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Stellenabbau: Große Unruhe bei Dräger

Lübeck Stellenabbau: Große Unruhe bei Dräger

200 Jobs werden in Lübeck gestrichen — IG Metall übt harte Kritik — Aktionärsschützer: Ein Signal an die Börse.

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Drägers Haupteingang an der Moislinger Allee in Lübeck. Seit gestern haben viele Mitarbeiter Angst um ihren Job.

Quelle: Heimken/dpa

Lübeck. Lübeck. Die Anzeichen für schlechte Nachrichten bei Dräger hatten sich zuletzt gehäuft. Nach zwei Gewinnwarnungen des Medizin- und Sicherheitstechnik-Herstellers im Juli und Oktober waren auch die Zahlen für das dritte Quartal eine einzige Enttäuschung. Vor etwa drei Wochen informierte Vorstandschef Stefan Dräger die Belegschaft schriftlich, dass bei der aktuellen Geschäftslage auch Stellenabbau nicht auszuschließen sei. Gestern dann die Mitteilung, die Dräger-Mitarbeiter kurz vor Weihnachten in Angst und Unruhe versetzt. 200 Stellen in Lübeck sollen bis Ende 2016 wegfallen — quer durch alle Abteilungen. Ausgenommen sind nur die direkte Produktion und die Logistik. In diesen Bereichen hatte Dräger mit Betriebsrat und IG Metall erst im November einen Zukunftstarifvertrag vereinbart, der dem Unternehmen große Flexibilität gibt. Über vier Jahre wird die Arbeitszeit dort von 35 auf 33 Wochenstunden reduziert. Dieser Tarifvertrag gilt vor allem für jene Mitarbeiter, die in der neuen „Zukunftsfabrik“ in der Revalstraße arbeiten, die 2017 ihren vollen Betrieb aufnimmt. Solche Modelle sollten auch in anderen Bereichen zum Zuge kommen, sagt Betriebsrats-Chef Siegfrid Kasang. „Alleine durch die Rückführung von 40-Stunden-Verträgen auf 35 Stunden pro Woche könnten über 200 Stellen gehalten werden“, erklärt er. Dies hätte den Vorteil, dass beim Aufschwung das qualifizierte Personal an Bord sei. Kasang: „Wir brauchen ein langfristiges Konzept!“ Ein pauschaler Stellenabbau, auch wenn er sozialverträglich — durch Aufhebungsverträge, Beendigung von Befristungen, Altersteilzeit oder ähnliches — geplant sei, schaffe viel zu viel Unruhe in der Belegschaft, sagt Daniel Friedrich, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Lübeck-Wismar. „Wir müssen schneller neue Produkte entwickeln, die Zusammenarbeit zwischen den Bereichen fördern und die Führungskultur verändern — dafür brauchen wir Ruhe und Sicherheit in der Belegschaft“, fordert Friedrich.

Vorstandschef Stefan Dräger erklärt, man habe sich die Entscheidung zum Stellenabbau nicht leicht gemacht und strebe eine sozial verträgliche Lösung an. „Ich bin allen Mitarbeitern sehr dankbar für ihre harte Arbeit, ihr Engagement und ihre Loyalität, besonders in diesem Jahr und der bevorstehenden Zeit“, fügt er hinzu. Die Dynamik in wichtigen Wachstumsmärkten wie China oder Brasilien nehme seit längerer Zeit ab. Deshalb werde das Effizienzprogramm „Fit for Growth“ nochmals intensiviert, um die mittelfristigen Kostensenkungsziele bei den Verwaltungs- und Vertriebskosten zu erreichen.

„Dräger will der Börse das Signal senden: Wir tun was“, erklärt Peter Tschirner von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK). Das Unternehmen habe handeln müssen nach zwei Gewinnwarnungen, die auch zu einer Halbierung des Aktienkurses geführt hätten. „Der Kurs ist jetzt wieder etwa auf dem Niveau von 2010/2011, wie auch das Geschäftsergebnis. Nur braucht man dafür deutlich mehr Umsatz und Personal als damals.“ Interessant sei, dass auch die „heilige Kuh Forschung und Entwicklung“ nicht mehr tabu zu sein scheine. Der Aktionärsschützer glaubt, Dräger kündige den Abbau deshalb jetzt an, damit die Aufwendungen noch 2015 rückstellungsfähig würden. „Damit schont man die Bilanz 2016 und packt möglichst viele schlechte Nachrichten noch ins laufende Geschäftsjahr, das ohnehin kein prickelndes Ergebnis mehr bringen wird.“ Das sei legitim — „und vielleicht mit Blick auf 2016 auch vernünftig“.

Christian Risch

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Stellenabbau bei Dräger
Von Christian Risch

Jahrelang war Dräger so etwas wie eine Job-Lokomotive für die Region Lübeck. Das Unternehmen hatte prall gefüllte Auftragsbücher und einen sehr guten Ruf als Arbeitgeber ...

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