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Wirtschaft im Norden Stillstand auf dem Arbeitsmarkt
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21:20 30.10.2013
Besucher einer Arbeitsmarktmesse in Rostock informieren sich über Stellenangebote. Quelle: dpa

Der Arbeitsmarkt in Schleswig-Holstein tritt auf der Stelle. „Die saisonal typische Herbstbelebung ist im Monat Oktober ausgefallen“, sagte gestern Margit Haupt-Koopmann, Chefin der Arbeitsagentur Nord. Sie sprach von einem „ausgebremsten Aufschwung“. Die Zahl der Arbeitslosen sank lediglich um 32 auf rund 96 800 und blieb damit so gut wie unverändert zum September. Die Arbeitslosenquote beträgt weiterhin 6,5 Prozent — das entspricht dem Bundesdurchschnitt; bundesweit sank die Quote um 0,1 Prozent. Im Vergleich zum Oktober 2012 nahm im Norden die Arbeitslosigkeit aber zu — um 4000 Arbeitssuchende oder 4,4 Prozent.

„Was sich im September mit einer deutlich schwächeren Herbstbelebung als im Vorjahr schon angekündigt hat, ist nun im Oktober eingetreten“, sagte Haupt-Koopmann. Der Arbeitsmarkt in Schleswig-Holstein stagniere. „Auch in diesem Monat fehlen die konjunkturellen Impulse, um diese Entwicklung zu kompensieren.“ Für den Winter erwartet die Expertin erfahrungsgemäß einen Anstieg der Arbeitslosenzahlen, wobei die Entwicklung von der Härte des Winters abhängen werde. „Grundlegende Strukturprobleme sehe ich nicht, es geht noch eine ganze Menge.“ Eine Problem trete aber immer stärker in den Vordergrund: „Es wird schwieriger, Angebot und Nachfrage am Arbeitsmarkt — das reicht von der Qualifikation über Arbeitszeiten bis hin zur Mobilität — zusammenzubringen.“ Hier sei Kompromissbereitschaft der Arbeitgeber gefordert, auch Langzeitarbeitslosen und mäßig Ausgebildeten eine Chance zu geben. Denn der Zufluss an gut qualifizierten Arbeitssuchenden auf den Arbeitsmarkt versiege zunehmend, da viele Betriebe ihre Beschäftigten auch in schwierigeren Zeiten wegen des sich zuspitzenden Fachkräftemangels halten wollten.

Erfreulich sei die Entwicklung der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Ihre Zahl ist im Vergleich zum Vorjahr um 13 000 oder 1,5 Prozent auf 883 000 gestiegen.

Die Arbeitslosigkeit in Hamburg hat im Oktober leicht zugenommen. Insgesamt waren 71 154 Arbeitslose gemeldet, das sind 0,4 Prozent mehr als im September und 4,0 Prozent mehr als vor einem Jahr, teilte die Agentur für Arbeit in der Hansestadt mit. Die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 7,3 Prozent. Gleichwohl bleibe die Beschäftigung auf einem hohen Niveau. Im August waren 880 000 Menschen in Hamburg in einem sozialversicherungspflichtigen Arbeitsverhältnis beschäftigt, so viele wie noch nie in diesem Jahr — 1,6 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Der Arbeitsmarkt in Mecklenburg-Vorpommern schwächelt. Im Oktober stieg die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum September um 1400 oder 1,6 Prozent auf 89 600. Die Erwerbslosenquote kletterte von 10,4 auf 10,6 Prozent — in fast allen anderen Bundesländern sank sie oder blieb gleich.

Was vor allem zunehme, sei die Zahl der Billigjobs und Befristungen, erklärte der DGB Nord. Mehr als 700 000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in den drei Nord-Bundesländern würde es schon besser gehen, wenn nur der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro gelten würde. „Geschäftsmodelle, die auf ausbeuterischen Billiglöhnen basieren, müssen vom Markt verschwinden“, sagte DGB- Nord-Chef Uwe Polkaehn.

Bundesweit schnellte im Oktober die Zahl der Jobs mit 42,6 Millionen auf eine Rekordhöhe, doch der Arbeitsmarkt zeigte mit einem leichten Rückgang der Arbeitslosen auf 2,801 Millionen kaum Bewegung.

Gerade mal um 48 000 sank in dem Herbstmonat die Zahl der Erwerbslosen. In Boom-Jahren lag die Abnahme der Arbeitslosigkeit hier schon mal zwischen 80 000 und 150 000.

Angebot gewachsen
4900 Arbeitsangebote wurden in Schleswig-Holstein im Oktober gemeldet — ein Zuwachs von 4,9 Prozent oder 230 Stellen. Damit nahm zum ersten Mal seit Jahresbeginn das Angebot an sozialversicherungspflichtigen Jobs zu. Besonders im Handel (plus 3200), bei den wirtschaftlichen Dienstleistungen (2100), im Gesundheits- und Sozialwesen (2000) und im verarbeitenden Gewerbe (1700) sind neue Jobs entstanden. In der Energiewirtschaft (minus 1000) und im Bereich Kommunikation (minus 800) gingen Stellen verloren.
Die höchste Arbeitslosigkeit in den kreisfreien Städten im Oktober verzeichnete Neumünster mit 10,7 Prozent, die niedrigste Quote in den Landkreisen gab es in Stormarn mit 4,0.

 Ende September waren 848 Ausbildungsplätze nicht besetzt und 1562 unversorgte Jugendliche bei der Arbeitsagentur gemeldet. Die Arbeitsagentur appelliert an die Arbeitgeber, auch Jugendlichen mit Startschwierigkeiten eine Chance zu geben.

LN

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