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Wirtschaft im Norden Städtevergleich: Lübeck gilt als Hochburg der Langfinger
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Städtevergleich: Lübeck gilt als Hochburg der Langfinger
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23:15 11.09.2013
Wenn keiner hinsieht, wird eingesackt. Vor allem der Textilhandel ist von Langfingern gebeutelt. Quelle: Foto: Maxwitat

Ist Lübeck die Ladendiebstahl-Hochburg in Deutschland? Das belegt zumindest eine neue Studie im Auftrag des Verbraucherportals „preisvergleich.de“. Im Negativ-Ranking deutscher Großstädte belegt die Hansestadt mit 906 Taten im Jahr 2012 pro 100 000 Einwohner den siebten von 82 Plätzen, lässt damit sogar Metropolen wie Frankfurt am Main und Hamburg weit hinter sich.

Ob Lübeck damit in besonderem Maße kriminell ist, bezweifelt der Einzelhandelsverband Nord. „Wir kennen diese Zahlen auch“, sagt Sprecherin Monika Dürrer. Die Werte besagten erst einmal nur, dass überdurchschnittlich viele Taten zur Anzeige gekommen seien. Dass könne auch an besonders geschulten Mitarbeitern liegen oder an der jeweiligen Geschäftspolitik, die mehr Fälle zu Anzeige bringe.

Aber gleichgültig, wie die Ergebnisse zu interpretieren sind: Fakt ist, dass der Ladendiebstahl trotz immer raffinierterer Sicherheitssysteme für den Einzelhandel ein Riesenproblem bleibt und ist.

Laut Einzelhandelsverband entsteht den Betrieben in Schleswig-Holstein ein Schaden von 120 Millionen Euro im Jahr durch Warenverlust. Ein Großteil der Diebstähle komme ohnehin nie zur Anzeige, die Dunkelziffer wird auf 90 Prozent geschätzt.

Unter den Diebstählen litten vor allem die Verbraucher, sagt Harald Landweiser, Senior-Chef der gleichnamigen Detektei in Bad Schwartau, die auch Kaufhausdetektive beschäftigt. Denn die Verluste des Handels trieben die Preise in die Höhe. Ladendiebstahl gehe zwar zumeist auf das Konto von Einzeltätern. „Wir haben es aber auch immer wieder mit organisierten Banden zu tun“, sagt Landweiser.

Und die verfügten neben dem Know-how auch über die technischen Mittel, um Warensicherungssysteme auszutricksen.

Betroffen sind nach Angaben der Polizei Lübeck vor allem der Textilhandel, aber auch Baumärkte, Drogerien und Supermärkte. Markus Behling, Filialleiter bei CB Mode in Lübeck-Buntekuh, bestätigt das.

Den Schaden durch Diebstahl will er nicht beziffern. „Aber er ist definitiv sehr hoch.“ Zwar bemühe man sich bei der Diebstahlsicherung immer wieder nachzurüsten und Mitarbeiter zu schulen. Gegen Profi-Diebe lasse sich aber nicht viel ausrichten. Die kämen vor allem zu Stoßzeiten und hätten sogar Seitenschneider dabei, um Sicherungsetiketten abzutrennen.

„Unter Diebstählen leiden auch alle Baumärkte“, sagt Martin Steinhöfel, Geschäftsleiter von Bauhaus an der Ratzeburger Allee in Lübeck. In seiner verhältnismäßig kleinen Filiale finden Mitarbeiter nahezu täglich leere Verpackungen, die Diebe zurückgelassen haben. „In einem Jahr summiert sich das auf den Wert eines Mittelklassewagens“, sagt Steinhöfel.

Studie zum Ladendiebstahl
345 873 Ladendiebstähle wurden laut Studie von „preisvergleich.de“ 2012 bei der Polizei angezeigt. Die zehn Städte mit den meisten Diebstählen pro 100 000 Einwohner sind in der Reihenfolge Magdeburg, Saarbrücken, Regensburg, Berlin, Leipzig, Kassel, Lübeck, Bremen, Hildesheim und Trier. Schleswig-Holstein insgesamt liegt bei den Ladendiebstählen jedoch 25 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt, Mecklenburg-Vorpommern liegt mit 10 Prozent unter Schnitt im Mittelfeld.

Oliver Vogt

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