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Wirtschaft im Norden Sonntags shoppen: Viele Geschäftsleute sind skeptisch
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Sonntags shoppen: Viele Geschäftsleute sind skeptisch
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20:10 24.06.2017
Tanja Behr (45), Filialleiterin des Schuhhauses Salamander in Lübeck, würde bei mehr verkaufsoffenen Sonntagen mitmachen. Quelle: Fotos: Felix König
Lübeck

Die Jamaika-Koalition in Kiel will die Sonntagsöffnungszeiten erneut auf den Prüfstand stellen. Es geht dabei um eine Liberalisierung der Gesetzeslage. Doch nicht alle Geschäftsleute und Kunden sind begeistert von der Idee.

„Urlauber erwarten, dass wir auf haben.Christina Klaus (60) Matzen-Filalleiterin
„Die armen Angestellten. Melanie Krause (33) Rechtsanwaltsgehilfin

„Wir machen nicht mit“, stellt Andreas Groth (75), Inhaber des „Papierhauses Groth“ in der Lübecker Innenstadt, kategorisch fest. „Dies aus einem christlichen Standpunkt heraus. Am siebten Tage sollst du ruhen, sagt die Bibel“, zitiert Groth. Er hat sieben Mitarbeiter, einige davon Halbtagskräfte, die müssten auch mal frei haben. „Der Umsatz am Wochenende ist auch nicht doll“, ergänzt sein Sohn Michael Groth (42). „Außer in der Adventszeit.“

Bettina Ernst vom Spielzeugladen „Kinderkram“ sieht es ähnlich. „Die bisherigen verkaufsoffenen Sonntage reichen.“ Meik Matthes (53), Geschäftsführer von Wellensteyn in der Fußgängerzone, verkauft Jacken. „Im Herbst und Winter macht es für uns Sinn, sonntags zu öffnen. Aber nicht im Sommer.“ Die Personal- und Energiekosten seien zu hoch. „Es lohnt sich nicht.“ An mehr als vier Sonntagen im Jahr den Laden aufschließen? „Wenn es käme, müssten wir auch mitmachen“, meint Tanja Behr (45), Filialleiterin des Schuhhauses Salamander in der Breiten Straße. Gut fände sie das aber nicht.

Auch bei den Lübecker Kunden ist das Echo verhalten. „Ich bin Rentnerin, ich kann jeden Tag einkaufen“, sagt Anni Hinze. „Für junge Mütter, die werktags keine Zeit haben, mag es schön sein, sonntags einzukaufen. Aber mir ist es egal“, ergänzt die 71-Jährige. Eine junge Frau erklärt, sie und ihr Mann arbeiteten im Schichtdienst. „Sonntags öfter einkaufen zu können, das wäre großartig.“ Mit ihrem Namen will sie zu dieser Meinung aber nicht stehen.

Frank Grabowski (51), Tourist aus Sachsen-Anhalt, tun die Angestellten leid. „Wer will denn so lange arbeiten? Das ist doch nicht nötig.“ Er schüttelt den Kopf. „Ich find’s nicht gut.“ So sieht es auch Melanie Krause (33), junge Mutter und Rechtsanwaltsgehilfin. „Die armen Angestellten. Die fragt bestimmt keiner, ob sie arbeiten wollen. Eine ganz schreckliche Idee.“

In Travemünde, wo Anwohner und Urlauber sich aufgrund der Bäderregelung an eine viel großzügigere Sonntagsöffnung gewöhnt haben, sind viele aufgeschlossener. „Wir würden erweiterte Öffnungszeiten begrüßen und hätten gerne das ganze Jahr durchgehend auf“, sagt Filialleiterin Christina Klaus (60) von Matzen nach Rücksprache mit ihrem Chef. Viele Angestellte, gerade Frauen, seien froh, wenn sie sonntags als Verkäuferin etwas dazuverdienen könnten. „Weil die Männer dann Zeit haben, auf die Kinder aufzupassen“, sagt die Filialleiterin. Im Internet könnten die Leute ja auch 24 Stunden lang einkaufen. „Je öfter wir öffnen können, desto besser können wir dagegen halten.“ Nach Travemünde kämen durch neue Hotel- und Ferienwohnungsprojekte zunehmend mehr Urlauber, von denen viele jeden Tag shoppen wollten. „Die erwarten, dass wir geöffnet haben.“

Dieser Meinung ist auch Rolf Tippner (65), Tourist aus Gummersbach. „In Holland ist es normal, dass alle sonntags auf haben. Ich halte es für einen Anachronismus, prinzipiell dagegen zu sein.“ Für einen Urlaubsort seien sonntags geöffnete Läden „geradezu existenziell notwendig“.

Marcus Stöcklin

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