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Sportwetten: Gefahr für Migranten

Kiel Sportwetten: Gefahr für Migranten

Die Hoffnung auf einen großen Gewinn macht Flüchtlinge anfällig, sagen Experten.

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Björn Malchow, Soziologe.

Kiel. Wie viele Gelbe Karten verteilt der Schiedsrichter? Welcher Spieler schießt das erste Tor? Wie endet die Partie? Sportwetten verleiten Flüchtlinge nach Einschätzung von Suchtexperten verstärkt dazu, ihr knappes Geld zu verspielen. Die Bundesländer Niedersachsen, Hessen und Thüringen warnen deshalb jetzt mit einem Video auf Deutsch, Türkisch und Arabisch vor den Gefahren des Glücksspiels. In dem 90-Sekunden-Clip wird gezeigt, welche dramatischen Folgen der Einstieg ins Wettgeschäft haben kann. Nach Beobachtung der Glücksspielexpertin Martina Kuhnt bewegen chronischer Geldmangel sowie die Hoffnung auf einen großen Gewinn in Kombination mit vermeintlichem Expertenwissen in Sportfragen die Flüchtlinge zu Sportwetten. Außerdem böten die Wetthallen eine Aufenthaltsmöglichkeit, oft auch mit Essen und Trinken.

Flüchtlinge seien zum Teil durch Kriegs- und Fluchterfahrungen traumatisiert – und allein das erhöhe schon die Wahrscheinlichkeit für eine Suchterkrankung, sagt Diplom-Psychologe Patrick Sperber von der Landesstelle für Suchtfragen Schleswig-Holstein. „Die allermeisten Flüchtlinge dürften auf absehbare Zeit in wirtschaftlich prekären Umständen leben, was eine weitere Erhöhung der Wahrscheinlichkeit einer Suchtentwicklung mit sich bringt“, sagt Sperber. „Glücksspiele bieten durch die Gewinnmöglichkeit scheinbar einen Ausweg aus den schwierigen wirtschaftlichen Umständen.“

Für die Suchtberatungsstellen sei es schwierig, an die Flüchtlinge heranzukommen. „Sie wissen oft gar nichts von unseren gut ausgebildeten Hilfesystemen, und dass sie diese straffrei nutzen können“, sagt der Soziologe Björn Malchow. Auch die Sprache sei eine Barriere, es fehlten Informationsflyer in verschiedenen Sprachen. „Wir haben ganz wenig Aufklärungsmaterial.“

Laut der Landesstelle für Suchtfragen machten Migranten 2013 knapp ein Viertel ihrer Klienten mit Glücksspielproblemen aus – seit 2008 hat sich der Anteil mehr als verdreifacht. Neuere Vergleichsdaten gibt es nicht. Allgemein gelten 3,4 Prozent der Menschen mit Migrationshintergrund als süchtig. „Die tatsächliche Zahl wird aufgrund der hohen Dunkelziffer wohl wesentlich höher sein“, sagt Malchow. Zum Vergleich: Bei der übrigen Bevölkerung liegt der Anteil der Glücksspiel-Süchtigen nur bei etwa einem Prozent.

„Während dort der Alkohol das größte Problem darstellt, ist es bei Migranten eindeutig das Glücksspiel“, sagt Malchow. Das habe kulturelle Gründe. „Glücksspiel hat im arabischen Raum einen ganz anderen Stellenwert als bei uns“, sagt er. „Wir beobachten die Entwicklung mit Sorge. Da kommen einige Probleme auf uns zu, auf die wir uns einstellen müssen.“

jd

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