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Wirtschaft im Norden Stadt sucht neuen Pächter für „Weinberg“
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Stadt sucht neuen Pächter für „Weinberg“
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18:28 09.11.2013
Andreas Wellmann, Andrea Schuh und Frank Wiechmann (v. l.) von der Stadtverwaltung beim Blick in die Unterlagen. Quelle: Fotos: Nicole Hollatz

Eigentlich sollte das Restaurant „Zum Weinberg“ schon Ostern frisch saniert eröffnet werden, dann Ende des Jahres, nun Anfang 2014. Aber: Zu viele unangenehme Überraschungen haben den Bau verzögert. Die gute Nachricht: Das Ende ist in Sicht. Die schlechte: Es gibt noch keinen Pächter. Eckard Mixdorf als ehemaliger Betreiber des Restaurants will nach 17 Jahren den neuen Pachtvertrag nicht übernehmen. Zu den Gründen wollte er sich nicht äußern. Mit Beginn der Bauarbeiten hatte Eckard Mixdorf das Reuterhaus am Markt gepachtet und betreibt außerdem einen Cateringservice.

„Das Objekt ist jetzt bundesweit ausgeschrieben“, so Wismars Senator Andreas Wellmann (SPD). Bisher ohne Reaktion. „Vielleicht, weil man sich noch gar nicht vorstellen kann, was das für ein Schatz wird“, mutmaßt er. Denn: „Der Weinberg wird nicht mehr so sein, wie die Wismarer ihn kennen.“ Noch wird beim Rundgang durch die Baustelle dieser „Schatz“ nur ansatzweise erahnbar.

Eine Ofennische aus der Zeit des Rokoko, mittelalterliche Deckenmalereien, ein Jugendstilbad. „Die Gastraumfläche wird sich mehr als verdoppeln“, so Andrea Schuh von der Abteilung Liegenschaften der Stadt. Angefangen mit dem Kemladen — vor der Sanierung war dort jahrzehntelang die Küche des Weinbergs untergebracht. Das war eine Sünde, machen die Fachleute klar. „Dass dort trotzdem noch so viel historische Substanz erhalten war, grenzt an ein Wunder“, so Projektleiter Frank Wiechmann. Genauso, dass der Kemladen die Jahrzehnte überdauert hat. „Der Bereich des Hauses machte uns die meisten Sorgen“, erzählt Frank Wiechmann. Nicht mehr tragendes Mauerwerk — die Standsicherheit war, wie sich im Zuge der Bauarbeiten zeigte, gefährdet. Aber die Sanierung brachte auch angenehme Überraschungen: eine mittelalterliche Deckenmalerei, die Wismarer Kirchgängern bekannt vorkommen wird. „Teile dieser Deckenmalerei aus dem Weinberg wurden im Betsaal der Heilig-Geist-Kirche wiederverwendet“, zeigt Frank Wiechmann auf die bemalten Deckenbretter, die Fachfrau Ulrike Triebel gerade reinigt und für die weitere restauratorische Behandlung vorbereitet. Weil dieser kleine Schatz im Kemladen sichtbar bleiben soll. Dazu bekommt der Weinberg wieder seinen Weinkeller — das historische Tonnengewölbe bekommt einen direkten Zugang zur Straße.

„Wir wollen den Weinberg erlebbar machen für die Menschen“, so Wiechmann. 1941 erbte die Stadt das Haus, allerdings nur mit der Bedingung, gerade die Diele beispielsweise im damaligen Erhaltungszustand zu belassen und öffentlich zu zeigen. Die Renaissance-Diele zählt zu den schönsten erhaltenen Hausdielen im Land. Mit Ausstellungsräumen, der Diele und eben den gastronomischen Räumen solle das Haus nicht nur den Gästen des zukünftigen Pächters offenstehen, sondern auch für Führungen.

3,6 Millionen Euro werden ins Gebäude investiert, davon 90 Prozent über Förderungen.

Historisches Gebäude
Die Geschichte des Hauses geht bis auf die Zeit um 1351 zurück — das Holz des Dachstuhles wurde so datiert. Das Haus wurde um 1575 im Renaissancestil erweitert, 1648 entstand dort die namensgebende Weinhandlung. Der Barockgiebel mit dem goldglänzenden Baccus — dem Weingott — entstand beim Umbau 1710.

1922 übernahm die Familie Michaelis die Weinhandlung, Lilly Michaelis vermachte nach dem Tod ihrer beiden Söhne das Grundstück mit allen darauf stehenden Gebäuden der Stadt Wismar.

Nicole Hollatz

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