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Wirtschaft im Norden Streit um ein Würfelspiel: Fährlinie verklagt Tunnelbauer
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Streit um ein Würfelspiel: Fährlinie verklagt Tunnelbauer
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07:40 13.09.2017
Wer bei dem Würfelspiel mit dem Namen „Reise nach Kopenhagen“ im Fährhafen landet, muss drei Runden aussetzen. Wer am Tunnelportal eintrifft, darf vier Felder vorrücken. Quelle: Fotolia

Bei dem Würfelspiel wird ein Spieler bestraft, wenn seine Figur auf dem Feld „Fährgesellschaft“ landet. Am schnellsten ist der Weg durch den Fehmarnbelttunnel. Juristisch bekämpft werden von Scandlines auch Formulierungen in der Broschüre von Femern A/S, die der Kläger als Verstoß gegen dänische Marketinggesetze einstuft.

Wer bei dem Würfelspiel mit dem Namen „Reise nach Kopenhagen“ im Fährhafen landet, muss drei Runden aussetzen, „wegen Umsteigens auf die Fähre“. Wer am Tunnelportal eintrifft, darf vier Felder vorrücken. So versuchen die dänischen Tunnelplaner, schon die Kleinsten für ihr Milliardenprojekt zu begeistern. Die Kinder erhalten nebenbei eine ausführliche Bastelanleitung, wie sie aus sechs Pappkartons den Tunnel en miniature nachbauen können.

In der Broschüre auf Deutsch und Dänisch werden die angeblichen Vorzüge des Tunnels gegenüber der Verbindung per Scandlines-Fähren so erklärt: Der Tunnel sei bei jeder Wetterlage das ganze Jahr offen. Man müsse auch kein Ticket im Voraus buchen. Das deute fälschlich an, „dass wir des Wetters wegen nicht das ganze Jahr über den Fährbetrieb aufrechterhalten können, deshalb kein verlässlicher Partner für unsere Kunden sind“, wehrte sich Scandlines-Chef Søren Poulsgaard Jensen.

Seine Kritik: Ein staatseigenes Unternehmen wie Femern habe die letzten Jahre erhebliche finanzielle Mittel darauf verwendet, Scandlines in Misskredit zu bringen, gar lächerlich zu machen. „Das ist nicht nur unverständlich und geschäftsmäßig unfair, sondern auch eine sehr merkwürdige Art und Weise, Steuergelder zu verwalten.“ Eine Sprecherin ergänzte, Scandlines habe Femern aufgefordert, die Falschaussagen zu unterlassen und keine für Kinder gedachten Spiele zu produzieren, bei denen das Würfeln auf ein Fährfeld eine negative Konsequenz hat. Ein Gericht solle jetzt klären, ob solch ein Marketing erlaubt ist.

Femern A/S bestätigte, eine 16-seitige Vorladung bekommen zu haben, zeigte sich über die jetzige Klage aber „verwundert“. Man könne die Aufregung nicht nachvollziehen. Schließlich sei das Würfelspiel Teil einer Kinder-Broschüre, die schon seit 2014 ausliegt. Nach Rücksprache mit den eigenen Anwälten sieht Femern A/S keinen Grund zur Sorge. Sprecherin Inga Karten: „Dass eine Fährfahrt länger dauert als eine Passage durch den Tunnel, entspricht doch der Realität.“

Der Belttunnel soll 2028/29 für den Verkehr freigegeben werden. Scandlines will seine Fähren dann weiter betreiben. Unterdessen kursieren erneut Gerüchte über einen bevorstehenden Verkauf der Reederei. Dänische Zeitungen berichten, der britische Finanzinvestor 3i wolle die Reederei für zwei Milliarden Euro veräußern. „Unser Eigentümer entscheidet, wann der Zeitpunkt richtig ist“, erklärte Sprecherin Anette Ustrup Svendsen.

Von Curd Tönnemann und Gerd J. Schwennsen

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