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Spargel verliert seinen Luxusstatus

Hannover Spargel verliert seinen Luxusstatus

Immer mehr Anbauflächen in Deutschland – auch Erntemenge und Verbrauch pro Kopf steigen.

Hannover. Spargelfans müssen diese Saison wieder tiefer in die Tasche greifen. Die Verbraucherpreise für das Edelgemüse könnten diesmal ein neues Zehnjahreshoch erreichen.

„Der Spargel wird demokratisiert, obwohl er noch ein teures Produkt bleibt.“ Claudia Neu, Soziologin

Zum Pfingstwochenende purzelten die Preise endlich merklich, wenn auch auf hohem Niveau. „Es spricht aber vieles dafür, dass 2016 am Ende der Saison für neue Höchstpreise steht“, sagt Michael Koch, Marktexperte bei der Bonner Agrarmarkt Informations-Gesellschaft, die Spargelpreise beobachtet. Nach einer Preisspitze im Jahr 2013 – mit im Schnitt 6,24 Euro pro Kilogramm weißem deutschen Spargel – habe 2015 neue Höchstpreise gebracht: „Die Verbraucher mussten 2015 durchschnittlich 6,70 Euro pro Kilo bezahlen“, sagt er. Im Schnitt der vergangenen zehn Jahre habe das Kilo die Kunden 5,75 Euro gekostet. Anfang Mai dieses Jahres standen 8,18 Euro in den Statistiken. Vor einem Jahr waren das in der vergleichbaren Woche mit 7,44 Euro klar weniger. „Die Zeichen verdichten sich, dass es diesmal teuer wird“, so Koch.

Spätestens seit Himmelfahrt mit Wärme und Sonnenschein quer durch die Republik sprießt der Spargel allerorten – und mehr Menge drückt die Preise. Mit gut drei Vierteln Marktanteil (76 Prozent) kratzte Deutschland bereits Ende April bei weißem Spargel am Durchschnittswert für die Saison 2015, in der der Importanteil nur noch bei rund einem Fünftel gelegen hatte. Denn bei wachsendem Spargelhunger bekommen die Deutschen immer mehr heimische Ware auf ihre Teller. Der Selbstversorgungsgrad liege beim Rekordwert 84 Prozent, erklärt Jochen Winkhoff aus der Bundesfachgruppe Gemüsebau.

Über die ganze Gemüsepalette hinweg sei Deutschland nur zu 38 Prozent Selbstversorger. Bei den Spargel-Importen führe Spanien vor Griechenland, den Niederlanden sowie Italien und Polen. Auch der Verbrauch pro Kopf steige stetig; zuletzt auf 1,26 Kilogramm.

Laut Statistischem Bundesamt hat sich die Anbaufläche für deutschen Spargel seit dem Jahr 2000 verdoppelt, die Menge legte noch stärker zu. Zum Vergleich: Während beim Spargel auf eine importierte Stange fünf heimische kommen, stammt bei den Erdbeeren noch jede dritte aus dem Ausland. Bio-Spargel hat es schwer: Mit fünf Prozent der gesamten Spargelfläche fristet die Öko-Variante ein Nischendasein. Der nötige Preisaufschlag ist schwer durchsetzbar. Die Verbraucher kaufen laut AMI-Beobachtung nur rund ein Viertel der Menge beim Discounter, beim Gemüse insgesamt ist es etwa die Hälfte. 22 Prozent des Edelgemüses holen die Kunden im Direktverkauf beim Bauern, 16 Prozent vom Wochenmarkt. „Mit dem Spargel verbunden ist ein ausgeprägter Luxusgedanke: Er war schon elitär und exklusiv, als es noch gar keine Supermärkte gab“, sagt die Ernährungssoziologin Claudia Neu. „Regio toppt Bio, das gilt beim Spargel erst recht“, sagt sie. Spargel verliere aber seinen Nimbus als Essen der feinen Leute. „Der Spargel wird demokratisiert, obwohl er immer noch ein teures Produkt bleibt“, erklärt die Soziologin.

Heiko Lossie

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