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Sprechstunde am heimischen Computer

Lübeck Sprechstunde am heimischen Computer

Die Firma Patientus verbindet Ärzte und Patienten auf einer Internetplattform. Mit dieser Idee siegte ein Trio beim LN-Gründerpreis.

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Lübeck. Mit seinem Kardiologen die Ergebnisse des EKG besprechen oder den Dermatologen einen Blick auf das Muttermal an der Hand werfen lassen — dafür müssen Patienten nicht mehr unbedingt zu ihrem Arzt fahren und sich ins Wartezimmer setzen. Sie können das auch von zu Hause am Computer erledigen oder auf einer Geschäftsreise den Laptop aufklappen. Die Online-Video-Sprechstunde der Lübecker Firma Patientus macht‘s möglich. Patienten können sofort — und ohne zusätzliche Programme auf ihrem Computer zu installieren — mit einer Webcam eine Videokonferenz mit dem Arzt ihrer Wahl starten. Jonathan von Gratkowski (31), Christo Stoyanov (33) und Nicolas Schulwitz (32) haben dafür den LNExistenzgründerpreis gewonnen.

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Die Firma Patientus verbindet Ärzte und Patienten auf einer Internetplattform. Mit dieser Idee siegte ein Trio beim LN-Gründerpreis.

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„Ich hatte von Professor Dr. Georg Griesinger vom Kinderwunschzentrum Lübeck gehört, dass er Anfragen aus ganz Deutschland bekommt. Dadurch kam ich auf die Idee, diese Menschen online mit ihm in Verbindung zu bringen“, erzählt Jonathan von Gratkowski. Nicht nur beim Kinderwunsch, auch bei schwerwiegenden Krankheiten sei das persönliche Verhältnis zum Arzt wichtig, es geht auch um Sympathie.

Christo Stoyanov und Jonathan von Gratkowski kennen sich seit langem, haben früher Computerspiele gemacht und vor elf Jahren die Lübecker Software-Firma Evenmedia gegründet. „Christo war von der Patientus-Idee sofort begeistert“, sagt von Gratkowski, der in Travemünde zu Hause ist.

Bei dem Unternehmen geht es um Beratung — Diagnosen oder Rezepte via Internet gibt es nicht. „Wir dürfen nicht gegen das gesetzliche Verbot von Fernbehandlungen verstoßen. Das heißt: Patientus ersetzt nicht den Praxisbesuch. Arzt und Patient müssen sich persönlich sehen“, erklärt von Gratkowski. „Aber über Patientus kann ein Erstkontakt oder die Nachsorge stattfinden. Um Husten oder Schnupfen geht es dabei nicht, es handelt sich meist um schwerwiegendere Erkrankungen oder darum, dass ein Patient eine Zweitmeinung eines Arztes sucht.“

Schnell war klar, dass sie für Patientus Unterstützung brauchten. Nicolas Schulwitz, den von Gratkowski kennt, seit er 13 Jahre alt ist, kam dazu. Der arbeitete da gerade bei einer großen Krankenversicherung in Bochum, war aber sofort Feuer und Flamme. Seitdem sind sie ein Trio: Schulwitz ist Geschäftsführer, Stoyanov hat mit seinem Team bei Evenmedia die barrierefreie Software entwickelt, von Gratkowski ist für Strategie und Finanzen zuständig. „Ich hatte zwar die Idee, aber das ist eine Teamleistung, und wir sind alle drei gleichberechtigte Partner.“

Zunächst nahmen sie ihr eigenes Geld als Startkapital. „Bis auf uns selbst hat am Anfang niemand an das Projekt geglaubt. Es gab keine Gesetzesgrundlage dafür“, erzählt von Gratkowski. Die größte Hürde neben der Entwicklung der Software sei es gewesen, auf politischer Ebene voranzukommen. „Wir sind zur Ärztekammer Schleswig-Holstein gegangen und haben dort das Projekt vorgestellt. Dann haben wir Geld in Beratung investiert.“ Der Experte Markus Müschenich habe mit ihnen Strategien entworfen und ihnen geholfen, die Tür zu den Lobbyisten zu öffnen. Das Startkapital war bald aufgebraucht.

Ein „Business Angel“ aus Bad Schwartau, der von der Idee begeistert war, habe sich dann mit 150000 Euro beteiligt. Nach der Entwicklungsarbeit und einem Testjahr ging Patientus 2015 an den Start.

Kammer, Kassen, Ärzte und Patienten hätten die Idee positiv aufgenommen, weil Patientus eine Plattform sei, auf der jeder mitspielen könne. „Wir stellen die Verbindung her und machen das dann abrechnungsfähig.“ Noch seien nicht alle Kassen dabei, aber man sei auf bestem Weg, dass bald alle gesetzlich Versicherten und Privatversicherte den Service nutzen können. Die Daten seien alle verschlüsselt, Patientus hält sich an die strengen Datenschutzbestimmungen.

Seit 2015 hat Patientus auch ein Büro in Berlin, denn dort sitzen alle wichtigen Entscheider im Gesundheitswesen. „Nicolas Schulwitz öffnet uns dort das Tor zur Welt“, sagt von Gratkowski. Die Patientus-Idee hat viele auf das Unternehmen aufmerksam gemacht. „Wir führen Gespräche über größere Beteiligungen, um das Wachstum von Patientus und die Internationalisierung zu sichern“, sagt er.

Man wolle im Bereich Medizintourismus mitspielen, so dass auch Ausländer das Patientius-Angebot nutzen können.

Ärzte zahlen Gebühr

Unter www.patientus.de können sich Ärzte und Patienten verbinden. Versicherte können sich auf der Internetseite einen Arzt aussuchen und einen Termin vereinbaren (vorher sollten sie klären, ob ihre Kasse das Angebot schon unterstützt). Notwendig ist nur eine kleine mit dem Computer verbundene Kamera (Webcam). Das Unternehmen Patientus kassiert eine Gebühr von den Ärzten, die das Portal nutzen (ab 29 Euro monatlich). Dafür kann der Arzt das Online-Video-Angebot auch auf seiner Internet-Seite installieren. Zurzeit sind mehrere hundert Ärzte dabei. Ziel von Patientus ist es, bis 2018 etwa 6000 Ärzte als Mitglied zu haben.

Von Christian Risch

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