Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Wirtschaft im Norden Spargel verliert seinen Luxusstatus
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Spargel verliert seinen Luxusstatus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:17 14.05.2016

Spargelfans müssen diese Saison wieder tiefer in die Tasche greifen. Die Verbraucherpreise für das Edelgemüse könnten diesmal ein neues Zehnjahreshoch erreichen.

„Der Spargel wird demokratisiert, obwohl er noch ein teures Produkt bleibt.“Claudia Neu, Soziologin

Zum Pfingstwochenende purzelten die Preise endlich merklich, wenn auch auf hohem Niveau. „Es spricht aber vieles dafür, dass 2016 am Ende der Saison für neue Höchstpreise steht“, sagt Michael Koch, Marktexperte bei der Bonner Agrarmarkt Informations-Gesellschaft, die Spargelpreise beobachtet. Nach einer Preisspitze im Jahr 2013 – mit im Schnitt 6,24 Euro pro Kilogramm weißem deutschen Spargel – habe 2015 neue Höchstpreise gebracht: „Die Verbraucher mussten 2015 durchschnittlich 6,70 Euro pro Kilo bezahlen“, sagt er. Im Schnitt der vergangenen zehn Jahre habe das Kilo die Kunden 5,75 Euro gekostet. Anfang Mai dieses Jahres standen 8,18 Euro in den Statistiken. Vor einem Jahr waren das in der vergleichbaren Woche mit 7,44 Euro klar weniger. „Die Zeichen verdichten sich, dass es diesmal teuer wird“, so Koch.

Spätestens seit Himmelfahrt mit Wärme und Sonnenschein quer durch die Republik sprießt der Spargel allerorten – und mehr Menge drückt die Preise. Mit gut drei Vierteln Marktanteil (76 Prozent) kratzte Deutschland bereits Ende April bei weißem Spargel am Durchschnittswert für die Saison 2015, in der der Importanteil nur noch bei rund einem Fünftel gelegen hatte. Denn bei wachsendem Spargelhunger bekommen die Deutschen immer mehr heimische Ware auf ihre Teller. Der Selbstversorgungsgrad liege beim Rekordwert 84 Prozent, erklärt Jochen Winkhoff aus der Bundesfachgruppe Gemüsebau.

Über die ganze Gemüsepalette hinweg sei Deutschland nur zu 38 Prozent Selbstversorger. Bei den Spargel-Importen führe Spanien vor Griechenland, den Niederlanden sowie Italien und Polen. Auch der Verbrauch pro Kopf steige stetig; zuletzt auf 1,26 Kilogramm.

Laut Statistischem Bundesamt hat sich die Anbaufläche für deutschen Spargel seit dem Jahr 2000 verdoppelt, die Menge legte noch stärker zu. Zum Vergleich: Während beim Spargel auf eine importierte Stange fünf heimische kommen, stammt bei den Erdbeeren noch jede dritte aus dem Ausland. Bio-Spargel hat es schwer: Mit fünf Prozent der gesamten Spargelfläche fristet die Öko-Variante ein Nischendasein. Der nötige Preisaufschlag ist schwer durchsetzbar. Die Verbraucher kaufen laut AMI-Beobachtung nur rund ein Viertel der Menge beim Discounter, beim Gemüse insgesamt ist es etwa die Hälfte. 22 Prozent des Edelgemüses holen die Kunden im Direktverkauf beim Bauern, 16 Prozent vom Wochenmarkt. „Mit dem Spargel verbunden ist ein ausgeprägter Luxusgedanke: Er war schon elitär und exklusiv, als es noch gar keine Supermärkte gab“, sagt die Ernährungssoziologin Claudia Neu. „Regio toppt Bio, das gilt beim Spargel erst recht“, sagt sie. Spargel verliere aber seinen Nimbus als Essen der feinen Leute. „Der Spargel wird demokratisiert, obwohl er immer noch ein teures Produkt bleibt“, erklärt die Soziologin.

Heiko Lossie

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Frank Meyer Das einzige, was in dieser Woche nach oben schießen wollte, war der Spargel und sein Preis. Er klettert auf ein frisches Zehnjahreshoch, die Stangen kosten noch mehr als vergangenes Jahr. - Inflation schmerzlichst vermisst?

Das einzige, was in dieser Woche nach oben schießen wollte, war der Spargel und sein Preis. Er klettert auf ein frisches Zehnjahreshoch, die Stangen kosten noch mehr als vergangenes Jahr.

14.05.2016

Umwelthilfe legt bei ihrer Abgas-Kritik nach – Hersteller weist Vorwurf zurück.

13.05.2016

Die Wirtschaft ist gut ins Jahr gestartet – trotz aller Krisen. Der milde Winter hat dabei geholfen. Wie lange der Boom anhält, ist unklar.

13.05.2016
Anzeige