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Wirtschaft im Norden Sonnenschutzcreme aus dem Meer
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11:49 25.09.2016
Inez Linke, Geschäftsführerin der Kieler Firma Oceanbasis, mit den Chladophora-Algen, aus denen Linke mit Kieler Forschern eine Sonnenschutzcreme entwickeln will. Quelle: Fotos: Dirk Silz (4), Petra Dreu (1)
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Kiel

Von der Hafenseite sieht die Oceanbasis GmbH in Kiel wie ein nettes Öko-Lädchen aus. 16 Menschen arbeiten dort. Sie produzieren und verkaufen Produkte aus Meeres-Algen – in erster Linie Naturkosmetik und Wellnessprodukte. Oder arbeiten im Labor.

 

Unter dem Markennamen Oceanwell werden Körperpflegeprodukte auf Algenbasis aus Kiel inzwischen in die ganze Welt verkauft.
Die wirt- schaftlichen Erfolgsaussichten sind sehr gut. Naturkosmetik hat sich von einer Nische zu einem echten Wachstumsmotor mit zweistelligen Wachstumsraten entwickelt.“ Staatssekretärin Ingrid Nestlé vom Kieler Umweltministerium
Unter dem Markennamen Oceanwell werden Körperpflegeprodukte auf Algenbasis aus Kiel inzwischen in die ganze Welt verkauft.

Die neueste Entwicklung: „Eine Sonnencreme auf Algenbasis“, informiert Geschäftsführerin Inez Linke. Ein Projekt mit „sehr guten wirtschaftlichen Erfolgsaussichten“, wie Staatssekretärin Ingrid Nestle vom Kieler Umweltministerium lobt, die jüngst einen Förderbescheid übergab.

Meeresbiologin Inez Linke gehörte 2001 zu den Gründern der kleinen Firma für Algenprodukte. Diese nutzt, auf einem ehemaligen Marine-Gelände unweit vom Laden, die einzige Offshore-Algenfarm Deutschlands. Linke: „Da züchten wir auf einem Hektar Zuckertang, aus dem wir ein Extrakt auf Alkoholbasis herstellen, das die Grundlage für unsere Kosmetikprodukte ist.“

Der Zuckertang (Saccharina latissima) enthält wertvolle Meeresmineralien, Vitamine und Zucker wie Agar-Agar, der von Vegetariern gerne als Geliermittel verwendet wird. „Der Tang fühlt sich glitschig an, klebrig“, demonstriert Zinke. Sie hält eins der fast einen Meter langen, braunen Algenblätter in der Hand. „Das ist der Algenzucker, der die Pflanze vor dem Austrocknen schützt.“ Nicht nur für die Kosmetik eine wertvolle Eigenschaft, auch medizinisch hat der Tang eine heilsame Wirkung. So bei Gelenkrheumatismus, Atemwegs-, aber auch Hauterkrankungen – wie Neurodermitis oder Schuppenflechte. Der Salzgehalt der Meeresprodukte spielt dabei eine Rolle. Linke: „Wir haben klinische Studien durchgeführt, mit dem Ergebnis, dass wir therapiebegleitende Produkte empfehlen dürfen.“

Auch mit Quallen haben die Meeresbiologen experimentiert. „Daraus gewinnen wir Kollagen“, so Linke. „Anfangs haben wir dafür Quallen aus der Ostsee gefischt, aber der Kollagengehalt ist zu unterschiedlich gewesen.“ Jetzt bezieht die Firma getrocknete Wurzelmund-Quallen aus China. „Die findet man dort auch als Nahrungsmittel.“ Oceanbasis stellt aus den Glibbertieren neuerdings Anti-Faltencremes her.

Auch mit Seesternen hat die Firma schon experimentiert – sie sind in der Lage, ihre Zacken nachwachsen zu lassen. Inez Linke denkt an heilende Wundcremes, die den Wachstumsprozess der Haut anregen – noch Zukunftsmusik.

Die Sonnencreme aber ist das neueste, erfolgversprechende Forschungsprojekt. „Alle herkömmlichen Sonnenschutzcremes enthalten Chemikalien, Titandioxid oder Zinkoxid. Schlecht für die Meeresumwelt – außerdem bleiben weiße Rückstände auf der Haut oder die Creme ist klebrig.“

Viele Meeresalgen dagegen, die sich oft an Hafenspundwänden entwickeln, enthalten einen natürlichen UV-Schutz. „Sie leben an Stellen, die manchmal trockenfallen und der Sonnenstrahlung ausgesetzt sind“, erklärt Linke. Die Sonnenschutz-Alge „Cladophora“ wird derzeit in Zusammenarbeit mit dem Botanischen Institut der Kieler Universität getestet. Ein Thema: Die Zucht von Chlodophora-Algen in einer Farm.

Denn einfach aus dem Meer pflücken wollen die Hersteller die grünen, moosartigen Gewächse ebenso wenig wie die Zuckeralge. „Man muss sich das Meer vorstellen wie einen Unterwasser-Regenwald“, erläutert Linke. „Und den wollen wir auf keinen Fall zerstören, sondern als wertvollen Rohstofflieferanten für die Zukunft erhalten.“

Großkunden in der ganzen Welt

Die Entwicklung der neuartigen Sonnenschutzcreme fördert das Land mit mehr als 600000 Euro.

Die Oceanbasis GmbH produziert Hand- und Gesichtscremes, Körperlotion, Körperöl, Duschgel und Gesichtswasser auf Algenbasis, außerdem therapiebegleitende Hautpflegemittel. Auch ein Algen-Tee und andere essbare Produkte hat das Unternehmen im Angebot.

250 Großkunden weltweit hat die Kieler Firma, die eng mit der Universität zusammenarbeitet, inzwischen gefunden.

 Marcus Stöcklin

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