-Portal, auch wenn die Nutzer dort Fotos von sich hochladen. Singles, die länger auf der Suche nach einem Partner sind, melden sich häufig bei mehreren Online-Börsen an und versuchen es zusätzlich über Kontaktanzeigen in Tageszeitungen, Online-Medien oder Anzeigenblättern.

Bei der Wochenzeitung „Die Zeit“ etwa sind es mehr Frauen als Männer, die mit Inseraten nach einem geeigneten Partner Ausschau halten. 2017 wurden 2365 Kontaktanzeigen im „Zeit-Magazin“

geschaltet. Die Gesamtzahl der Anzeigen schwankt laut einer Sprecherin trotz wachsender digitaler Konkurrenz nur leicht. Vor zehn Jahren waren es mit 2345 nur 20 Annoncen weniger. Als typische Zielgruppe für die klassische Kontaktanzeige mit einigen Zeilen Text gilt eigentlich die Altersgruppe 50 plus. Aber auch jüngere Flirtwillige brauchen für das erste Kennenlernen nicht unbedingt Fotos, sagt Marina Tomacelli vom Münchner Start-up liebertext.de. Über die gleichnamige App können die Nutzer selbst geschriebene Inserate einstellen und erste Bande zur potenziellen neuen Liebe knüpfen. Die wenigen Zeilen sagten meist mehr über die Autoren aus als ein hübsches Bild, ist Tomacelli überzeugt. Der Einstieg ist für die Singles erst einmal kostenlos, für weitere Funktionen prüfen die Gründer derzeit Bezahlmodelle.

2500 in Deutschland nutzbare Single-Börsen gibt es derzeit. Nach einem Boom in den Jahren 2003 bis 2011 und einer Phase stagnierender Umsätze ist die Branche mittlerweile wieder auf Wachstumskurs. 2015 kamen die Online-Börsen nach Erhebungen von singleboersen-vergleich.de zusammen auf Erlöse von 200 Millionen Euro. Neuere Zahlen liegen nicht vor, doch dürfte es auch in den vergangenen beiden Jahren jeweils ein kleines Plus gegeben haben, sagt Expertin Langbein. Das Vergleichsportal finanziert sich über Provisionen, wenn Nutzer sich darüber auf ein Dating-Portal weiterleiten lassen und eine Mitgliedschaft abschließen.

Letzte größere Neuzugänge auf dem Markt waren Zweisam.de für Singles über 50 Jahren und das Start-up Lemonswan, das beispielsweise für Alleinerziehende und Azubis kostenlos ist.

Aber die Branche kämpft auch mit Negativ-Schlagzeilen, etwa über eigens bezahlte Mitarbeiter, die flirtwillige Singles bei Laune halten. So hat die Verbraucherzentrale Bayern kürzlich 187 Online-Dating-Portale identifiziert, die solche Methoden anwenden – und darauf nur im Kleingedruckten verweisen. „Man muss bei der Auswahl eines Anbieters leider sehr aufmerksam sein“, sagt Tatjana Halm von der Verbraucherzentrale Bayern.

 Von Christine Schultze und Aleksandra Bakmaz

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