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Wirtschaft im Norden Stromtrasse darf zum Teil vergraben werden
Nachrichten Wirtschaft Wirtschaft im Norden Stromtrasse darf zum Teil vergraben werden
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19:14 19.12.2015
Die Vorzugsvariante der Trasse für die Ostküstenleitung (380 kV) auf einer Grafik.
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Lübeck

 „Damit ist nun endlich die rechtliche Grundlage geschaffen, Erdkabel auf Teilabschnitten zu erproben. So können Anwohner in dicht besiedelten Bereichen entlastet werden“, sagte der Kieler Umweltminister Robert Habeck (Grüne) gestern in Berlin. Ostholsteins Landrat Reinhard Sager (CDU) begrüßt den Beschluss des Bundesrates „außerordentlich. Damit ist eine Kernforderung von uns erfüllt.“

Das Erdkabelgesetz könne Anfang 2016 in Kraft treten. Der Netzbetreiber Tennet erstellt jetzt die Planungsgrundsätze für die Auswahl von Streckenabschnitten, an denen eine Erdverkabelung genauer geprüft wird.

„Insbesondere bei einem Abstand von weniger als 400 Metern zu Wohngebäuden, die im Geltungsbereich eines Bebauungsplans oder Innenbereich liegen oder bei einem Abstand von weniger als 200 Metern zu Wohngebäuden im Außenbereich kann nun geprüft werden, ob Erdkabel eine sinnvolle Alternative zur Freileitung sind“, erklärte der Minister.

Tennet untersuche Optionen innerhalb der Trassenkorridore, die von Herbst 2014 bis Juli 2015 ermittelt worden waren. Mit diesem Dialogprozess habe man gute Vorarbeit geleistet, so Habeck. „Darauf werden wir aufbauen und laden die Kommunen, Verbände, Landwirte und Anwohner ein, gemeinsam mit uns und dem Vorhabenträger Konflikte an einigen Streckenabschnitten zu lösen.“

Für den 1. März 2016 ist eine Auftaktkonferenz zu Planungsgrundsätzen und Teil-Erdkabelabschnitten vorgesehen, danach folgen Gespräche mit Bürgermeistern, Fachdialoge zu Landwirtschaft und Bodenschutz und Bürgerdialoge — im März im Raum Segeberg/Lübeck, im April im Raum Lübeck/Ostholstein. Ende Mai sollen auf einer Ergebniskonferenz die erarbeiteten Abschnitte präsentiert werden.

„Anwohner können von der Erdverkabelung profitieren“, erklärt Landrat Sager, „und der Dialogprozess ist der richtige Weg“. Der Kreis werde eng mit dem Land zusammenarbeiten. Nicht nur auf dichtbesiedelte Gebiete, auch auf touristische Gebiete und Interessen von Landwirtschaft, Natur- und Vogelschutz müsse man achten. „Es gibt Bereiche, wo die Trasse quer zu Vogelflugwegen läuft, das sollte bei der Erdverkabelung berücksichtigt werden“, sagt Ingo Ludwichowski vom Naturschutzbund (Nabu) Schleswig-Holstein.

Die Trasse quere gleich bei Göhl ein EU-Vogelschutzgebiet, sagt Bernd Koop von der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft. Wenn die neue Trasse entlang der alten 110-KV-Leitung gebaut werde, führe sie auch durch Wälder im Raum Lensahn, wo unter anderem Schwarzstörche und Seeadler leben, durch das Neustädter Binnenwasser und kreuze einen Zugweg von Wasservögeln bei Ahrensbök. Wo die neue Trasse nicht als Erdkabel verlaufen könne, sollte im Gegenzug die alte Leitung unterirdisch werden, wünscht sich Koop.

Christian Risch

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