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Steuerbescheid: Reisebranche fürchtet Pleiten

Lübeck Steuerbescheid: Reisebranche fürchtet Pleiten

Behörde will Nachzahlungen rückwirkend bis 2008. Reiseverband fürchtet um Jobs.

Lübeck. In der deutschen Reisebranche gibt es Ärger über einen möglicherweise drastischen Anstieg von Gewerbesteuern. Grund ist eine Entscheidung der Oberfinanzdirektion Münster gegen den einst studentischen Veranstalter Frosch Sportreisen, den jetzt die Anmietung von Hotelunterkünften zusätzliche kommunale Steuer kosten soll. Das Beispiel werde bundesweit Schule machen, wie ein Sprecher des schleswig-holsteinischen Finanzministeriums in Kiel bestätigte.

Der Deutsche Reise Verband (DRV) befürchtet als Folge bei vielen Reiseveranstaltern Entlassungen oder sogar Pleiten. Laut DRV könnten nämlich rückwirkend fällige Steuerforderungen bis zur Gesetzesreform 2008 die gesamte Branche mit zusätzlich 1,4 Milliarden Euro belasten und somit vor allem kleinere Unternehmen in die Knie zwingen. Zum Vergleich: Laut Bundesamt für Statistik nahm Deutschland im Jahr 2012 mit der Gewerbesteuer rund 42,3 Milliarden Euro ein — soviel wie noch nie.

Frosch-Chef Holger Schweins (24,5 Millionen Euro Umsatz, 30 000 Gäste pro Jahr) erwartet Ausfälle in sechsstelliger Höhe. Für alle Unternehmen gilt laut DRV: Sie müssten die Steuer inklusive sechs Prozent Zinsen pro Jahr rückwirkend bis 2008 bezahlen. Der DRV: „Das können die Unternehmen nicht schultern.“ Der neue Ansatz gelte ebenfalls für die vielen Busunternehmen, die Reisepakete mit Übernachtung bieten. „Hunderte von Arbeitsplätzen in den privaten Busunternehmen sind ernsthaft bedroht“, sagt Christiane Leonard, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmer.

Aber auch Europas größtem Reiseveranstalter Tui würden solche zusätzlichen Belastungen mitten im großen Sparkurs mit Stellenabbau schwer ins Kontor schlagen. Tui-Chef Friedrich Joussen machte deshalb Ende September die Ministerpräsidenten aller Bundesländer in einem Brief auf die drohenden Probleme für die Branche aufmerksam. Er verwies zudem darauf, dass ein Veranstalter nicht Vermittler von Räumlichkeiten, sondern von Leistungen sei, die er in einem Gesamtpaket bündele.

Bei der Lübeck und Travemünde Marketing GmbH hofft man, dass die Reiseveranstalter nun nicht die Preise erhöhen: „Dann wäre sicherlich mit einem Rückgang der Buchungszahlen zu rechnen“, so Geschäftsführerin Andrea Gastager.

Auslegungssache
Die Oberfinanzdirektion Münster hat entschieden, dass Frosch Sportreisen mit der Gesetzesreform von 2008 Kosten für Hotelzimmereinkäufe bei Pauschalreisen nicht mehr von der Steuer absetzen darf. Jetzt muss die Firma Gewerbesteuer zahlen, da sie die Räumlichkeiten wie Anlagevermögen dauerhaft gewinnbringend miete.

Claudia Brebach

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